Zusammengerollt schlafende Katze

Niereninsuffizienz bei der Katze: Symptome erkennen

Kurzantwort: Das erste erkennbare Zeichen ist vermehrtes Trinken und Urinieren. Es tritt auf, wenn etwa zwei Drittel der funktionsfähigen Nierenkörperchen ausgefallen sind. Danach folgen Gewichtsverlust, stumpfes Fell, nachlassender Appetit und gelegentliches Erbrechen; spät kommen Maulgeschwüre, Mundgeruch, Blutarmut und Bluthochdruck dazu. Bis zu 40 Prozent der Katzen über zehn Jahre sind betroffen, über 15 Jahre bis zu 80 Prozent.

Die chronische Nierenerkrankung ist die häufigste Organerkrankung älterer Katzen. Sie schreitet langsam voran und macht lange keine Beschwerden.

Wer die frühen Zeichen kennt, gewinnt Monate bis Jahre — die Behandlung wirkt umso besser, je eher sie beginnt.

Die ersten Anzeichen

Am Anfang steht eine Veränderung, die viele Halter als Zeichen guter Gesundheit missdeuten: Die Katze trinkt mehr und setzt mehr Urin ab. Der Streuklumpen wird größer, das Wasser im Napf sinkt schneller.

Der Grund liegt in der nachlassenden Fähigkeit der Niere, den Harn zu konzentrieren. Die Katze verliert Flüssigkeit und gleicht das durch Trinken aus.

Parallel dazu nimmt das Gewicht langsam ab und das Fell wird stumpf und ungepflegt, weil die Katze sich weniger putzt. Bei einer Katze ab sieben Jahren gehört jede dieser Beobachtungen in die Praxis.

Warum die Symptome spät kommen

Katze trinkt Wasser
Vermehrtes Trinken und Urinieren sind die frühesten erkennbaren Zeichen. Foto: pelican, CC BY-SA 4.0

Die Niere hat große Reserven. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, wenn etwa zwei Drittel der Nephrone ausgefallen sind. Der Kreatininwert im Blut steigt erst, wenn rund drei Viertel der Nierenfunktion verloren sind.

Deshalb ist eine Katze mit auffälligem Kreatinin bereits weit fortgeschritten. Der Marker SDMA schlägt früher an: Er zeigt einen Funktionsverlust von etwa 40 Prozent an und überschritt in einer Untersuchung an Katzen den Grenzwert im Mittel 14,6 Monate vor dem Kreatinin.

Für Katzen ab sieben Jahren empfiehlt sich deshalb eine jährliche Blut- und Urinkontrolle, ab zehn Jahren halbjährlich.

Zeichen im fortgeschrittenen Stadium

Mit steigenden Harnstoff- und Kreatininwerten kommen die Beschwerden, die man einer kranken Katze ansieht: nachlassender Appetit, gelegentliches Erbrechen, Teilnahmslosigkeit. Später Futterverweigerung, Austrocknung, Durchfall.

Typisch für das späte Stadium sind Geschwüre in der Maulhöhle, vermehrtes Speicheln und ein auffälliger Geruch aus dem Maul. Dazu kommt häufig eine Blutarmut mit blassen Schleimhäuten.

Ein Warnzeichen, das schnelles Handeln verlangt, ist plötzliche Blindheit oder Orientierungslosigkeit. Dahinter steckt meist Bluthochdruck mit Netzhautablösung. Mindestens 60 Prozent der Katzen mit Bluthochdruck zeigen zugleich Anzeichen einer Nierenerkrankung.

Wie die Diagnose läuft

Katze wird auf einer Waage gewogen
Regelmäßiges Wiegen macht den schleichenden Gewichtsverlust früh sichtbar. Foto: Elisha Dawkins, Public domain

Blut und Urin gehören zusammen. Im Blut werden Kreatinin, SDMA, Harnstoff, Phosphat, Kalium und das rote Blutbild bestimmt. Im Urin zählt zuerst das spezifische Gewicht: Eine gesunde Katze konzentriert ihren Harn auf 1,035 bis 1,060. Liegt der Wert bei einer ausgetrockneten Katze darunter, ist das verdächtig.

Dazu kommen die Bestimmung des Eiweißverlusts über den Urin als Verhältnis von Protein zu Kreatinin sowie eine Blutdruckmessung. Beides ist nach den internationalen Empfehlungen in jedem Stadium vorgesehen. Ultraschall und Röntgen dienen dazu, eine Nierenbeckenentzündung oder einen Harnleiterverschluss auszuschließen.

Die vier IRIS-Stadien

Die International Renal Interest Society teilt die Erkrankung nach dem Kreatininwert im Blut ein. Stadium 1 liegt unter 1,6 mg/dl, Stadium 2 bei 1,6 bis 2,8, Stadium 3 bei 2,9 bis 5,0 und Stadium 4 über 5,0 mg/dl. Für SDMA gelten die Grenzen unter 18, 18 bis 25, 26 bis 38 und über 38 Mikrogramm je Deziliter.

Innerhalb jedes Stadiums wird zusätzlich nach Eiweißverlust und Blutdruck unterteilt. Ein Protein-Kreatinin-Verhältnis über 0,4 gilt als proteinurisch, ein systolischer Blutdruck ab 160 mmHg als behandlungsbedürftig.

In den Stadien 1 und 2 zeigen die Tiere meist noch keine Beschwerden. Ab Stadium 3 treten sie regelmäßig auf und nehmen zu.

Was die Behandlung bringt

Der bestbelegte Baustein ist die Nierendiät. In einer Untersuchung lebten Katzen mit Nierendiät im Median 633 Tage, ohne sie 264. Eine randomisierte, verblindete Studie mit 45 Katzen in den Stadien 2 und 3 verzeichnete über 24 Monate in der Diätgruppe keine urämische Krise und keinen nierenbedingten Todesfall, in der Vergleichsgruppe sechs Krisen und fünf Todesfälle.

Dazu kommen Phosphatbinder, wenn der Phosphatwert trotz Diät über 1,5 mmol/l bleibt, Kaliumgaben bei Mangel, blutdrucksenkende Mittel ab 160 mmHg und Medikamente gegen Übelkeit. Wichtig ist reichlich Wasser, notfalls Infusionen unter die Haut.

Zur Prognose liefert eine Untersuchung an 211 Katzen Anhaltspunkte: mediane Überlebenszeiten von 1.151 Tagen im späten Stadium 2, 778 Tagen im Stadium 3 und 103 Tagen im Stadium 4.

Akutes Nierenversagen abgrenzen

Beim akuten Nierenversagen setzen die Beschwerden innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Häufige Auslöser sind Vergiftungen mit Frostschutzmittel, bestimmte Schmerzmittel, ein Harnröhrenverschluss beim Kater und Lilien.

Echte Lilien der Gattungen Lilium und Hemerocallis schädigen die Nierenkanälchen; erste Zeichen treten innerhalb von ein bis drei Stunden auf. Der auslösende Stoff ist bis heute unbekannt. Bei früher Behandlung mit Infusionen über 48 bis 72 Stunden ist die Aussicht gut, unbehandelt endet die Vergiftung meist tödlich.

Ein Punkt wird oft missverstanden: Nierendiäten sind nicht einfach eiweißarm. Sie erfüllen die anerkannten Mindestwerte für Rohprotein und senken vor allem den Phosphatgehalt. Wer aus Sorge vor Eiweißmangel darauf verzichtet, verschenkt den bestbelegten Baustein der Behandlung.

Ebenso wichtig: Kontrollen nach der Diagnose. Die internationalen Empfehlungen sehen bei instabilen Werten alle vier bis sechs Wochen eine Kontrolle vor, danach alle zwölf Wochen.

Häufige Fragen

Was ist das erste Anzeichen?

Vermehrtes Trinken und größere Urinmengen.

Ab wann sollte ich vorsorglich untersuchen lassen?

Ab sieben Jahren jährlich, ab zehn Jahren halbjährlich Blut und Urin.

Ist die Erkrankung heilbar?

Nein. Das verlorene Nierengewebe kommt nicht zurück, das Fortschreiten lässt sich aber bremsen.

Muss die Katze Nierendiät fressen?

Ab Stadium 3 und 4 wird sie empfohlen, ab Stadium 2 erwogen. Entscheidend ist, dass die Katze sie annimmt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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