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Kurzantwort: Am häufigsten diagnostizieren Tierärztinnen bei Katzen Zahnerkrankungen und Übergewicht. In einer britischen Auswertung von 18.249 Katzenakten stand Parodontitis mit 15,2 Prozent an erster Stelle, Übergewicht mit 11,6 Prozent an zweiter. Bei älteren Tieren kommen chronische Nierenerkrankung, Schilddrüsenüberfunktion und Arthrose dazu. Sofort zum Tierarzt muss eine Katze bei Atemnot, ausbleibendem Harnabsatz, Krampfanfällen und wenn sie länger als 24 Stunden nichts frisst.
Katzen sind schlechte Patienten, weil sie gute Beutetiere sind. Wer krank wirkt, wird angegriffen — deshalb überspielen sie Schmerzen und Schwäche, solange es irgend geht.
Die Fachliteratur zur Altersmedizin bei Katzen nennt genau das als Grund, warum regelmäßige Untersuchungen bei ihnen wichtiger sind als bei anderen Haustieren. Bis Halterinnen etwas bemerken, läuft eine Erkrankung oft schon länger.
Der Überblick zeigt, welche Erkrankungen tatsächlich häufig sind, woran du sie erkennst und wo die Grenze zum Notfall verläuft.
Warum Katzen Symptome verbergen

Katzen sind Jäger und zugleich Beute. Ein sichtbar krankes Tier zieht in der Natur Aufmerksamkeit auf sich, deshalb hat sich Zurückhaltung als Überlebensstrategie durchgesetzt.
Praktisch heißt das: Die frühen Zeichen sind leise. Rückzug an ungewohnte Plätze, weniger Spiel, längere Schlafphasen, verändertes Putzverhalten, ein langsam schleichender Gewichtsverlust, der erst beim Abtasten von Rippen und Wirbelsäule auffällt.
Deshalb ersetzt Beobachtung keine Untersuchung. Für erwachsene Katzen ist mindestens ein jährlicher Termin sinnvoll, für Tiere ab etwa sieben Jahren ein Check mit Blut- und Urinwerten.
Die häufigsten Diagnosen
Eine Auswertung britischer Praxisdaten von 18.249 Katzen zeigt, was Tierärztinnen im Alltag tatsächlich sehen. Die Jahresprävalenz der zehn häufigsten Befunde:
- Parodontitis: 15,2 Prozent
- Übergewicht: 11,6 Prozent
- weitere Zahnerkrankungen: 8,2 Prozent
- zu lange Krallen: 5,2 Prozent
- Flohbefall: 5,1 Prozent
- Herzgeräusch: 4,4 Prozent
- Gewichtsverlust: 3,8 Prozent
- Erbrechen: 3,2 Prozent
- Abszess: 3,1 Prozent
- Durchfall: 2,9 Prozent
Auffällig ist, wie weit vorn Zähne und Gewicht liegen. Beides gilt als vermeidbar beziehungsweise gut behandelbar, wenn es rechtzeitig auffällt.
Zahnerkrankungen: FORL und Parodontitis

Bis zum Alter von zwei Jahren hat einem Fachgremium zufolge bereits ein Großteil der Katzen irgendeine Form von Zahnerkrankung. Die schmerzhafteste ist die feline odontoklastische resorptive Läsion, kurz FORL: Der Zahn löst sich von innen auf.
Die Prävalenz liegt bei 25 bis 30 Prozent, mit dem Alter steigt sie deutlich. Erkennen lässt sich FORL nur im Zahnröntgen, weil die Veränderungen unter dem Zahnfleisch beginnen.
Auf Schmerzen im Maul deuten einseitiges Kauen, Speicheln, Kopfschütteln, Zähneknirschen und plötzliches Meiden von Trockenfutter hin. Katzen fressen trotz starker Schmerzen oft weiter, weshalb ein normaler Napf kein Entwarnungssignal ist.
Chronische Nierenerkrankung
Die Niere verliert schleichend Funktion, ohne dass sich das rückgängig machen lässt. Etwa 30 Prozent aller über neun Jahre alten Katzen zeigen erhöhte Nierenwerte im Blut.
Leitsymptome sind vermehrtes Trinken und Urinieren, Fressunlust, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Erbrechen. Diese Zeichen treten meist erst auf, wenn ein großer Teil des Gewebes bereits geschädigt ist.
Der Blutwert SDMA schlägt früher an als Kreatinin und kann bereits einen Funktionsverlust von 40 Prozent anzeigen. Behandelt wird mit Diät, Blutdruckkontrolle und Flüssigkeitszufuhr — je früher begonnen wird, desto mehr Lebenszeit bleibt.
Schilddrüsenüberfunktion
Die Hyperthyreose betrifft rund zehn Prozent der Katzen über zehn Jahre und ist damit die häufigste Hormonerkrankung älterer Tiere. In 98 Prozent der Fälle steckt eine gutartige Veränderung der Schilddrüse dahinter.
Typisch ist die Kombination aus Gewichtsverlust bei gutem oder gesteigertem Appetit, Unruhe, vermehrtem Trinken, Erbrechen und einem stumpfen, ungepflegten Fell. Häufig fällt zusätzlich ein rasender Herzschlag auf.
Diagnostiziert wird über den Gesamt-T4-Wert im Blut. Behandlungswege sind Medikamente, eine jodarme Diät, eine Operation oder die Radiojodtherapie.
Harnwegserkrankungen und der Notfall beim Kater
Unter dem Begriff FLUTD werden Erkrankungen der unteren Harnwege zusammengefasst. Rund zehn Prozent aller in einer Tierklinik vorgestellten Katzen sind betroffen. In etwa zwei Dritteln der Fälle findet sich keine fassbare Ursache, bakterielle Infektionen machen nur 1 bis 3 Prozent aus.
Anzeichen sind häufiges Absetzen kleiner Urinmengen, angestrengtes Pressen, Blut im Urin, Unsauberkeit außerhalb der Toilette und häufiges Lecken im Genitalbereich.
Wenn ein Kater presst und nichts kommt, ist das ein Notfall. Bei einem Verschluss der Harnröhre wird die Lage nach 36 bis 48 Stunden lebensbedrohlich. Hier zählt jede Stunde.
Übergewicht, Diabetes und Arthrose
Übergewicht erhöht das Risiko für Diabetes etwa um den Faktor vier. Betroffen sind meist Katzen über sieben Jahre, Kater deutlich häufiger als Kätzinnen. Bei konsequenter Behandlung erreichen 25 bis 50 Prozent eine Rückbildung.
Auch Gelenke leiden. Einem Leitlinienpapier zufolge zeigen bis zu 74 Prozent der Katzen ab zwölf Jahren Abnutzungserscheinungen an den Gelenken. Katzen humpeln dabei selten, sie springen stattdessen weniger hoch und meiden bestimmte Plätze.
Gewicht ist damit der Hebel, an dem gleich mehrere Erkrankungen hängen. Feste Portionen, Futterspiele und regelmäßiges Wiegen wirken mehr als jede Nahrungsergänzung.
Wann es ein Notfall ist
Die Veterinärmedizinische Universität Wien nennt diese Situationen als Fälle für den sofortigen Tierarztbesuch:
- Atemnot oder deutlich erhöhte Atemfrequenz
- Krampfanfall, der länger als fünf Minuten dauert
- kein Harnabsatz, beim Kater ein absoluter Notfall
- Nahrungsverweigerung über 24 Stunden
- wiederholtes schwallartiges Erbrechen mit zunehmender Schwäche
- starke, nicht stillbare Blutung
- Lähmung einer oder mehrerer Gliedmaßen
- Verdacht auf eine Vergiftung
Bei einem Krampfanfall gilt: Raum abdunkeln, Ruhe bewahren und keinesfalls ins Maul greifen. Frisst eine Katze mehrere Tage nichts, droht eine hepatische Lipidose, bei der die Leber verfettet — übergewichtige Tiere sind besonders gefährdet.
Häufige Fragen
Wie oft sollte eine gesunde Katze zum Tierarzt?
Einmal jährlich zur Untersuchung samt Impfcheck. Ab etwa sieben Jahren empfiehlt sich zusätzlich ein Blut- und Urinprofil, weil Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen dann häufiger werden.
Woran erkenne ich Schmerzen bei meiner Katze?
An Verhaltensänderungen: Rückzug, weniger Springen, verändertes Putzen, gekrümmte Haltung, Aggression beim Anfassen. Lautes Klagen ist die Ausnahme.
Wie oft muss eine Katze entwurmt werden?
Für Freigänger empfiehlt die europäische Fachorganisation ESCCAP mindestens vier Behandlungen im Jahr oder ersatzweise regelmäßige Kotuntersuchungen. Wohnungskatzen kommen mit ein bis zwei Sammelkotproben jährlich aus.
Ist Erbrechen bei Katzen normal?
Gelegentliches Hervorwürgen von Haarballen ja. Wiederholtes Erbrechen, Erbrechen mit Blut oder in Verbindung mit Schwäche gehört abgeklärt.
Quellen
- O’Neill u. a.: Commonly diagnosed disorders in domestic cats in the UK (VetCompass, 2023)
- Veterinärmedizinische Universität Wien: Notfälle erkennen und Erste Hilfe
- 2021 AAFP Feline Senior Care Guidelines
- ESCCAP Deutschland: Wie oft Katzen entwurmen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







