Ältere Katze im Porträt

Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze: Symptome, Therapie

Kurzantwort: Bei der Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone und treibt den Stoffwechsel hoch. Betroffen sind rund zehn Prozent der Katzen über zehn Jahre. Leitsymptom ist Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, dazu kommen Unruhe, vermehrtes Trinken, Erbrechen und struppiges Fell. Die Diagnose läuft über den Gesamt-T4-Wert im Blut. Behandelt wird mit Medikamenten, jodarmer Diät, einer Operation oder der Radiojodtherapie.

Die Hyperthyreose ist die häufigste Hormonerkrankung älterer Katzen. In 98 Prozent der Fälle liegt eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse zugrunde, nur etwa zwei Prozent gehen auf einen bösartigen Tumor zurück.

Auffällig ist, dass die Erkrankung oft spät bemerkt wird. Eine Katze, die frisst und aktiv wirkt, gilt vielen als gesund — dabei ist genau das hier Teil des Krankheitsbildes.

Unbehandelt belastet der Dauerlauf des Stoffwechsels Herz, Nieren und Kreislauf. Behandelt ist die Prognose dagegen gut.

Was die Schilddrüse steuert

Die Schilddrüse sitzt am Hals und gibt die Hormone T4 und T3 ins Blut ab. Sie bestimmen, wie schnell der Körper Energie umsetzt.

Bei der Hyperthyreose arbeitet das Gewebe unabhängig von der übergeordneten Steuerung weiter. Der Stoffwechsel läuft dauerhaft auf erhöhter Drehzahl.

In rund 70 Prozent der Fälle sind beide Schilddrüsenlappen betroffen. Die eigentliche Ursache ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden unter anderem Umweltstoffe und Ernährungsfaktoren.

Die Symptome

Fressende Katze
Betroffene Katzen fressen viel und nehmen trotzdem ab. Foto: Wikimedia Commons, CC BY 1.0

Das auffälligste Zeichen ist die Kombination aus Abnehmen und gutem bis gesteigertem Appetit. Gewichtsverlust tritt bei etwa 88 Prozent der betroffenen Tiere auf.

Weitere häufige Beschwerden:

  • vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Unruhe, Hyperaktivität, verändertes Verhalten, nächtliches Rufen
  • Erbrechen und Durchfall
  • stumpfes, ungepflegtes oder verfilztes Fell
  • deutlich beschleunigter Herzschlag, teils ein Herzgeräusch

Bei etwa der Hälfte der Tiere lässt sich die vergrößerte Schilddrüse am Hals ertasten. Seltener zeigt sich das Gegenteil des typischen Bildes: Apathie und Fressunlust.

Wie die Diagnose gestellt wird

Blutentnahme bei einer Katze
Die Diagnose läuft über den Gesamt-T4-Wert im Blut. Foto: The National Guard, Public domain

Der wichtigste Test ist der Gesamt-T4-Wert im Blut. Ist er erhöht und passen die Symptome, steht die Diagnose meist fest.

Bei etwa 20 Prozent der erkrankten Katzen liegt der T4-Wert trotz Erkrankung im Normbereich, etwa weil eine zweite Erkrankung ihn drückt. Dann wird das freie T4 bestimmt oder der Test nach einigen Wochen wiederholt.

Zur Erstuntersuchung gehören außerdem Nierenwerte, Blutdruckmessung und eine Beurteilung des Herzens, weil diese Organe regelmäßig mitbetroffen sind.

Die vier Behandlungswege

Medikamente: Thiamazol hemmt die Hormonbildung und wird als Tablette oder als Salbe zum Auftragen ins Ohr gegeben. Der Wirkstoff heilt nicht, sondern hält die Werte in Schach — täglich, lebenslang. Nebenwirkungen betreffen etwa jede fünfte Katze.

Jodarme Diät: Ohne Jod kann die Schilddrüse keine Hormone bilden. In einer Untersuchung lagen nach 180 Tagen 83 Prozent der Tiere im Referenzbereich. Die Katze darf dann aber wirklich nichts anderes fressen, was bei Freigängern und Mehrkatzenhaushalten schwierig ist.

Operation: Die Entfernung des veränderten Gewebes heilt die Erkrankung. Risiken sind die Narkose beim alten Tier und eine Störung des Kalziumhaushalts durch die benachbarten Nebenschilddrüsen.

Radiojodtherapie: gilt als Goldstandard.

Radiojodtherapie im Detail

Die Katze bekommt radioaktives Jod gespritzt, das sich gezielt im überaktiven Gewebe anreichert und es zerstört. Gesundes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

Die Heilungsrate liegt je nach Quelle bei 85 bis 95 Prozent, meist nach einer einzigen Behandlung. Wegen der Strahlenschutzauflagen bieten das nur wenige Einrichtungen an, darunter die Klinik für Kleintiere der Universität Gießen und die Tierklinik Norderstedt.

Die Katze bleibt einige Tage stationär und muss danach einige Wochen in der Wohnung bleiben. Die Universität Gießen gibt die Kosten mit 2.200 bis 2.500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an.

Warum die Nieren mitgeprüft werden

Die Überfunktion treibt die Durchblutung der Nieren hoch und lässt sie besser aussehen, als sie sind. Eine bestehende Nierenerkrankung bleibt dadurch verborgen.

Sinken die Schilddrüsenwerte unter Behandlung, tritt sie hervor: Etwa 25 Prozent der Katzen entwickeln innerhalb von drei bis sechs Monaten erhöhte Nierenwerte.

Deshalb beginnen viele Praxen mit Tabletten oder Diät und beobachten die Nierenwerte einige Monate, bevor über eine endgültige Behandlung entschieden wird. Beides lässt sich absetzen, eine Operation oder Radiojodtherapie nicht.

Bluthochdruck als Begleiter

Fünf bis zwanzig Prozent der betroffenen Katzen haben zusätzlich Bluthochdruck. Ab Werten von 180 mmHg gilt eine Behandlung als notwendig.

Unbehandelt drohen Schäden an den Zielorganen: Netzhautablösung bis zur plötzlichen Erblindung, Verdickung der Herzwand und eine zusätzliche Belastung der Nieren.

Eine Blutdruckmessung gehört deshalb zur Erstdiagnostik und in die Kontrolltermine.

Der Alltag mit der Diagnose

Nach dem Behandlungsbeginn folgen engmaschige Kontrollen, bis die Werte stabil sind. Danach reichen meist halbjährliche Termine mit Blutbild, Nierenwerten und Blutdruck.

Wiegen hilft mehr als jede Beobachtung. Eine Küchenwaage mit Transportbox zeigt Veränderungen früher, als sie sich am Tier ertasten lassen — Ziel ist ein langsam wieder steigendes Gewicht.

Wichtig ist außerdem, Tabletten nicht eigenmächtig abzusetzen, sobald es der Katze besser geht. Die Werte steigen dann innerhalb weniger Wochen zurück in den kritischen Bereich.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sollte man testen lassen?

Ab etwa sieben Jahren gehört ein jährliches Blutprofil zur Vorsorge, spätestens ab zehn Jahren auch der T4-Wert.

Ist die Erkrankung heilbar?

Operation und Radiojodtherapie können heilen. Medikamente und Diät halten die Werte in Schach, solange sie gegeben werden.

Wie lange lebt eine Katze mit Hyperthyreose?

Das hängt von Begleiterkrankungen ab, vor allem vom Zustand der Nieren. Gut eingestellte Tiere leben oft noch Jahre.

Bemerkt man die Überfunktion am Verhalten?

Häufig ja: Die Katze wirkt getrieben, ruft nachts, frisst auffällig viel und wird trotzdem dünner.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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