Singapura-Katze

Kleine Katzenrassen: Singapura, Rex und die Munchkin

Kurzantwort: Nach den Rassestandards der Fédération Internationale Féline gibt es genau eine kleine Rasse: die Singapura, beschrieben als klein bis mittelgroß. Devon Rex, Cornish Rex, Japanese Bobtail und Balinesen gelten im Standard als mittelgroß und wirken nur wegen ihres feingliedrigen Baus klein. Kilogrammangaben nennen die FIFe-Standards grundsätzlich nicht. Die kurzbeinige Munchkin ist bei TICA und der World Cat Federation anerkannt, bei der FIFe nicht — das deutsche Qualzuchtgutachten empfiehlt den Verzicht auf die Zucht.

Wer eine kleine Katze sucht, stößt schnell auf Listen mit Kilogrammangaben. Die stammen selten aus einem Rassestandard. Eine Volltextprüfung der FIFe-Standards für Singapura, Devon Rex, Cornish Rex, Japanese Bobtail, Maine Coon, Russisch Blau, Kartäuser und Korat ergibt keinen einzigen Gewichtswert.

Die Verbände beschreiben Größe ausschließlich relativ: klein bis mittelgroß, mittelgroß, groß. Alles andere sind Erfahrungswerte von Züchtern und keine Verbandszahlen.

Singapura — die einzige kleine FIFe-Rasse

Der Code SIN steht für eine Rasse der dritten FIFe-Kategorie, die 2014 anerkannt wurde. Der Standard beschreibt eine kleine bis mittelgroße, muskulöse Katze; auffällig sind die großen ausdrucksvollen Augen, die großen Ohren und das getickte Fell in Seal Sepia mit seidiger Textur.

Ein Gewicht nennt der Standard nicht. Er verlangt lediglich ein gutes Gewicht im Verhältnis zur Größe.

Die Herkunft der Rasse ist umstritten. Tommy und Hal Meadow gaben an, 1975 drei braun getickte Katzen aus Singapur eingeführt zu haben. 1987 fand der Züchter Gerry Mayes Einfuhrpapiere, wonach die drei Gründungstiere 1974 aus den USA nach Singapur gebracht und dort als Abessinier registriert worden waren. DNA-Untersuchungen von 2007 zeigten eine genetische Nähe zur Burma. Die CFA prüfte den Vorgang, stellte kein Fehlverhalten fest und beließ der Rasse den Status einer Naturrasse.

Selten ist die Singapura geblieben: In der FIFe-Zuchtstatistik 2024 steht sie mit 35 eingetragenen Kitten auf Rang 44 von 54.

Rassen, die nur klein wirken

Devon-Rex-Katze
Die Devon Rex wirkt zierlich, gilt im Standard aber als mittelgroß. Foto: Pathfinder Linden, CC BY 4.0

Vier Rassen tauchen in Listen kleiner Katzen auf, obwohl ihr Standard etwas anderes sagt:

  • Devon Rex (DRX, anerkannt 1968): Größe mittelgroß. Kurzer breiter Keilkopf, sehr hervortretende Backenknochen, geknickte Schnurrhaare.
  • Cornish Rex (CRX, anerkannt 1968): ebenfalls mittelgroß. Der Standard warnt sogar ausdrücklich, das Körpergewicht sei höher, als das Erscheinungsbild vermuten lässt — die Muskulatur wiegt mehr, als der schlanke Bau zeigt.
  • Japanese Bobtail Kurzhaar (JBS, anerkannt 1989): mittelgroß, mit klaren Linien, gut bemuskelt, eher gestreckt und schlank als massig. Der Stummelschwanz soll an einen Hasenschwanz mit Pompon erinnern.
  • Balinesen (BAL, anerkannt 1983): im Standardblatt gemeinsam mit Siamesen und Orientalen geführt. Beschrieben wird der siamesische Typ mit langem schlankem Hals und tiefblauen mandelförmigen Augen — eine Größenangabe „klein“ fehlt.

Der Eindruck von Zierlichkeit entsteht durch feinen Knochenbau, lange Beine und kurzes oder anliegendes Fell, nicht durch geringe Körpergröße.

Die Munchkin und das Problem mit den kurzen Beinen

Munchkin-Katze mit kurzen Beinen
Die Munchkin erkennt die FIFe nicht an; das deutsche Qualzuchtgutachten rät von der Zucht ab. Foto: en:User:Pockle, CC BY-SA 4.0

Die Munchkin trägt eine autosomal-dominant vererbte Kurzbeinigkeit, die nur in mischerbiger Form lebensfähig ist. Aus der Verpaarung zweier Munchkin gehen rund 25 Prozent nicht ausgetragene Trächtigkeiten hervor, 25 Prozent normalbeinige und 50 Prozent kurzbeinige Kitten.

Dokumentiert sind die Chondrodysplasie selbst, die Lordose als verstärkte Krümmung der Wirbelsäule und die Trichterbrust, dazu ein erhöhtes Risiko für schwere Arthrose.

Das deutsche Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes nennt die Munchkin namentlich. Es empfiehlt den Verzicht auf die Zucht mit Merkmalsträgern, verlangt eine Röntgenuntersuchung vor der Zuchtzulassung und stellt ein Zuchtverbot nach wissenschaftlicher Prüfung in Aussicht. Erwartet werden Veränderungen an den Zwischenwirbelscheiben und Einschränkungen in den artspezifischen Bewegungsabläufen.

Wer die Munchkin anerkennt und wer nicht

TICA führt sie seit 1997 in der Championship-Klasse, ebenso erkennen sie der Southern Africa Cat Council, die Australian Cat Federation, Catz Inc. in Neuseeland und die World Cat Federation an, dort unter dem Code MNS.

Die FIFe erkennt sie nicht an, CFA und der britische GCCF ebenfalls nicht. Der GCCF führt Munchkin und verwandte Zwergrassen unter „höchst unwahrscheinlich, dass sie anerkannt werden“ und begründet das mit berichteten Gesundheitsproblemen und dem Risiko zunehmenden Leidens im Alter.

Klein ist nicht gleich zwergwüchsig

Zwischen einer von Natur aus zierlichen Rasse und einer Rasse mit verkürzten Gliedmaßen liegt ein grundsätzlicher Unterschied. Die Singapura ist proportional gebaut, nur eben in kleinerem Maßstab. Bei der Munchkin verkürzt eine Skelettveränderung gezielt die Beine, während der Rumpf normal lang bleibt.

Dieselbe Unterscheidung zieht das Qualzuchtgutachten. Es beanstandet nicht geringe Körpergröße, sondern Merkmale, die Bewegungsabläufe einschränken oder Schmerzen erwarten lassen. Unter dieser Betrachtung stehen neben der Munchkin auch Faltohrkatzen und Katzen ohne Tasthaare.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Eine kleine Katze braucht nicht weniger Platz, weniger Beschäftigung oder weniger Kletterfläche als eine große. Der Unterschied zeigt sich beim Futterbedarf und beim Transportkorb, nicht beim Bewegungsdrang.

Sinnvoller als die Suche nach der kleinsten Rasse ist die Frage nach den dokumentierten Erbkrankheiten und danach, ob der Züchter Untersuchungsergebnisse der Elterntiere vorlegt.

Häufige Fragen

Welche Katzenrasse bleibt am kleinsten?

Nach dem Wortlaut der FIFe-Standards die Singapura. Verbindliche Gewichtsangaben gibt es dazu nicht.

Sind kleine Katzen anfälliger für Krankheiten?

Nicht die Größe entscheidet, sondern die Erblast der jeweiligen Linie.

Wie viel Platz braucht eine kleine Katze?

Genauso viel wie jede andere: Kletterflächen, Rückzugsorte, Kratzmöglichkeiten und mehrere Katzentoiletten.

Darf man eine Munchkin in Deutschland kaufen?

Der Kauf ist nicht verboten, die Zucht mit Merkmalsträgern bewertet das Gutachten zu Paragraf 11b jedoch kritisch.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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