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Kurzantwort: FIP, die feline infektiöse Peritonitis, entsteht durch eine Mutation des weit verbreiteten felinen Coronavirus. Betroffen sind vor allem Katzen unter zwei Jahren. Die feuchte Form mit Bauch- oder Brusthöhlenerguss macht rund 78 Prozent der Fälle aus. Unbehandelt endet FIP fast immer tödlich. Seit 2018 verändert der Wirkstoff GS-441524 das Bild: Die berichteten Behandlungserfolge liegen zwischen 80 und 100 Prozent. In Deutschland ist er nicht als Tierarzneimittel zugelassen, darf aber als Rezeptur aus der Apotheke verschrieben werden.
Das feline Coronavirus selbst ist harmlos. Es wird fäkal-oral übertragen, verursacht meist gar keine oder milde Darmbeschwerden und kommt in fast jedem Mehrkatzenhaushalt vor. In deutschen Zuchtbeständen trugen 78 Prozent der Katzen Antikörper dagegen.
Bei etwa zehn Prozent der infizierten Tiere verändern Mutationen das Verhalten des Virus. Es befällt dann Fresszellen und löst eine Entzündung der Blutgefäße aus. Weniger als zehn Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Katzen entwickeln tatsächlich FIP.
Wer erkrankt
Junge Tiere sind am stärksten betroffen. In einer deutschen Auswertung von 222 FIP-Fällen war knapp die Hälfte jünger als ein Jahr; das Cornell Feline Health Center nennt rund 70 Prozent unter anderthalb Jahren und die Hälfte unter sieben Monaten.
Rassekatzen erkranken häufiger: Die Häufigkeit liegt bei 1,3 Prozent gegenüber 0,35 Prozent bei Mischlingen. Überrepräsentiert sind unter anderem Abessinier, Bengal, Heilige Birma, Ragdoll und die Rex-Rassen.
Das Coronavirus wird meist von der Kätzin auf die Welpen im Alter von fünf bis acht Wochen übertragen. Je höher die Besatzdichte, desto größer der Infektionsdruck — Cornell empfiehlt höchstens drei Katzen pro Raum.
Die feuchte Form
Sie ist die häufigere und macht nach den ABCD-Leitlinien rund 78 Prozent der Fälle aus. Kennzeichnend ist ein zäher, strohgelber Erguss in Bauch- oder Brusthöhle.
Typisch sind ein zunehmender Bauchumfang bei gleichzeitig magerem Tier, erschwerte Atmung bei Brusthöhlenerguss, schwankendes Fieber und Fressunlust. Fieber liegt bei 56 Prozent der Fälle vor, vergrößerte Bauchlymphknoten bei 41 Prozent.
Die trockene Form

Hier bilden sich knotige Entzündungsherde in Organen statt eines Ergusses. Der Verlauf ist schleichender und schwerer zu erkennen.
Je nach befallenem Organ zeigen sich Augenveränderungen wie Regenbogenhautentzündung oder Trübungen, neurologische Ausfälle mit Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen, Gelbsucht bei Leberbefall sowie unerklärlicher Gewichtsverlust.
Wie die Diagnose gestellt wird
Einen einzelnen beweisenden Test gibt es nicht. Ein positiver Coronavirus-Antikörpertest sagt für sich genommen nichts aus, weil ein großer Teil aller Katzen ihn positiv hat. Die Serokonversion tritt sieben bis 28 Tage nach der Infektion ein.
Am aussagekräftigsten ist die Untersuchung des Ergusses mit Zytologie, Biochemie und einer Coronavirus-PCR. Als Goldstandard gilt der immunhistochemische Nachweis des Virus in Gewebsfresszellen.
Dazu kommen Blutbild und Organwerte, Ultraschall und die Bewertung des klinischen Gesamtbildes. Erst die Summe ergibt die Diagnose.
Behandlung mit GS-441524
Seit 2018 steht mit GS-441524, dem aktiven Stoffwechselprodukt von Remdesivir, eine wirksame Behandlung zur Verfügung. Die aktualisierte Behandlungsleitlinie des Europäischen Beratungsgremiums für Katzenkrankheiten vom April 2026 nennt die orale Gabe von 15 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht alle 24 Stunden als Mittel der Wahl.
Klassisch wurde 84 Tage behandelt. Eine prospektive Studie zeigte, dass bei der feuchten Form 42 Tage gleich wirksam sind. Die Vetsuisse-Fakultät der Universitäten Zürich und Bern empfiehlt in ihrem Merkblatt vom August 2025 sechs Wochen, mit der Möglichkeit, die Dosis um 5 Milligramm je Kilogramm zu erhöhen oder auf 84 Tage zu verlängern.
Intravenöses Remdesivir bleibt schwer kranken Tieren vorbehalten, bei denen die Aufnahme über das Maul nicht gesichert ist, etwa bei Darmstillstand.
Wie gut die Therapie wirkt

Die berichteten Erfolgsraten liegen zwischen 80 und 100 Prozent, häufig über 90 Prozent. Eine systematische Übersicht über elf Studien mit 650 Fällen kam auf 84,6 Prozent.
Bei erfolgreicher Behandlung bessert sich der Allgemeinzustand meist schon in der ersten Woche, Körperhöhlenergüsse bilden sich in der Regel binnen zwei Wochen zurück.
Katzen, die lediglich Coronaviren ausscheiden, ohne dass FIP diagnostiziert wurde, sollen ausdrücklich nicht behandelt werden. Der Grund ist das Risiko von Resistenzen.
Die Rechtslage in Deutschland
GS-441524 ist weder in Deutschland noch in der EU als Tierarzneimittel zugelassen. Die Anwendung ist dennoch legal, und zwar als Rezeptur — als Formula magistralis, die eine Tierärztin oder ein Tierarzt verschreibt und eine Apotheke in einem EU-Mitgliedstaat herstellt.
Damit unterscheidet sich der offizielle Weg klar vom Bezug über Anbieter aus dem Internet, bei denen Gehalt und Reinheit nicht überprüft sind. In der Schweiz ist der Wirkstoff seit 2025 ebenfalls als Rezeptur verfügbar.
Vorbeugen im Mehrkatzenhaushalt
Gegen FIP selbst lässt sich nicht impfen; die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt den vorhandenen Impfstoff wegen zu geringer Wirksamkeit nicht.
Wirksam ist die Senkung des Infektionsdrucks: kleine, stabile Gruppen, mehrere Katzentoiletten an verschiedenen Orten, tägliche Reinigung, Katzenstreu mit wenig Staub und getrennte Näpfe. Zuchten profitieren davon, Kätzinnen mit ihren Welpen abgesondert unterzubringen.
Häufige Fragen
Ist FIP von Katze zu Katze ansteckend?
Übertragen wird das harmlose Coronavirus, nicht die Erkrankung selbst. Die Mutation zur FIP-auslösenden Form entsteht im einzelnen Tier.
Was sagt ein positiver Coronatiter aus?
Nur, dass die Katze Kontakt zum Coronavirus hatte. Als FIP-Beweis taugt er nicht.
Kann FIP zurückkommen?
Rückfälle nach abgeschlossener Behandlung sind beschrieben. Deshalb wird nach Therapieende weiter kontrolliert.
Ist der Mensch gefährdet?
Nein. Das feline Coronavirus ist auf Katzen beschränkt.
Quellen
- Cornell Feline Health Center: Feline Infectious Peritonitis
- Update on Treatment of Feline Infectious Peritonitis: European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) Guidelines
- Feline Infectious Peritonitis: European Advisory Board on Cat Diseases Guidelines
- Vetsuisse-Fakultät Zürich und Bern: Diagnose und Therapie der felinen infektiösen Peritonitis
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- FIP bei Katzen: Symptome, Diagnose und Behandlung
- FORL bei Katzen: Symptome, Diagnose und Behandlung
- Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze: Symptome, Therapie
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







