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Kurzantwort: Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, weil jeder Zuchtverband eigene Regeln hat. Die europäische Fédération Internationale Féline führt 48 voll anerkannte Rassen plus zwei vorläufig anerkannte. Die amerikanische TICA kommt auf 75, die World Cat Federation auf 69, CFA und der britische GCCF auf je 45. Wer eine Katze sucht, orientiert sich sinnvoller an den vier FIFe-Kategorien als an einer Gesamtzahl.
Der Grund für die Spannweite liegt in der Zulassungsphilosophie. TICA erkennt Kreuzungen, Mutationen bestehender Rassen und experimentelle Rassen an. GCCF und CFA sind konservativ und lehnen die meisten Neumutationen ab.
Dazu kommt die Frage, was als eigene Rasse zählt und was als Farbvarietät. Die Himalayan ist bei TICA eine Rasse, bei der CFA nur eine Farbvarietät der Perser.
Die vier FIFe-Kategorien
Die FIFe ordnet ihre Rassestandards in vier Gruppen, die schlicht Kategorie 1 bis 4 heißen. Eigene Namen vergibt der Verband nicht.
- Kategorie 1 mit fünf Rassen: Perser, Exotic, Ragdoll, Heilige Birma und Türkisch Van.
- Kategorie 2 mit neun Codes: die halblanghaarigen Rassen, darunter Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirer, Neva Masquerade, American Curl, LaPerm und Türkisch Angora.
- Kategorie 3 mit 19 Codes: die Kurzhaarrassen von Britisch Kurzhaar über Kartäuser, Bengal, Burma, Burmilla, Manx und Korat bis Singapura, Snowshoe und Sokoke.
- Kategorie 4 mit 15 Codes: Siamesen und Orientalen, Abessinier und Somali, Balinesen, Thai, die Rex-Rassen sowie Sphynx, Don Sphynx, Peterbald, Japanese Bobtail und Russisch Blau.
Vorläufig anerkannt sind Bombay und Lykoi, jeweils für den Zeitraum 2023 bis 2027. Zählt man sie mit, kommt die häufig zitierte Zahl 50 zustande.
Warum die Verbände verschiedene Zahlen nennen

Der Stand von 2023 zeigt das Bild deutlich: TICA 75 Rassen, WCF 69, FIFe 50 einschließlich der vorläufigen, CFA 45 und GCCF 45.
Die WCF weist an anderer Stelle 111 anerkannte oder akzeptierte Rassen aus, weil sie zusätzlich Rassen führt, die andere Verbände ablehnen. Die CFA unterscheidet zwischen 42 Championship-Rassen und drei nicht kompetitiven Klassen.
Eine Rasse ist also keine biologische Kategorie, sondern eine Verbandsentscheidung.
Welche Rassen tatsächlich gezüchtet werden
Die FIFe veröffentlicht ihre Zuchtstatistik jährlich. 2024 wurden 96.075 Kitten auf 54 Rassecodes eingetragen. Die zehn häufigsten:
- Maine Coon: 23.775 (24,7 Prozent)
- Britisch Kurzhaar: 16.278 (16,9 Prozent)
- Ragdoll: 15.052 (15,7 Prozent)
- Sibirer: 4.420
- Devon Rex: 4.296
- Norwegische Waldkatze: 4.105
- Bengal: 3.559
- Heilige Birma: 3.147
- Neva Masquerade: 2.977
- Russisch Blau: 2.370
Drei Rassen machen zusammen mehr als die Hälfte aller Eintragungen aus. Eine nach Ländern aufgeschlüsselte Statistik veröffentlicht die FIFe nicht; belastbare Zahlen zur beliebtesten Rasse in Deutschland gibt es deshalb nicht.
Wenn der Rassestandard krank macht

Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes verbietet das Züchten von Wirbeltieren, wenn damit zu rechnen ist, dass der Nachzucht erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind oder dass Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Wie das auszulegen ist, beschreibt ein Gutachten der Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht von 1999. Für Katzen nennt es unter anderem:
- Zuchtverbot für Faltohrkatzen mit dem Fd-Gen. Betroffene Tiere entwickeln Knorpel- und Knochenveränderungen an den Gelenken.
- Zuchtverbot für Katzen ohne Tasthaare. Das betrifft Nacktkatzen und Rex-Rassen; das Gutachten empfiehlt den Verbänden zusätzlich, ihre Standards zu ändern.
- Verzicht auf die Zucht mit kurzbeinigen Munchkin-Katzen samt Röntgenpflicht vor der Zuchtzulassung und der Ankündigung eines möglichen Zuchtverbots.
- Zuchtverbote für Manx und Cymric wegen Wirbelmissbildungen sowie für Polydaktylie.
- Genanalyse vor der Zucht mit weißen Katzen, die das dominante W-Gen tragen, wegen des Taubheitsrisikos.
Was die Verbände daraus machen
Der britische GCCF führt eine Liste nicht anerkannter Rassen mit rotem Status. Dort stehen die Scottish Fold wegen bekannter Gelenkerkrankungen, die Munchkin und verwandte Zwergrassen, Nacktkatzen sowie Wildarthybriden wie Savannah und Chausie.
Die FIFe erkennt Scottish Fold und Munchkin nicht an, führt Sphynx seit 2002 und Don Sphynx seit 2011 dagegen als vollwertige Rassen. Die WCF listet sowohl Munchkin als auch Scottish Fold. Die Bundestierärztekammer dokumentiert auf ihrer Qualzucht-Seite Gerichtsurteile zu Nacktkatzen, Scottish Fold und weißen Katzen.
Was das für die Auswahl bedeutet
Eine anerkannte Rasse ist kein Gesundheitsversprechen. Nützlicher als die Frage nach der Rassezahl sind drei andere: Welche Erbkrankheiten sind für diese Rasse dokumentiert? Legt der Züchter Untersuchungsergebnisse der Elterntiere vor? Steht das Zuchtziel im Widerspruch zum Gutachten zu Paragraf 11b?
Wie eine Rasse anerkannt wird
Am Anfang steht eine Gruppe von Züchtern, die ein Merkmal über mehrere Generationen stabil vererbt und dokumentiert. Der Verband prüft Abstammungsnachweise, verlangt eine ausreichend große Zuchtbasis und schreibt einen Standard mit Punkteschlüssel.
Danach folgt eine Bewährungszeit mit vorläufigem Status. Die FIFe hat Bombay und Lykoi auf diese Weise befristet aufgenommen. Erst wenn genug Tiere auf Ausstellungen vorgestellt wurden und die Gesundheit der Linien belegt ist, folgt die volle Anerkennung — die Singapura brauchte dafür bis 2014, obwohl sie in den USA schon 1988 den Championship-Status hatte.
Häufige Fragen
Wie viele Katzenrassen gibt es weltweit?
Je nach Verband zwischen 45 und 75, die WCF führt in ihrer weitesten Zählung über 100.
Ist die Hauskatze eine Rasse?
Die europäische Hauskatze wird bei der FIFe als Europäisch Kurzhaar geführt und ist seit 1949 anerkannt.
Welche Rasse ist die häufigste?
In der FIFe-Statistik 2024 die Maine Coon mit fast einem Viertel aller Eintragungen.
Was bedeuten die Kürzel im Stammbaum?
Jede Rasse trägt einen dreistelligen Code, etwa MCO für Maine Coon oder RUS für Russisch Blau. Angehängte Buchstaben und Ziffern beschreiben Farbe und Zeichnung nach dem EMS-System.
Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?
An der Mitgliedschaft in einem Verband, an Untersuchungsergebnissen der Elterntiere, an der Abgabe frühestens mit zwölf Wochen und daran, dass er selbst Fragen stellt.
Quellen
- Fédération Internationale Féline: Breeds und Rassestandards
- FIFe: Breeding Statistics 2024
- Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht: Gutachten zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz
- Governing Council of the Cat Fancy: Unrecognised Breeds
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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- Allergiker und Katzenrassen: Sechs Rassen im Faktencheck
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







