Perserkatze mit rundem Gesicht

Schöne Katzenrassen: Was auf Ausstellungen bewertet wird

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Kurzantwort: Schönheit ist bei Katzenausstellungen eine Punktzahl. Der FIFe-Standard verteilt 100 Punkte auf Kopf, Körper, Augen, Fell und Kondition; ab 88 Punkten lautet das Urteil vorzüglich, für ein Zertifikat braucht es je nach Klasse 93 bis 97. Bei mehreren Rassen führt genau das Merkmal, das Punkte bringt, zu Schäden — für Brachyzephalie, Faltohren, Schwanzlosigkeit und fehlende Tasthaare empfiehlt das deutsche Qualzuchtgutachten ein Zuchtverbot.

Wer nach schönen Katzenrassen sucht, landet meist bei Bildergalerien. Interessanter ist die Frage, wer nach welchen Regeln entscheidet.

Und wo die Regeln inzwischen mit dem Tierschutzrecht kollidieren.

Schönheit ist im Standard eine Punktzahl

Jeder FIFe-Rassestandard endet mit einem Punkteschlüssel, der 100 Punkte auf Merkmale verteilt. Bei Siam und Balinese entfallen 25 Punkte auf die Kopfform, 25 auf den Körper, 15 auf die Augenfarbe, je 10 auf Fellqualität, Farbe der Points und Kontrast zur Körperfarbe sowie 5 auf die Kondition.

Andere Rassen gewichten anders. Bei der Cornish Rex zählt das Fell mit 35 Punkten am schwersten, bei der Sphynx Fell und Haut zusammen mit 25. Der Punkteschlüssel verrät damit, worauf eine Rasse überhaupt gezüchtet wird.

Der britische GCCF und die amerikanische CFA arbeiten mit eigenen Schlüsseln. Beim GCCF entfallen bei der Siam 50 Punkte auf den Typ und 50 auf Farbe und Fell, bei der CFA 30 auf den Körper und 30 auf die Farbe.

Wie eine Bewertung abläuft

Nach den FIFe-Ausstellungsregeln gilt ab 88 Punkten das Prädikat vorzüglich, ab 76 sehr gut, ab 61 gut. Für ein Zertifikat reicht das allein nicht: Die Katze braucht ein Vorzüglich mit Platz eins und je nach Klasse zwischen 93 und 97 Punkten.

Innerhalb einer Klasse wird auf die Plätze eins bis vier gesetzt, geteilte Plätze gibt es nicht. Der Richter darf ein Zertifikat zurückhalten, wenn das erstplatzierte Tier aus seiner Sicht nicht genügend Qualität zeigt, muss das aber im Bericht begründen.

Die Rassen, die als besonders schön gelten

Norwegische Waldkatze im Schnee
Rassen ohne übersteigerte Merkmale kommen ohne Zuchtauflagen aus. Foto: Durator, Public domain

Welche Rasse jemand schön findet, lässt sich nicht objektivieren. Ein Blick auf die Eintragungszahlen zeigt aber, wofür sich Menschen tatsächlich entscheiden: Maine Coon, Britisch Kurzhaar und Ragdoll stellten bei der FIFe 2024 zusammen 57,3 Prozent aller Eintragungen.

Alle drei kommen ohne übersteigerte Merkmale aus. Dasselbe gilt für Norwegische Waldkatze, Sibirer, Russisch Blau und Kartäuser. Wer Wert auf Optik legt und Zuchtprobleme vermeiden will, findet dort die unkomplizierteste Auswahl.

Wenn das Schönheitsmerkmal krank macht

Beim Perser und beim Exotic wird auf einen verkürzten Gesichtsschädel gezüchtet. Das Qualzuchtgutachten beschreibt die Folgen: Neigung zu Schwergeburten, erhöhte Totgeburtenrate, verengte obere Atemwege und verengte Tränennasenkanäle, letzteres besonders beim sogenannten Peke-Face-Typ.

Eine computertomografische Untersuchung an 31 brachyzephalen Katzen, überwiegend Persern, zeigt den Mechanismus: Je kürzer der Schädel, desto stärker rotieren Gesichtsknochen und obere Eckzähne nach oben, und desto steiler und geknickter verläuft der Tränennasenkanal, bis er nicht mehr abfließt. Die Autoren empfehlen, mit betroffenen Tieren nicht weiterzuzüchten und längeren Gesichtsschädeln den Vorzug zu geben.

Die Empfehlung des Gutachtens ist konkret: Zuchtverbot für extrem kurznasige Tiere, bei denen der obere Rand des Nasenspiegels über dem unteren Augenlidrand liegt.

Faltohren, Kurzbeine, Schwanzlosigkeit

Scottish Fold mit gefalteten Ohren
Die Scottish Fold ist bei FIFe und GCCF nicht anerkannt. Das Gen für die Ohren verändert auch das Skelett. Foto: be creator, CC BY 4.0

Bei der Scottish Fold verursacht dasselbe Gen, das die Ohren faltet, Veränderungen an Knorpel und Knochen. 2016 wurde die zugrunde liegende Variante im Gen TRPV4 beschrieben. Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot; der britische GCCF hat die Registrierung bereits 1971 eingestellt und rät ausdrücklich vom Kauf ab. Die FIFe führt die Rasse gar nicht.

Bei Manx und Cymric ist die Schwanzlosigkeit mit Wirbelmissbildungen, neurologischen Ausfällen und Inkontinenz verbunden; die reinerbige Form ist tödlich. Auch hier lautet die Empfehlung Zuchtverbot.

Bei der Munchkin, der kurzbeinigen Katze, geht das Gutachten weniger weit: Es empfiehlt den Verzicht auf die Zucht mit Merkmalsträgern und eine wissenschaftliche Überprüfung, spricht aber kein Verbot aus. In der Verbotstabelle taucht die Rasse nicht auf.

Bei Sphynx und Rex-Rassen knüpft das Verbot an ein einzelnes Merkmal: Es gilt für Katzen, denen die Tasthaare fehlen, weil das Gutachten darin einen Körperschaden mit andauernden Leiden sieht.

Was das Gesetz tatsächlich regelt

Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes verbietet das Züchten, wenn zu erwarten ist, dass Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Die Behörde kann außerdem das Unfruchtbarmachen anordnen.

Ein Ausstellungs- oder Werbeverbot für Qualzuchten gibt es in Deutschland nicht. Ein entsprechender Entwurf war Teil einer Novelle, die 2024 nicht mehr verabschiedet wurde. Bundestierärztekammer und Deutscher Tierschutzbund fordern ein solches Verbot weiterhin.

Das Qualzuchtgutachten selbst ist keine Rechtsverordnung, sondern eine Auslegungshilfe einer Sachverständigengruppe. Gerichte ziehen es heran; das Verwaltungsgericht Berlin stützte darauf 2015 eine Entscheidung zur Sphynx-Zucht.

Wer ein Kitten kauft, kann selbst prüfen. Bei kurznasigen Rassen sollte der obere Rand des Nasenspiegels unterhalb des unteren Augenlidrands liegen. Die Tasthaare müssen vorhanden und gerade sein. Die Nase sollte frei sein und die Augen trocken. Und die Elterntiere sollten sich ohne hörbares Atemgeräusch bewegen.

Seriöse Züchter legen Untersuchungsergebnisse unaufgefordert vor und geben Kitten frühestens mit zwölf Wochen ab.

Häufige Fragen

Welche Katzenrasse ist die schönste?

Das entscheidet kein Standard. Verbände messen nur, wie nah ein Tier ihrem eigenen Ideal kommt.

Wie viele Punkte braucht eine Katze für ein Zertifikat?

Je nach Klasse 93 bis 97 von 100, dazu ein Vorzüglich mit Platz eins.

Ist die Scottish Fold in Deutschland verboten?

Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot. Ein bundesweites gesetzliches Verbot der Rasse gibt es nicht.

Woran erkenne ich eine gesunde Zuchtlinie?

An Untersuchungsergebnissen der Elterntiere, an einem Nasenspiegel unterhalb des unteren Augenlidrands bei kurznasigen Rassen und an vorhandenen, ungekräuselten Tasthaaren.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Marlene Kort schreibt fuer haustiergesundheit.net ueber Haltung, Ernaehrung und Gesundheit von Tieren.


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