Zwei Kaninchen sitzen nebeneinander

Kaninchen halten: Platz, Partner, Futter und Impfung

Kurzantwort: Zwei Kaninchen brauchen dauerhaft mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche, für jedes weitere Tier 20 Prozent mehr. Einzelhaltung lehnt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz grundsätzlich ab, und ein Meerschweinchen ist kein Ersatz für einen Artgenossen. Heu oder frischer Wiesenschnitt müssen rund um die Uhr verfügbar sein. Geimpft wird gegen RHD und Myxomatose, unabhängig von der Haltungsform. Die Lebenserwartung liegt bei acht bis zwölf Jahren.

Kaninchen gelten als anspruchslose Anfängertiere. Die Merkblätter der Fachverbände zeichnen ein anderes Bild: Ihr Platzbedarf ist hoch, ihre Verdauung empfindlich, und ihr Sozialverhalten lässt sich nicht durch den Menschen ersetzen.

Maßstab ist das Merkblatt Nr. 157 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz von 2019, das die Anforderungen von Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes für Kaninchen ausbuchstabiert. Der Deutsche Tierschutzbund nennt in seiner Broschüre dieselben Kernzahlen.

Sechs Quadratmeter — und warum genau die

Kaninchen in einem Außengehege
Sechs Quadratmeter Grundfläche für zwei Tiere, eine Seite mindestens 2,40 Meter lang. Foto: Bcwarner, CC BY-SA 4.0

Die TVT fordert für zwei Kaninchen bis drei Kilogramm mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche, für jedes weitere Tier 20 Prozent mehr. Der Deutsche Tierschutzbund nennt dieselbe Zahl.

Die Begründung steckt in der Fortbewegung. Ein Kaninchen muss mindestens drei aufeinanderfolgende Hoppelschritte von je rund 80 Zentimetern machen können. Daraus folgt eine Seitenlänge von mindestens 2,40 Metern.

Die Höhe richtet sich nach dem Männchenmachen: Das Tier muss sich auf die Hinterbeine stellen können, ohne mit den Ohren anzustoßen.

Ein Käfig ist danach kein Zuhause, sondern höchstens ein Rückzugsort. Er muss mindestens 150 mal 60 mal 50 Zentimeter messen und ständig offen stehen; die TVT rät, das Türchen abzubauen. Reine Käfighaltung bezeichnet das Merkblatt als nicht tiergerecht.

Niemals allein

Kaninchen sind sozial lebende Tiere, deshalb ist eine Einzelhaltung grundsätzlich abzulehnen — so steht es im TVT-Merkblatt.

Bewährt hat sich ein kastrierter Bock mit einem bis drei Weibchen. Auch zwei kastrierte Böcke mit mehreren Weibchen oder reine Kastratengruppen funktionieren. Von reinen Weibchengruppen rät der Deutsche Tierschutzbund wegen der Aggressionen ab.

Kastriert wird früh: ab 600 bis 900 Gramm Körpergewicht, also etwa in der achten bis zehnten Lebenswoche. Frühkastrierte Böcke werden gar nicht erst zeugungsfähig und können durchgehend in der Gruppe bleiben. Nach einer späteren Kastration bleiben sie noch vier bis sechs Wochen zeugungsfähig.

Unkastrierte Häsinnen neigen zu starkem Dominanzverhalten und zu Erkrankungen der Geschlechtsorgane.

Warum Meerschweinchen kein Partner sind

Die TVT ist eindeutig: Eine Vergesellschaftung von Kaninchen mit anderen Kleinsäugern wie Meerschweinchen ist wegen des unterschiedlichen Verhaltens grundsätzlich nicht tiergerecht.

Die Tiere sprechen verschiedene Sprachen. Ein Kaninchen, das putzen und kuscheln will, trifft auf ein Meerschweinchen, das flüchtet. Beide bleiben sozial allein.

Futter: Heu ohne Ende

Kaninchen frisst Grün
Als Dauerfresser nehmen Kaninchen bis zu 80 kleine Portionen am Tag auf. Foto: Nabeel191, CC BY-SA 4.0

Kaninchen sind Dauerfresser und nehmen bis zu 80 kleine Portionen am Tag auf. Heu oder frischer Wiesenschnitt muss deshalb immer verfügbar sein.

Frischfutter empfiehlt die TVT mit rund 200 Gramm je Kilogramm Körpergewicht, davon etwa 70 Prozent Grünfutter, 20 Prozent Gemüse und höchstens 10 Prozent Obst.

Pellet-, Getreide- und Luzernemischungen sowie Leckerlis, Salz- und Lecksteine bezeichnet das Merkblatt als ungeeignet: zu zucker- und energiereich, zu viel Calcium beziehungsweise Natrium.

Schneide- und Backenzähne wachsen lebenslang nach. Abgenutzt werden sie vor allem durch das Kauen von Grundfutter — nicht durch Nagesteine.

Verdauung und Blinddarmkot

Der Verdauungstrakt läuft nur, solange oben nachgeschoben wird. Futterumstellungen müssen langsam erfolgen, damit sich die Darmflora anpassen kann.

Ein Kaninchen, das nicht frisst, ist immer ein Notfall. Die TVT formuliert es genau so.

Der Blinddarmkot wird direkt am After aufgenommen und noch einmal verdaut. Er ist dunkel, traubenkernartig geformt und glänzend überzogen. Das ist keine Verhaltensstörung, sondern die Aufnahme der von Darmbakterien gebildeten Vitamine und Eiweiße. Mit Durchfall hat es nichts zu tun.

Außenhaltung das ganze Jahr

Eine ganzjährige Außenhaltung entspricht laut TVT am ehesten den natürlichen Bedürfnissen. Voraussetzungen sind ein strukturierter Auslauf von mindestens sechs Quadratmetern, ein witterungsgeschützter Schutzraum und eine Sicherung gegen Ausbuddeln sowie gegen Fuchs, Marder, Greifvögel und Katzen.

Mindestens die Hälfte der Fläche muss ständig im Schatten liegen, bei rotäugigen Tieren die gesamte Fläche. Der Umzug nach draußen erfolgt nicht mitten im Winter, sondern rechtzeitig, damit die Tiere ihr Winterfell aufbauen können.

Impfungen und Krankheiten

Gegen die hämorrhagische Kaninchenkrankheit RHD, einschließlich RHDV-2, und gegen Myxomatose sollen laut TVT alle Kaninchen geimpft werden, unabhängig von der Haltungsform. Die Erreger kommen über Stechmücken, Kleidung oder Futter auch in die Wohnung. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt die regelmäßige Impfung ausdrücklich.

Der Impfbeginn richtet sich nach dem Präparat und liegt zwischen der vierten und zehnten Lebenswoche, die Wiederholung folgt nach einem Jahr.

Vor einer Verpaarung rät die TVT zur Blutuntersuchung auf Enzephalitozoonose. Der Erreger Encephalitozoon cuniculi kann Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen auslösen.

Kein Kuscheltier für Kinder

Kaninchen sind keine Schmusetiere. Sie sollten nur gestreichelt werden, wenn sie freiwillig den Kontakt suchen und sich jederzeit zurückziehen können, schreibt die TVT.

Ein Tier, das mit flach angelegten Ohren stillhält, fühlt sich nicht wohl. Es befindet sich in einer Schreckstarre. Wegen der geringen Knochendichte drohen beim Hochheben gegen den Willen des Tieres Wirbel- und Knochenbrüche.

Häufige Fragen

Wie alt werden Kaninchen?

Acht bis zwölf Jahre je nach Rasse; der Deutsche Tierschutzbund nennt für Zwergkaninchen acht bis zehn Jahre. Geschlechtsreif sind sie ab dem dritten Lebensmonat.

Wie viel Auslauf braucht ein Wohnungskaninchen?

Die sechs Quadratmeter gelten dauerhaft, nicht als Auslaufzeit. Ein abgesperrtes Zimmer oder ein fest eingerichteter Bereich erfüllt das eher als ein Gehege mit Stundenplan.

Warum trommelt mein Kaninchen?

Das Klopfen mit den Hinterläufen ist ein Warnsignal an die Gruppe.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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