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Kurzantwort: Wellensittiche sind Schwarmvögel und dürfen nie allein gehalten werden. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz nennt für ein bis drei Paare eine Voliere von mindestens 150 mal 60 Zentimetern Grundfläche bei 100 Zentimetern Höhe, dazu täglich mindestens eine Stunde Freiflug. Rundkäfige sind nicht zulässig. Auf dem Speiseplan stehen Sämereien, täglich Obst und Gemüse, Grit und eine Sepiaschale. Die Lebenserwartung liegt bei acht bis zwölf Jahren.
Ein amtliches Gutachten mit Mindestmaßen für Wellensittiche gibt es nicht. Das Papageien-Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 1995 nimmt Wellensittiche und Nymphensittiche ausdrücklich aus, weil sie als domestiziert gelten; das dort angekündigte eigene Gutachten ist bis heute nicht erschienen.
Maßstab ist deshalb das Merkblatt Nr. 173 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, ergänzt um die Empfehlungen des Deutschen Tierschutzbundes. Verbindlich bleibt in jedem Fall Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes: Wer ein Tier hält, muss es verhaltensgerecht unterbringen.
Niemals allein
Das TVT-Merkblatt formuliert es unmissverständlich: Auch bei intensivster Beschäftigung kann der Halter eines einzeln gehaltenen Wellensittichs einen Artgenossen nicht ersetzen. Der Deutsche Tierschutzbund schließt sich an — Wellensittiche dürfen nicht einzeln gehalten werden.
Mindestens ein Paar, artgerecht eine Gruppe in einer Voliere. Wer bereits einen einzelnen Vogel hält, muss ihn vergesellschaften.
Der Spiegel im Käfig ist kein Ersatz, sondern ein Risiko. Der Vogel füttert sein Spiegelbild, würgt Körner hoch, schluckt sie wieder herunter und reizt so den Kropf. Entzündungen des Verdauungstrakts können tödlich enden.
Wie groß die Voliere sein muss
Die TVT nennt für ein bis drei Paare mindestens 150 mal 60 Zentimeter Grundfläche bei einer Höhe von mindestens 100 Zentimetern. Kommen bis zu zwei weitere Paare hinzu, wird die Grundfläche um 50 Prozent vergrößert.
Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt bei täglich mehrstündigem Freiflug für zwei bis sechs Vögel 200 mal 100 mal 200 Zentimeter. Ohne Freiflug fordert er mindestens vier Quadratmeter Grundfläche bei zwei Metern Höhe.
Rundkäfige sind nach TVT nicht zulässig. Das Gitter soll quer verlaufen, damit die Vögel klettern können, und weder verzinkt noch kunststoffbeschichtet sein.
Freiflug
Mindestens eine Stunde täglich, besser so lange wie möglich. Wo kein Freiflug möglich ist, verlangt die TVT einen freien Flugraum von mindestens zwei Kubikmetern für bis zu drei Paare und eine Volierengrundfläche von mindestens zwei Quadratmetern.
Vor dem Öffnen der Tür werden Fenster und Spiegel abgedeckt, Töpfe vom Herd genommen, Kerzen gelöscht und giftige Zimmerpflanzen entfernt.
Sitzstangen und Einrichtung

Mindestens vier Sitzstangen in unterschiedlicher Höhe gehören hinein, davon eine an einem Ende frei schwingend. Wichtiger als die Zahl ist der Durchmesser: Naturäste mit wechselnder Stärke bewegen den Fuß und halten ihn gesund.
Gleichförmige Plastik- oder Holzstangen belasten immer dieselbe Stelle und führen zu Ballengeschwüren. Sitzstangen mit Sandpapierbelag lehnt der Deutsche Tierschutzbund als Tierquälerei ab.
Der Standort ist hell und zugfrei, an einer Wand und erhöht aufgestellt. Nicht direkt vor dem Fenster, nicht neben der Heizung und nicht in der Küche, weil überhitzte Antihaftbeschichtungen Dämpfe freisetzen, die für Vögel tödlich sind. Die TVT nennt 18 bis 25 Grad als optimalen Bereich und eine Hellphase von zehn bis vierzehn Stunden mit Dämmerungsphasen.
Futter
Grundlage ist eine Mischung aus Sämereien wie Hirse, Kanariensaat und Grassamen, dazu Kräuter. Obst und Gemüse gehören täglich dazu. Mineral- und Magengrit müssen ständig verfügbar sein.
Eine Sepiaschale oder ein Kalkstein deckt den Kalziumbedarf und begrenzt nebenbei das Schnabelwachstum.
Jod ist ein eigenes Thema. Fehlt es, vergrößert sich die Schilddrüse und produziert trotzdem zu wenig Hormon. Die vergrößerte Drüse drückt auf Nachbarorgane, es kommt zu Atem- und Schluckbeschwerden.
Herkunft und Lebenserwartung

Der Wellensittich, Melopsittacus undulatus, ist in Australien endemisch und lebt dort nomadisch in großen Schwärmen in küstenfernen Trockengebieten. Er misst rund 18 Zentimeter und wird in Europa seit etwa 1840 gehalten.
Die TVT gibt die Lebenserwartung mit acht bis zwölf Jahren an. Der Deutsche Tierschutzbund nennt eine natürliche Spanne von zehn bis fünfzehn Jahren, weist aber darauf hin, dass viele Tiere in Haushalten nur fünf bis acht Jahre alt werden.
Häufige Krankheiten
Auf diese Anzeichen ist zu achten:
- krustige Auflagerungen an Schnabel, Wachshaut, Augenlidern oder Beinen — Räudemilben der Gattung Knemidocoptes
- Abmagerung bei unverändertem Appetit — Hinweis auf eine Infektion mit dem Hefepilz Macrorhabdus ornithogaster, die sogenannte Megabakteriose
- aufgeplustertes Sitzen, Würgen, verklebte Kloake
- Umfangsvermehrungen am Körper, bei Wellensittichen sind Tumoren häufig
Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart betrafen zwischen Januar 2004 und Juni 2011 von 85 Megabakteriose-Fällen 49 Wellensittiche, also rund 58 Prozent.
Meldepflicht bei Chlamydiose
Die alte Psittakose-Verordnung wurde 2012 aufgehoben. Heute gilt: Bei Papageienvögeln sind Verdacht und Nachweis einer Chlamydiose nach der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten zu melden, bei anderen Vögeln nur der Nachweis.
Die Erkrankung ist auf den Menschen übertragbar und äußert sich dort als fieberhafte Allgemeininfektion, atypische Lungenentzündung oder Bindehautentzündung.
Häufige Fragen
Reicht ein Käfig, wenn die Vögel viel Freiflug haben?
Der Freiflug ersetzt die Mindestmaße nicht. Er ist eine Ergänzung, keine Kompensation für eine zu kleine Voliere.
Zwei Männchen oder ein Paar?
Beides funktioniert. Entscheidend ist, dass überhaupt ein Artgenosse da ist und die Gruppe genug Platz hat.
Sind Wellensittiche für Kinder geeignet?
Sie sind Beobachtungstiere. Zähmung braucht Geduld, Zwang zum Anfassen macht Stress.
Wie oft wird die Voliere gereinigt?
Futter- und Wassergefäße täglich, der Bodenbelag mehrmals wöchentlich. Sitzstangen und Einrichtung werden regelmäßig abgebürstet und bei Bedarf ausgetauscht.
Woran erkenne ich einen kranken Vogel?
Wellensittiche verbergen Beschwerden lange. Aufgeplustertes Sitzen mit geschlossenen Augen, verändertes Kotbild, Atemgeräusche oder ein Vogel, der am Boden bleibt, sind ernste Zeichen und gehören in eine vogelkundige Praxis.
Quellen
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz: Merkblatt Nr. 173 „Heimtiere: Wellensittiche“
- Deutscher Tierschutzbund: Die Haltung von Wellensittichen
- Bundesministerium für Landwirtschaft: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Chlamydiose
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







