Katze streckt sich auf dem Boden

Rolligkeit bei Katzen: Dauer, Anzeichen und was hilft

Kurzantwort: Die Rolligkeit ist die fruchtbare Phase der Katze. Sie dauert etwa fünf bis sieben Tage und wiederholt sich in der Saison ohne Deckung typischerweise alle zwei bis drei Wochen. Die erste Rolligkeit tritt meist zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat auf. Katzen sind saisonal polyöstrisch: In Europa liegt die Hauptsaison zwischen Februar und Juli, künstliches Licht in der Wohnung kann sie jedoch ganzjährig auslösen.

Für Halterinnen ist die Rolligkeit vor allem eines: laut. Die Katze ruft nachts, wälzt sich, reibt sich an allem und lässt sich kaum beruhigen.

Das Verhalten ist kein Zeichen von Schmerz oder Krankheit, sondern hormonell gesteuert. Trotzdem gibt es gute Gründe, nicht einfach abzuwarten — vor allem, wenn die Rolligkeit nicht aufhört.

Hier stehen die Anzeichen, der zeitliche Ablauf und die Wege, die Tierärztinnen und Fachverbände empfehlen.

Was bei der Rolligkeit im Körper passiert

In den Eierstöcken reifen Follikel heran und schütten Östrogen aus. Dieses Hormon steuert das auffällige Verhalten und macht die Katze paarungsbereit.

Die Katze ist ein induzierter Ovulator. Der Eisprung wird erst durch den Deckakt ausgelöst: Die Reizung der Scheide führt ein bis vier Stunden später zu einem Hormonschub, der Eisprung folgt rund einen bis zwei Tage darauf.

Ohne Deckung fällt dieser Auslöser weg. Die Follikel bilden sich zurück, kurz darauf beginnt die nächste Runde — das erklärt, warum die Rolligkeit in kurzen Abständen wiederkehrt.

Ab wann Katzen rollig werden

Die erste Rolligkeit liegt meist zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat, häufig um den sechsten Monat herum. Voraussetzung ist ein Körpergewicht von etwa 2,3 bis 2,5 Kilogramm.

Langhaarrassen kommen später in die Pubertät, teils erst mit elf bis einundzwanzig Monaten. Auch die Jahreszeit der Geburt verschiebt den Zeitpunkt.

Wichtig für die Planung: Eine junge Katze kann bereits mit einem halben Jahr trächtig werden, lange bevor sie ausgewachsen ist.

Die Anzeichen

Laut rufende Katze
Anhaltendes lautes Rufen gehört zu den auffälligsten Anzeichen. Foto: Vic.sups, CC BY-SA 4.0

Typisch ist eine Kombination mehrerer Verhaltensweisen:

  • Wälzen am Boden und Reiben an Möbeln, Türrahmen und Menschen
  • lautes, anhaltendes Rufen, oft nachts
  • auffällige Anhänglichkeit und Unruhe
  • Hinterteil hochgestellt, Vorderkörper am Boden, Schwanz zur Seite gelegt
  • Trippeln mit den Hinterbeinen
  • vermehrter Drang, nach draußen zu kommen

Manche Katzen markieren zusätzlich mit Urin. Ein leichter weißlicher Scheidenausfluss kann vorkommen. Blutungen gehören nicht dazu und gehören abgeklärt.

Dauer und Abstände

Eine Rolligkeit dauert im Regelfall fünf bis sieben Tage, gelegentlich bis zu acht. Bleibt die Deckung aus, folgt die nächste in der Saison typischerweise nach zwei bis drei Wochen.

Die Angaben in der Fachliteratur schwanken hier deutlich, weil der Zyklus stark von Licht, Rasse und Einzeltier abhängt. Bei einer Deckung ohne Befruchtung dauert es etwa 35 bis 40 Tage bis zur nächsten Brunst.

Freigängerinnen folgen dem Tageslicht und legen zwischen Oktober und Dezember meist eine Pause ein. Wohnungskatzen unter Kunstlicht kennen diese Pause oft nicht.

Wenn die Rolligkeit nicht aufhört

Von Dauerrolligkeit spricht man, wenn die Phase über das übliche Maß hinaus anhält — beschrieben sind Verläufe bis zu drei Wochen. Ursache sind sehr kurze Pausen zwischen den Rolligkeiten oder sich überlagernde Follikelwellen.

Das ist mehr als lästig. Der anhaltende Östrogeneinfluss auf die Gebärmutterschleimhaut erhöht das Risiko für Erkrankungen der Gebärmutter. Dazu kommen Appetitverlust und Gewichtsabnahme, weil die Katze über Tage kaum zur Ruhe kommt.

Eine Katze, die länger als etwa eine Woche durchgehend rollig wirkt, gehört in die Praxis. Dort wird die Gebärmutter beurteilt, bevor über eine Behandlung entschieden wird.

Was im Alltag hilft

Gegen die Hormone selbst lässt sich zu Hause wenig ausrichten. Erleichtern lässt sich die Lage trotzdem:

  • Beschäftigung am Abend, damit die Katze nachts eher schläft
  • Wärmekissen und erhöhte Rückzugsorte
  • Fenster und Türen sichern, damit sie nicht entwischt
  • unkastrierte Kater fernhalten, sonst ist der Wurf beschlossene Sache

Was nicht hilft: Schimpfen. Die Katze steuert das Verhalten nicht bewusst und lernt aus einer Zurechtweisung nichts außer Verunsicherung.

Kastration als dauerhafte Lösung

Katze in der Tierarztpraxis
Die Kastration beendet den Zyklus dauerhaft. Foto: Senior Airman Jared Duhon, Public domain

Bei der Kastration werden Eierstöcke und meist auch die Gebärmutter entfernt. Der Zyklus endet damit vollständig, und mit ihm die Gefahr der Dauerrolligkeit.

Fachverbände empfehlen den Eingriff vor der ersten Rolligkeit. Der genaue Zeitpunkt wird mit der Tierärztin abgestimmt und hängt von Entwicklung und Haltungsform ab.

Für Freigängerinnen ist die Kastration vielerorts ohnehin Pflicht. In über tausend deutschen Städten und Gemeinden gilt eine Katzenschutzverordnung auf Grundlage von § 13b des Tierschutzgesetzes, Niedersachsen hat 2023 eine landesweite Regelung beschlossen. Eine bundesweite Pflicht gibt es bislang nicht.

Warum Hormonpräparate kritisch gesehen werden

Gestagene können die Rolligkeit unterdrücken, sind aber keine Dauerlösung. Belegt sind Nebenwirkungen, die schwerer wiegen als das Problem, das sie lösen sollen.

Dazu zählen eine gestörte Zuckerverwertung bis hin zum Diabetes, Gewichtszunahme sowie Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die eine Entzündung oder eine Eiteransammlung in der Gebärmutter begünstigen können. Auch das Gesäuge kann sich krankhaft vergrößern.

Deshalb kommen solche Präparate allenfalls kurzfristig und nach tierärztlicher Abwägung in Betracht. Als Ersatz für die Kastration taugen sie nicht.

Häufige Fragen

Hat die Katze bei der Rolligkeit Schmerzen?

Nein. Das Verhalten wirkt dramatisch, ist aber hormonell bedingt. Anhaltende Dauerrolligkeit belastet den Körper allerdings erheblich.

Werden Wohnungskatzen auch rollig?

Ja, und wegen des künstlichen Lichts oft das ganze Jahr über ohne die natürliche Winterpause.

Sollte eine Katze einmal Junge bekommen haben?

Dafür gibt es keinen medizinischen Grund. Tierheime sind voll, und jeder ungeplante Wurf verschärft das.

Werden Kater auch rollig?

Kater kennen keinen Zyklus. Sie reagieren auf rollige Katzen in der Umgebung mit Rufen, Markieren und Streunen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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