Katze mit aufgestelltem Schwanz

Verhalten der Katze: Körpersprache richtig deuten

Kurzantwort: Katzen sprechen fast vollständig über den Körper. Schwanzhaltung, Ohrenstellung, Pupillen und Körperspannung ergeben zusammen ein klares Bild. Einzelne Signale sagen wenig, erst die Kombination ist eindeutig. Verhaltensänderungen, die länger als zwei Tage anhalten, gehören zum Tierarzt.

Wer eine Katze verstehen will, muss auf den ganzen Körper schauen. Der Schwanz allein reicht nicht.

Katzen zeigen ihre Stimmung ununterbrochen. Nur sind die Signale klein und leicht zu übersehen.

Der Schwanz als Stimmungsanzeige

Schlafende Katze
Zwischen 12 und 16 Stunden Schlaf am Tag sind bei einer erwachsenen Katze normal. Foto: fiolss, CC0

Ein senkrecht aufgestellter Schwanz mit leicht gebogener Spitze ist ein Begrüßungssignal. Die Katze kommt freiwillig und entspannt.

Ein tief hängender oder eingeklemmter Schwanz zeigt Unsicherheit oder Angst. Die Katze macht sich klein.

Peitschendes Hin- und Herschlagen bedeutet Erregung, oft Ärger. Das ist der Moment, in dem Streicheln aufhört.

Ohren lesen

Nach vorn gerichtete Ohren gehören zu einer aufmerksamen, entspannten Katze. Sie ist interessiert an dem, was passiert.

Seitlich gedrehte Ohren zeigen Unbehagen. Flach angelegte Ohren sind ein Abwehrsignal kurz vor dem Angriff.

Ohren, die getrennt in verschiedene Richtungen zeigen, bedeuten meist Unentschlossenheit. Die Katze wägt ab.

Pupillen und Augen

Weite Pupillen bei normalem Licht deuten auf Erregung, Angst oder Jagdlust hin. Enge Schlitze sprechen für Anspannung oder Ärger.

Langsames Blinzeln ist ein Vertrauenssignal. Wer es erwidert, gibt der Katze eine verständliche Antwort.

Ein starrer Blick ohne Blinzeln ist unter Katzen dagegen eine Drohung.

Schnurren ist nicht immer Freude

Schnurren steht meist für Wohlbefinden. Katzen schnurren aber auch bei Schmerzen, beim Tierarzt und in Stresssituationen.

Der Laut wirkt in diesen Fällen selbstberuhigend. Er ist deshalb kein verlässliches Zeichen dafür, dass alles gut ist.

Entscheidend ist auch hier der Rest des Körpers.

Kneten mit den Pfoten

Das rhythmische Treteln mit den Vorderpfoten stammt aus der Zeit bei der Mutter. Kitten regen damit den Milchfluss an.

Erwachsene Katzen behalten die Bewegung als Ausdruck von Behagen bei. Sie kneten auf Decken, Kissen oder auf dem Menschen.

Wer die Krallen nicht mag, legt eine dicke Decke unter. Abgewöhnen lässt sich das Verhalten nicht.

Reiben und Markieren

Katzen haben Duftdrüsen an Wangen, Kinn, Schwanzansatz und zwischen den Zehen. Beim Reiben setzen sie ihren Geruch ab.

Das Reiben an Beinen und Möbeln ist damit eine Besitzmarkierung im freundlichen Sinn. Der Haushalt wird zum eigenen Revier erklärt.

Nach einem Umzug oder nach neuen Möbeln nimmt dieses Verhalten deutlich zu.

Der Buckel

Der klassische Katzenbuckel mit aufgestelltem Fell ist eine Drohgebärde. Die Katze macht sich größer, als sie ist.

Sie zeigt damit an, dass sie sich bedrängt fühlt und bereit ist, sich zu wehren.

Der gleiche Buckel ohne aufgestelltes Fell nach dem Aufstehen ist dagegen nur eine Dehnübung.

Bauch zeigen heißt nicht streicheln

Eine Katze, die sich auf den Rücken dreht, zeigt Vertrauen. Der Bauch ist die verletzlichste Körperstelle.

Eine Einladung zum Streicheln ist das trotzdem selten. Viele Katzen greifen sofort zu, wenn eine Hand kommt.

Wer die Geste beantworten will, spricht die Katze an, statt sie anzufassen.

Jagen und Spielen

Spielende Katze
Jagdspiele brauchen einen Abschluss: fangen, festhalten, dann eine Belohnung. Foto: unbekannt, CC0

Jagdverhalten läuft in festen Stufen ab: anschleichen, lauern, Sprung, fangen, töten, fressen.

Spiel ohne Abschluss frustriert. Deshalb sollte eine Spieleinheit damit enden, dass die Katze die Beute wirklich fängt.

Ein Leckerli danach schließt die Kette ab. Zwei Einheiten von zehn Minuten am Tag reichen den meisten Wohnungskatzen.

Schlafen und Ruhen

Zwölf bis sechzehn Stunden Schlaf am Tag sind bei einer erwachsenen Katze normal. Ältere Tiere schlafen noch mehr.

Die Katze wechselt dabei ständig zwischen leichtem Dösen und kurzen Tiefschlafphasen.

Ein deutlicher Rückgang der Schlafzeit oder ruheloses Wandern nachts sind Hinweise auf ein Problem.

Unsauberkeit als Signal

Katzen, die neben das Klo machen, sind nicht beleidigt. Sie zeigen ein Problem an.

Häufige Ursachen sind Blasenentzündungen, Nierenprobleme, ein zu schmutziges Klo, das falsche Streu oder Stress durch eine zweite Katze.

Der erste Weg führt zum Tierarzt, nicht zum Erziehungsversuch. Bestrafung verschlimmert das Verhalten immer.

Kratzen ist Pflege und Kommunikation

Am Kratzbaum lösen Katzen alte Krallenschichten, dehnen den Rücken und setzen gleichzeitig Duftmarken.

Wird stattdessen das Sofa bearbeitet, steht der Kratzbaum meist am falschen Ort oder ist zu wackelig.

Eine stabile Kratzgelegenheit gehört dorthin, wo die Katze sich ohnehin aufhält, nicht in die stille Ecke.

Aggression richtig einordnen

Die häufigste Form ist die Übersprungaggression: Die Katze sieht draußen eine fremde Katze und beißt den Menschen daneben.

Daneben gibt es Streichelaggression, wenn die Berührung zu lange dauert, und Angstaggression in die Enge getriebener Tiere.

Plötzliche Aggression ohne erkennbaren Auslöser ist bei älteren Katzen oft ein Schmerzsignal.

Stress erkennen

Typische Stresszeichen sind übermäßiges Putzen bis zu kahlen Stellen, Rückzug unter Möbel und Appetitverlust.

Auslöser sind meist Veränderungen: Umzug, neue Tiere, Baustellenlärm, veränderte Arbeitszeiten der Menschen.

Rückzugsorte in der Höhe und feste Abläufe helfen mehr als jede Beruhigung durch Zuwendung.

Wenn zwei Katzen sich nicht vertragen

Spannungen zeigen sich selten durch offene Kämpfe. Häufiger sind Blockieren von Wegen, Anstarren und das Fernhalten vom Futternapf.

Als Faustregel gilt: pro Katze ein Klo plus eines zusätzlich, und Futterstellen an getrennten Orten.

Höhen sind wichtiger als Fläche. Regale und Kratzbäume schaffen mehr Platz als ein größeres Zimmer.

Verhaltensänderung ist ein Gesundheitszeichen

Katzen verbergen Schmerzen. Sie zeigen sie über Verhalten statt über Lautäußerungen.

Weniger springen, verändertes Putzverhalten, plötzliche Aggression oder Rückzug sind deshalb häufig die ersten Krankheitszeichen.

Wer eine Veränderung über zwei Tage beobachtet, sollte nicht abwarten.

Was du für den Tierarzt notieren solltest

Hilfreich sind: seit wann das Verhalten auftritt, wie oft am Tag, in welcher Situation und was sich im Haushalt geändert hat.

Kurze Handyvideos sagen mehr als jede Beschreibung, weil viele Katzen in der Praxis nichts zeigen.

Auch Futtermenge, Trinkmenge und Klogänge gehören dazu.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

Nach oben scrollen