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Kurzantwort: Eine Erkältung im menschlichen Sinn bekommt eine Katze nicht. Gemeint ist fast immer der Katzenschnupfen, eine Faktorenkrankheit aus mehreren Erregern — vor allem dem Felinen Herpesvirus (FHV-1), dem Felinen Calicivirus (FCV) und dem Bakterium Chlamydia felis. Typisch sind Niesen, tränende oder verklebte Augen, Nasenausfluss, Fieber und Fressunlust. Junge, alte und ungeimpfte Tiere trifft es am härtesten. Bei entzündeten Augen, Futterverweigerung oder schwerer Atmung gehört die Katze noch am selben Tag in die Praxis.
Der Name führt in die Irre. Zugluft und ein nasses Fell machen keine Katze krank. Hinter dem, was Halter als Schnupfen beschreiben, steht eine Infektion der oberen Atemwege durch Viren und Bakterien.
Die Erreger kursieren in fast jedem größeren Katzenbestand. Eine deutsche Laborauswertung fand in eingesandten Proben Chlamydophila felis in 50,1 Prozent, das Calicivirus in 17,6 Prozent und das Herpesvirus in 16,1 Prozent der Fälle. Gut 40 Prozent waren Einzelinfektionen, knapp 20 Prozent Doppelinfektionen, 4 Prozent Dreifachinfektionen.
Welche Erreger dahinterstecken
Das Europäische Beratungsgremium für Katzenkrankheiten (ABCD) beschreibt den Katzenschnupfen als Zusammenspiel mehrerer Keime. Neben Herpes- und Calicivirus sind Chlamydia felis, Mycoplasma-Arten und Bordetella bronchiseptica beteiligt, häufig gleichzeitig.
Das Herpesvirus greift vor allem Nase, Bindehaut und Hornhaut an. Es gilt als wichtigste Ursache für Hornhautgeschwüre bei der Katze; kennzeichnend ist eine verzweigte, sogenannte dendritische Keratitis.
Das Calicivirus setzt eher am Maul an. Geschwüre auf Zunge und Gaumen, hohes Fieber und bei Jungtieren gelegentlich eine schmerzhafte Gelenkentzündung mit Lahmheit gehören zum Bild.
Die Symptome
Erste Anzeichen zeigen sich beim Herpesvirus schon zwei bis drei Tage nach der Ansteckung. Häufig treten auf:
- häufiges Niesen, zunächst klarer, später eitriger Nasenausfluss
- gerötete, tränende oder verklebte Augen
- Fieber, Teilnahmslosigkeit, Rückzug
- Fressunlust, weil die Katze nichts mehr riecht oder das Maul schmerzt
- Geschwüre an Zunge, Zahnfleisch oder Nasenspiegel
- vermehrtes Speicheln, rasselnde Atmung
Unkomplizierte Verläufe klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Ausgeschieden wird das Virus länger, beim Herpesvirus rund drei Wochen.
Wann es gefährlich wird

Bei sehr jungen Kitten kann eine Herpesinfektion in eine tödliche Lungenentzündung übergehen. Auch das Auge ist bedroht: Unbehandelte Hornhautgeschwüre können die Sehfähigkeit dauerhaft schädigen.
Vom Calicivirus existiert eine seltene, systemisch verlaufende Form mit Hautödemen, Geschwüren an Kopf und Pfoten und Gelbsucht. Das ABCD nennt für diese Verlaufsform eine Sterblichkeit von bis zu 79 Prozent, wobei erwachsene Tiere schwerer erkranken als Jungtiere.
Sofort in die Praxis gehört eine Katze, die nicht mehr frisst, schwer atmet, die Augen zukneift oder deutlich abbaut.
Wie die Ansteckung läuft
Übertragen wird über Nasen-, Augen- und Maulsekrete, im direkten Kontakt und über Näpfe, Decken oder Hände. Das Calicivirus ist dabei ausgesprochen zäh: Auf trockenen Oberflächen wie Schuhen, Kleidung oder Katzenhaaren bleibt es bis zu einen Monat ansteckend und übersteht viele gängige Desinfektionsmittel. Wirksam sind unter anderem Natriumhypochlorit, Kaliumperoxomonosulfat und Chlordioxid.
Das Herpesvirus ist deutlich empfindlicher und wird von den meisten Desinfektions- und Reinigungsmitteln zuverlässig abgetötet. Auch eine Wohnungskatze kann sich anstecken — über Schuhe und Kleidung, die der Halter mitbringt.
Kann ich meine Katze anstecken?
Herpes- und Calicivirus der Katze sind wirtsspezifisch. Menschliche Erkältungsviren gehören nicht zum Erregerspektrum des Katzenschnupfens, und die Katzenviren stehen nicht auf der Liste der Zoonosen. Wer selbst schnieft, gibt das nicht an sein Tier weiter. Verschleppen lassen sich die Katzenerreger allerdings sehr wohl an Händen und Kleidung.
Behandlung
Im Mittelpunkt steht die unterstützende Therapie. Dazu zählen Flüssigkeitsgaben, das Freihalten von Nase und Augen sowie püriertes, angewärmtes Futter mit kräftigem Geruch für Katzen, die den Appetit verloren haben. Inhalationen mit Kochsalzlösung und schleimlösende Mittel wie Bromhexin erleichtern das Atmen.
Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Sie kommen bei schwer betroffenen Tieren gegen bakterielle Zweitinfektionen und bei Chlamydien zum Einsatz. Bei akuter Augenbeteiligung durch das Herpesvirus setzen Tierärzte Virostatika örtlich oder systemisch ein.
Was die Impfung leistet

Die Impfung gegen Herpes- und Calicivirus gehört nach der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin zu den Kernimpfungen, die jede Katze bekommen sollte. Sie verhindert eine Ansteckung nicht, senkt aber Wahrscheinlichkeit und Schwere der Erkrankung deutlich.
Das ABCD empfiehlt für das Calicivirus zwei Injektionen mit acht bis neun und mit zwölf Wochen, eine dritte Impfung mit sechzehn Wochen und den Abschluss der Grundimmunisierung im Alter von zehn bis sechzehn Monaten. Aufgefrischt wird in Risikosituationen jährlich, sonst alle drei Jahre.
Gegen die schwere systemische Calicivirus-Form bietet die Impfung keinen sicheren Schutz, weil die Stämme untereinander keine Kreuzimmunität erzeugen. Erkrankt eine vollständig geimpfte Katze, kann der Wechsel auf einen Impfstoff mit anderem Stamm sinnvoll sein.
Trägertiere und Rückfälle
Nach überstandener Erkrankung verschwindet das Herpesvirus nicht aus dem Körper. Es zieht sich in Nervenzellen zurück; die meisten Katzen bleiben lebenslang Träger. Rund 80 Prozent der erkrankten Tiere gelten als Dauerausscheider.
Stress durch Umzug, Tierarztbesuch, ein neues Tier im Haushalt oder eine Kortisonbehandlung kann das Virus reaktivieren. Dann niest die Katze wieder, obwohl kein neuer Kontakt stattgefunden hat. Genesene Tiere sind nicht dauerhaft geschützt und werden weiter geimpft.
Im Tierheim gilt für neu aufgenommene Katzen eine Quarantäne von drei Wochen. Trächtige Kätzinnen sollen abgesondert werfen, die Kitten erst nach der Impfung Kontakt zu anderen Katzen bekommen.
Häufige Fragen
Geht Katzenschnupfen von allein weg?
Leichte Verläufe bessern sich in ein bis zwei Wochen. Ohne Behandlung drohen aber Augenschäden und bakterielle Zweitinfektionen, deshalb gehört jede erkrankte Katze untersucht.
Ist Katzenschnupfen für Hunde ansteckend?
Herpes- und Calicivirus sind auf Katzen spezialisiert. Bordetella bronchiseptica kommt dagegen bei beiden Tierarten vor.
Wie lange bleibt eine kranke Katze ansteckend?
Beim Herpesvirus etwa drei Wochen. Nach einer Calicivirus-Infektion scheiden viele Katzen mindestens einen Monat lang aus, einzelne über Jahre.
Hilft ein Luftbefeuchter?
Feuchte Luft und Inhalationen mit Kochsalzlösung lösen zähes Sekret und erleichtern die Atmung. Sie ersetzen keine tierärztliche Behandlung.
Quellen
- ABCD European Advisory Board on Cat Diseases: Feline herpesvirus upper respiratory disease
- ABCD European Advisory Board on Cat Diseases: Feline calicivirus upper respiratory disease
- StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut: Impftabelle Katze, Calicivirus-Infektionen
- Wikipedia: Katzenschnupfen
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







