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Kurzantwort: Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut, anerkannt nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit. Eine allgemeine Impfpflicht für Katzen gibt es deshalb nicht; die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin führt Tollwut bei der Katze als Wahlimpfung und empfiehlt sie für Freigänger. Für Reisen innerhalb der EU ist sie Pflicht: Mikrochip vor der Impfung, Impfung frühestens in der 12. Lebenswoche, gültig 21 Tage nach Abschluss des Impfprotokolls.
Der letzte Tollwutfall bei einem Wildtier in Deutschland war im Februar 2006 ein Fuchs. Erreicht wurde die Tilgung vor allem über ausgelegte Impfköder für Füchse, ergänzt durch die konsequente Impfung von Hunden und Katzen.
Verschwunden ist das Virus damit nicht. Die Fledermaustollwut kommt weiter vor, und aus Reiseländern kann die klassische Tollwut jederzeit wieder eingeschleppt werden.
Wie Tollwut übertragen wird
Der Erreger sitzt im Speichel infizierter Tiere und gelangt über Bisse, über kleine Wunden und über Schleimhautkontakt in den Körper. Eine Übertragung durch intakte Haut ist nicht möglich.
Die Inkubationszeit ist ausgesprochen variabel. Beim Menschen reicht sie von fünf Tagen bis zu mehreren Jahren, typisch sind zwei bis drei Monate; je näher die Bissstelle am Zentralnervensystem liegt, desto kürzer. Beim Tier vergehen drei Wochen bis mehrere Monate.
Fledermaustollwut in Deutschland
Bei Fledermäusen zirkulieren eigene Lyssaviren. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wies in seinem Monitoring seit 2011 das Europäische Fledermaus-Lyssavirus Typ 1 einmal nach (Mai 2015), Typ 2 zweimal und das Bokeloh-Fledermaus-Lyssavirus sechsmal, zuletzt im November 2024.
Für Katzen ist das relevant, weil Freigänger Fledermäuse fangen. Eine kranke oder am Boden sitzende Fledermaus wird nie mit bloßen Händen angefasst.
Symptome bei der Katze

Der Verlauf gliedert sich in drei Stadien:
- Prodromalstadium: Wesensveränderung, die sonst scheue Katze wird zutraulich oder die anhängliche zieht sich zurück, dazu Fieber und Juckreiz an der Bissstelle
- Exzitationsstadium, die „rasende Wut“: gesteigerte Erregbarkeit, ungerichtete Angriffe, Speicheln, Schluckstörungen
- Paralysestadium, die „stille Wut“: fortschreitende Lähmungen, herabhängender Unterkiefer, Tod
Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat 2007 auf. Betroffen war ein Mann, den in Marokko ein Straßenhund gebissen hatte.
Verdachtsfall und Bissvorfall
Tollwut ist nach dem Tiergesundheitsgesetz anzeigepflichtig. Beim Menschen sind Verdacht und Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz binnen 24 Stunden zu melden.
Paragraf 7 der Tollwut-Verordnung schreibt für seuchenverdächtige Hunde und Katzen grundsätzlich die Tötung vor. Eine behördliche Beobachtung ist abweichend möglich, wenn das Tier einen Menschen gebissen hat oder nachweislich unter wirksamem Impfschutz steht. Der Impfpass entscheidet hier über das Schicksal des Tieres.
Wer selbst gebissen wurde, wäscht die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife aus und geht umgehend zum Arzt. Eine unverzüglich und fachgerecht durchgeführte Prophylaxe nach der Ansteckung schützt bei immungesunden Menschen nahezu vollständig.
In einem behördlich festgelegten gefährdeten Bezirk dürfen Hunde und Katzen nach Paragraf 8 der Verordnung nicht frei umherlaufen. Für geimpfte Tiere sind Ausnahmen vorgesehen.
Impfung und Auffrischung
Da die terrestrische Tollwut getilgt ist, führt die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin die Tollwutimpfung bei der Katze als Wahlimpfung. Bei einer reinen Wohnungskatze ohne Auslandsreisen kann darauf verzichtet werden; für Freigänger wird sie weiterhin empfohlen.
Eine erweiterte Grundimmunisierung mit 12 Wochen, 16 Wochen und 15 Monaten erhöht die Wahrscheinlichkeit, den für Reisen geforderten Titer zu erreichen. Die Wiederholungsintervalle liegen je nach Impfstoff bei zwei, drei oder vier Jahren.
Bevorzugt werden adjuvansfreie Vektorimpfstoffe, weil sie das Risiko eines Injektionsstellensarkoms senken.
Reisen innerhalb der EU

Für Reisen gilt die EU-Verordnung 576/2013. Die Reihenfolge ist entscheidend:
- zuerst der Mikrochip, erst danach die Tollwutimpfung — eine Impfung vor dem Chip zählt nicht
- Impfung frühestens in der 12. Lebenswoche
- gültig erst 21 Tage nach Abschluss des Impfprotokolls
- EU-Heimtierausweis, ausgestellt von einer ermächtigten Tierärztin oder einem Tierarzt
- ohne Handelszweck dürfen bis zu fünf Tiere mitgeführt werden
Einen Mindestantikörperspiegel verlangt für Reisen innerhalb der EU derzeit kein Mitgliedstaat. Deutschland lässt Jungtiere unter 16 Wochen mit unzureichendem Impfschutz nicht aus anderen EU-Ländern einreisen.
Reisen aus Drittländern
Aus bestimmten Ländern außerhalb der EU ist zusätzlich ein Tollwutantikörper-Titrationstest nötig. Verlangt wird ein Wert von mindestens 0,5 internationalen Einheiten je Milliliter.
Die Blutentnahme erfolgt frühestens 30 Tage nach der Erstimpfung, und zwischen Blutentnahme und Ausstellung der Veterinärbescheinigung müssen mindestens 90 Tage liegen. Die Planung beginnt also rund vier Monate vor der Reise. Jungtiere unter 16 Wochen dürfen aus Drittländern gar nicht einreisen.
Warum die Tilgung gelang
Bis in die 1980er Jahre war der Rotfuchs der wichtigste Überträger in Mitteleuropa. Ausgelegte Impfköder unterbrachen die Infektionskette im Wildbestand; parallel dazu wurden Hunde und Katzen konsequent geimpft.
In Bayern wurde der letzte tollwütige Fuchs 2001 nachgewiesen, bundesweit 2006. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut. Der Status bleibt an die Wachsamkeit gebunden, weil illegal eingeführte Hunde und Katzen aus Endemiegebieten das Virus zurückbringen können.
Häufige Fragen
Braucht meine Wohnungskatze eine Tollwutimpfung?
Ohne Freigang und ohne Auslandsreise ist sie nach der Leitlinie verzichtbar. Sobald eine Reise ansteht, muss sie rechtzeitig geplant werden.
Wie lange hält der Impfschutz?
Je nach Präparat zwei, drei oder vier Jahre. Maßgeblich ist die Angabe im Impfpass.
Ist Tollwut heilbar?
Nach Ausbruch der Erkrankung verläuft sie tödlich. Wirksam ist nur die rechtzeitige Prophylaxe nach dem Kontakt.
Was tun bei einer Fledermaus in der Wohnung?
Nicht anfassen, das Tier über ein geöffnetes Fenster hinauslassen und bei Kontakt zu Mensch oder Katze das Veterinäramt einschalten.
Quellen
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Tollwut
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Tollwut
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Tollwutimpfung bei Reisen
- § 7 Tollwut-Verordnung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Tollwutimpfung bei der Katze: Ablauf, Schutz, Risiken
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- RCP-Impfung bei der Katze: Was die Buchstaben bedeuten
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







