Tierärztin impft eine Katze

Katzenimpfung: Wie oft wirklich nachgeimpft werden muss

Kurzantwort: Es gibt nicht ein Intervall für alle Impfungen. Die Core-Impfungen gegen Katzenschnupfen (Herpes- und Calicivirus) und Katzenseuche (Panleukopenie) werden nach der Grundimmunisierung laut StIKo Vet alle drei Jahre aufgefrischt. Tollwut wird nur bei Freigängern und Reisekatzen empfohlen und je nach Impfstoffhersteller alle zwei bis drei Jahre wiederholt. Die Leukose-Impfung braucht bei Freigängern und jungen Katzen wegen der höheren Ansteckungsgefahr häufigere Auffrischungen. Reines jährliches Impfen aller Komponenten gilt in aktuellen Leitlinien nicht mehr als Standard.

„Einmal im Jahr zum Impfen“ war lange die pauschale Antwort auf die Frage nach der Katzenimpfung. Die aktuellen Impfleitlinien der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut differenzieren heute deutlich stärker.

Dieser Artikel ordnet die einzelnen Impfstoffe nach ihrem tatsächlichen Wiederholungsintervall und erklärt, wovon die Häufigkeit im Einzelfall abhängt.

Warum es nicht die eine Antwort gibt

Wie oft eine Katze geimpft werden muss, hängt vom jeweiligen Erreger, dem verwendeten Impfstoff und dem individuellen Ansteckungsrisiko der Katze ab. Eine reine Wohnungskatze ohne Kontakt zu Artgenossen hat ein anderes Risikoprofil als ein Freigänger mit täglichem Kontakt zu anderen Katzen, weshalb sich auch die Impfempfehlungen unterscheiden können. Auch das Alter spielt eine Rolle: Bei Kitten mit noch unreifem Immunsystem gelten andere Regeln als bei gesunden erwachsenen Katzen oder bei alten, möglicherweise vorerkrankten Tieren.

Nach der Grundimmunisierung: der erste Meilenstein

Bevor Wiederholungsintervalle überhaupt greifen, steht die Grundimmunisierung: eine Serie von Erstimpfungen im Kittenalter, gefolgt von einer weiteren Impfung mit etwa 15 Lebensmonaten. Erst nach diesem letzten Termin gilt der grundlegende Impfschutz als vollständig aufgebaut, und erst ab diesem Zeitpunkt beginnen die längeren Wiederholungsintervalle, um die es bei der Frage „wie oft“ im Erwachsenenalter eigentlich geht. Wird dieser letzte Termin der Grundimmunisierung verpasst oder deutlich überzogen, empfehlen viele Tierärzte, die Serie sicherheitshalber noch einmal von vorn zu beginnen, statt auf einen lückenhaften Schutz zu vertrauen.

Core-Impfungen: alle drei Jahre

Die Impfungen gegen Katzenschnupfen (Herpes- und Calicivirus) und gegen die Katzenseuche (Panleukopenie) zählen laut StIKo Vet zu den Core-Impfungen, die jede Katze bekommen soll, auch reine Wohnungskatzen, weil sich manche Erreger auch über eingeschleppte Gegenstände oder Kleidung übertragen können. Nach der Grundimmunisierung reicht bei den meisten modernen Impfstoffen eine Auffrischung im Abstand von bis zu drei Jahren, statt der früher üblichen jährlichen Wiederholung. Manche Tierärzte empfehlen bei Katzen mit hohem Sozialkontakt, etwa in Tierpensionen oder Mehrkatzenhaushalten mit wechselnden Pflegetieren, weiterhin kürzere Intervalle für die Calicivirus-Komponente, weil der Impfschutz gegen dieses Virus im Feld nicht immer so lange trägt wie gegen Panleukopenie.

EU-Heimtierausweis mit Impfeinträgen für eine Katze
Im EU-Heimtierausweis stehen alle Impftermine und Ablaufdaten dokumentiert. Foto: Europäische Kommission – Audiovisueller Dienst, Jennifer Jacquemart, Yügen, CE – Service audiovisuel, EC – Audiovisual Service, CC BY 4.0

Tollwut: nur für Freigänger und Reisekatzen

Die Tollwutimpfung zählt in Deutschland nicht zu den Core-Impfungen für reine Wohnungskatzen, wird aber für Freigänger empfohlen und ist für Reisen ins Ausland ohnehin meist gesetzlich vorgeschrieben. Das Wiederholungsintervall richtet sich nach der Zulassung des jeweiligen Impfstoffs und liegt in der Regel zwischen zwei und drei Jahren. Bei Katzen, die regelmäßig reisen, lohnt sich ein Blick in den EU-Heimtierausweis, weil dort das genaue Ablaufdatum der Tollwutimpfung vermerkt ist. Läuft der Impfschutz während eines Auslandsaufenthalts ab, kann das bei der Wiedereinreise zu Problemen führen, weshalb sich eine rechtzeitige Auffrischung vor Reiseantritt lohnt.

Leukose: häufiger nötig bei jungen und Freigänger-Katzen

Die Impfung gegen das feline Leukosevirus (FeLV) gehört zu den sogenannten Non-Core-Impfungen, deren Notwendigkeit vom individuellen Risiko abhängt. Besonders empfohlen wird sie für junge Katzen und für Freigänger mit Kontakt zu unbekannten Artgenossen, weil sich das Virus vor allem über engen Kontakt wie gegenseitiges Putzen oder gemeinsame Näpfe überträgt. Weil der Impfschutz gegen Leukose im Vergleich zu den Core-Impfungen tendenziell kürzer anhält, fällt das empfohlene Intervall bei Risikokatzen oft kürzer aus als bei den Core-Komponenten. Bei reinen Wohnungskatzen ohne jeden Kontakt zu fremden Artgenossen kann eine Leukose-Impfung dagegen im Erwachsenenalter individuell mit dem Tierarzt abgewogen und gegebenenfalls auch ganz beendet werden.

Titerbestimmung als Alternative

Statt blind nach starrem Zeitplan nachzuimpfen, lässt sich bei manchen Erregern per Bluttest (Titerbestimmung) prüfen, ob überhaupt noch ausreichend Antikörper vorhanden sind. Für Panleukopenie ist dieser Test gut validiert: Viele Katzen tragen auch nach drei Jahren noch einen schützenden Titer, sodass eine Auffrischung dann tatsächlich nicht nötig wäre. Für Herpes- und Calicivirus korreliert ein Antikörpertiter dagegen nicht zuverlässig mit dem tatsächlichen Schutz, weshalb er für diese beiden Komponenten nicht als Entscheidungsgrundlage empfohlen wird.

Warum „jedes Jahr impfen“ nicht mehr der Standard ist

Die Bundestierärztekammer fasst den heutigen Grundsatz der Impfmedizin mit dem Leitsatz „so wenig wie möglich, so oft wie nötig“ zusammen. Längere, auf den jeweiligen Impfstoff abgestimmte Intervalle sollen unnötige Impfbelastungen vermeiden, ohne den Schutz der Katze zu gefährden. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der jährliche Tierarztbesuch erübrigt: Eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung bleibt auch ohne anstehende Impfung sinnvoll, um andere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Katzen ohne bekannte Impfhistorie

Bei erwachsenen Katzen ohne Impfpass, etwa Fundtieren, reicht je nach verwendetem Impfstofftyp meist eine bis zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, gefolgt von einer Auffrischung nach einem Jahr, um einen vergleichbaren Schutz wie bei der klassischen Kitten-Grundimmunisierung aufzubauen. Danach gelten dieselben, meist auf drei Jahre gestreckten Wiederholungsintervalle wie bei Katzen mit lückenlosem Impfpass.

Was für die Praxis bleibt

Wie oft eine bestimmte Katze tatsächlich nachgeimpft werden sollte, hängt am Ende von ihrem individuellen Lebensstil, Alter und Gesundheitszustand ab und lässt sich am zuverlässigsten gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt anhand des Impfpasses und der aktuellen StIKo-Vet-Empfehlungen festlegen, statt sich auf eine pauschale Jahresregel zu verlassen.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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