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Kurzantwort: Bluthochdruck (Hypertonie) bei Katzen tritt fast immer als Folge einer anderen Grunderkrankung auf, meist einer chronischen Niereninsuffizienz oder einer Schilddrüsenüberfunktion, seltener auch als Begleiterscheinung von Diabetes. Weil er über lange Zeit kaum Beschwerden verursacht, fällt er oft erst auf, wenn die Katze plötzlich schlechter sieht oder erblindet, weil der hohe Druck die Netzhaut schädigt. Ab einem systolischen Wert von über 170 mmHg sprechen Tierärzte von Bluthochdruck. Ab etwa sieben Jahren empfiehlt sich eine jährliche Blutdruckmessung im Rahmen des Gesundheitschecks, kombiniert mit Blutbild und Nierenwerten.
Anders als beim Menschen ist eine verkalkte Arterie bei Katzen selten die Ursache für erhöhten Blutdruck. Stattdessen steht praktisch immer eine andere Erkrankung dahinter, die den Kreislauf zusätzlich belastet.
Dieser Artikel erklärt, welche Erkrankungen Bluthochdruck bei Katzen typischerweise auslösen, woran sich die Folgen erkennen lassen und wie die Diagnose in der Tierarztpraxis abläuft.
Warum Bluthochdruck bei Katzen fast nie eigenständig auftritt
Während beim Menschen häufig Arterienverkalkung die Ursache für Bluthochdruck ist, entsteht die sogenannte feline Hypertonie in den allermeisten Fällen sekundär, also als Folge einer bereits bestehenden Grunderkrankung. Eine eigenständige, ohne erkennbare Ursache auftretende Hypertonie ist bei Katzen deutlich seltener als die sekundäre Form. Genau deshalb gilt in der Tiermedizin die Regel, bei jeder neu festgestellten Hypertonie zunächst gezielt nach einer auslösenden Grunderkrankung zu suchen, statt den Blutdruck isoliert zu behandeln.
Chronische Niereninsuffizienz als häufigste Ursache
Eine nachlassende Nierenfunktion zählt zu den häufigsten Auslösern für Bluthochdruck bei älteren Katzen. Die Nieren regulieren normalerweise den Flüssigkeits- und Salzhaushalt und damit auch den Blutdruck mit; arbeiten sie schlechter, gerät dieses Gleichgewicht aus dem Takt. Gleichzeitig schädigt ein dauerhaft erhöhter Blutdruck wiederum die feinen Blutgefäße in den Nieren zusätzlich, sodass sich beide Erkrankungen gegenseitig verstärken können. Erschwerend kommt hinzu, dass eine beginnende Niereninsuffizienz selbst oft lange kaum Symptome zeigt, sodass Bluthochdruck und Nierenschwäche häufig gemeinsam erst bei einer routinemäßigen Blutuntersuchung auffallen.
Schilddrüsenüberfunktion als zweithäufigste Ursache
Eine Hyperthyreose, also eine Überfunktion der Schilddrüse, beschleunigt den gesamten Stoffwechsel und damit auch die Herzfrequenz und den Blutdruck. Betroffene Katzen nehmen trotz gesteigertem Appetit oft ab, sind unruhiger als gewohnt und können ein auffällig glänzendes, aber dünneres Fell zeigen. Wird die Schilddrüsenüberfunktion erfolgreich behandelt, normalisiert sich der Blutdruck bei vielen Katzen zumindest teilweise wieder. Unbehandelt belastet die dauerhaft beschleunigte Herzarbeit zusätzlich das Herz, weshalb Tierärzte bei einer diagnostizierten Hyperthyreose meist auch den Blutdruck im Blick behalten.
Diabetes und weitere Auslöser
Auch Diabetes mellitus kann über Veränderungen an den Blutgefäßen zu erhöhtem Blutdruck beitragen, wenn auch seltener und meist weniger ausgeprägt als bei Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen. Weitere, seltenere Auslöser sind bestimmte Herzerkrankungen und hormonproduzierende Tumoren der Nebenniere. Auch bei diesen selteneren Ursachen gilt: Der Blutdruck selbst ist nur ein Messwert, entscheidend für die Behandlung ist immer die zugrunde liegende Erkrankung, nicht der isolierte Messwert auf dem Gerät.

Warum Bluthochdruck lange unbemerkt bleibt
Ein erhöhter Blutdruck verursacht bei Katzen zunächst meist keine offensichtlichen Beschwerden, was ihn besonders tückisch macht. Halter bemerken in dieser stillen Phase oft nichts Ungewöhnliches, während im Inneren des Körpers bereits Gefäße in Augen, Nieren, Gehirn und Herz Schaden nehmen können. Man spricht deshalb auch von einem stillen Risikofaktor, ähnlich wie es von der menschlichen Medizin bekannt ist, nur dass eine Katze sich selbst nicht regelmäßig messen lassen kann und Halter allein auf spätere, oft schon deutliche Anzeichen angewiesen sind.
Plötzliche Erblindung: das häufigste Warnsignal
Die plötzliche Erblindung gilt als das häufigste Symptom, mit dem Bluthochdruck bei Katzen überhaupt auffällt. Der hohe Druck kann die Netzhaut ablösen oder Einblutungen im Auge verursachen, was sich für die Katze meist ohne Vorwarnung wie ein plötzlicher Verlust des Sehvermögens bemerkbar macht. Erweiterte, kaum noch auf Licht reagierende Pupillen sind dabei ein typisches Begleitzeichen, das Haltern auffallen kann. Manche Katzen stoßen zudem häufiger gegen Möbel oder zögern beim Sprung von erhöhten Flächen, weil sich das Sehvermögen bereits vor der vollständigen Erblindung verschlechtert.
Neurologische Anzeichen
Neben den Augen kann Bluthochdruck auch das Gehirn betreffen. Beschrieben werden Desorientierung, Krampfanfälle oder Gleichgewichtsstörungen, die bei 15 bis 46 Prozent der betroffenen Tiere auftreten. Solche Symptome werden von Haltern leicht mit altersbedingter Verwirrtheit verwechselt, obwohl ihnen eine behandelbare Ursache zugrunde liegen kann.
Wie die Blutdruckmessung in der Praxis abläuft
Gemessen wird meist per Doppler-Verfahren an einem Bein oder am Schwanz der Katze, in ruhiger Umgebung und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, damit Stress das Ergebnis nicht verfälscht. Da schon die Aufregung beim Tierarztbesuch selbst den Blutdruck kurzfristig erhöhen kann, wird häufig mehrfach gemessen und der niedrigste plausible Wert gewertet. Dieses Phänomen ist als Weißkittel-Hypertonie bekannt und sollte bei der Bewertung eines einzelnen erhöhten Messwerts immer mitbedacht werden, bevor voreilig eine dauerhafte Behandlung begonnen wird.
Vorsorge ab dem siebten Lebensjahr
Weil Bluthochdruck so lange unbemerkt bleiben kann, empfiehlt sich ab einem Alter von etwa sieben Jahren eine jährliche Blutdruckmessung, idealerweise kombiniert mit einem Blutbild, den Nierenwerten und bei Bedarf einem Schilddrüsenprofil. Wird die zugrunde liegende Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, lässt sich der Blutdruck bei vielen Katzen wieder in einen sicheren Bereich senken und weiteren Organschäden vorbeugen, gerade an Nieren, Augen und Herz, die unter dauerhaft hohem Druck am stärksten leiden. Wird dagegen erst nach dem Auftreten einer plötzlichen Erblindung behandelt, bleibt der Sehverlust in vielen Fällen dauerhaft bestehen, selbst wenn sich der Blutdruck danach wieder normalisieren lässt.
Quellen
- Bundesverband für Tiergesundheit e.V.: Bluthochdruck bei Katzen kann Warnsignal sein
- Thieme Tiermedizin: Hypertonie der Katze — Ursachen, Folgen und Therapie
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







