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Kurzantwort: Wenn nach der einen Katzenrasse gesucht wird, die nicht haart, ist damit fast immer die Sphynx gemeint. Sie entstand 1966 in Toronto aus einer spontanen Genmutation und gilt seither als bekannteste nahezu unbehaarte Katzenrasse. Wirklich haarlos ist sie streng genommen nicht: Ein feiner, kaum sichtbarer Flaum bedeckt ihren ganzen Körper. Weil ihr das schützende Fell fehlt, produziert ihre Haut mehr Talg, braucht regelmäßiges Baden und verträgt weder starke Sonne noch Kälte besonders gut.
Kaum eine Katzenrasse polarisiert so sehr wie die Sphynx. Für die einen ist ihre faltige, nahezu unbehaarte Haut abstoßend, für andere macht genau das ihren besonderen Reiz aus.
Dieses Porträt erklärt, wie die Rasse entstand, was an ihr wirklich haarlos ist und worauf sich Halter bei Pflege und Haltung einstellen sollten.
Herkunft: eine Mutation in Toronto, 1966
Die moderne Sphynx geht auf eine einzelne, spontane Genmutation zurück: 1966 kam im Wurf einer gewöhnlichen schwarz-weißen Hauskatze namens Elizabeth in Toronto ein haarloses Kätzchen zur Welt, später Prune genannt. Der Besitzer verpaarte Prune gezielt mit weiteren haarlosen Katzen und später auch mit der eigenen Mutter zurück, wodurch sich sowohl haarlose Kätzchen als auch behaarte Träger des Gens zeigten, der typische Verlauf einer rezessiven Vererbung. Ohne dieses gezielte Rückkreuzen wäre die Mutation vermutlich unbemerkt in der örtlichen Straßenkatzenpopulation verschwunden, wie es vermutlich schon früheren vereinzelten Haarlos-Mutationen in der Geschichte der Hauskatze erging.
Das KRT71-Gen: die genetische Grundlage
Verantwortlich für das haarlose Erscheinungsbild ist eine Mutation im KRT71-Gen, das normalerweise am Aufbau des Haarschafts beteiligt ist. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv: Nur wenn eine Katze das veränderte Gen von beiden Elternteilen erbt, zeigt sie sich tatsächlich haarlos. Katzen mit nur einer Kopie der Mutation tragen das Merkmal weiter, ohne selbst haarlos zu sein. Verpaaren Züchter zwei solcher Träger miteinander, zeigt sich statistisch in einem Viertel der Nachkommen wieder die haarlose Ausprägung, ein einfaches Mendel-Schema, das bis heute Grundlage der Sphynx-Zucht ist.
Einkreuzung der Devon Rex
Um die kleine Ausgangspopulation genetisch zu verbreitern, kreuzten frühe Züchter die Sphynx mit der Devon Rex, einer aus England stammenden Rasse mit ähnlich großen Ohren und sehr kurzem, lockigem Fell. Diese Einkreuzung erweiterte den Genpool der jungen Rasse und half, gesundheitliche Risiken durch die anfangs sehr enge Verwandtschaft der Gründertiere zu verringern. Spätere Zuchtprogramme kreuzten zusätzlich weitere Kurzhaarrassen ein, um die genetische Vielfalt weiter zu erhöhen, ohne das charakteristische haarlose Erscheinungsbild zu verlieren.
Gesundheit: worauf seriöse Zuchten achten
Wegen der ursprünglich sehr kleinen Gründerpopulation legen verantwortungsvolle Zuchtverbände Wert auf eine ausreichend breite genetische Basis und regelmäßige Gesundheitschecks, unter anderem auf Herzerkrankungen, die bei einigen Linien gehäuft beobachtet wurden. Wer eine Sphynx kaufen möchte, sollte deshalb gezielt nach Gesundheitszeugnissen der Elterntiere fragen und einen Züchter wählen, der Mitglied in einem anerkannten Verband ist.

Vom „Canadian Hairless“ zur Sphynx
Ursprünglich hieß die Rasse schlicht Canadian Hairless Cat. Den heutigen Namen erhielt sie, weil ihr Erscheinungsbild an katzenähnliche Darstellungen aus dem alten Ägypten erinnert, etwa an die Sphinx-Statuen. Mit den eigentlichen ägyptischen Tempelkatzen hat die moderne Sphynx trotz des Namens genetisch nichts zu tun, ihre Wurzeln liegen ausschließlich in der kanadischen Zufallsmutation von 1966. Vergleichbare haarlose Mutationen sind in der Geschichte der Hauskatze wiederholt aufgetreten, wurden aber erst mit der Sphynx gezielt zu einer eigenständigen, stabilen Rasse weiterentwickelt.
Wirklich haarlos? Der feine Flaum
Genau betrachtet trägt die Sphynx keinen nackten Körper, sondern einen sehr feinen, kaum spürbaren Haarflaum, der sich eher wie Wildleder anfühlt als wie glatte Haut. Historische Berichte über haarlose Katzen aus der Antike oder von den Azteken gelten bei genauerer Prüfung als nicht belegt; das älteste bekannte Dokument mit Abbildung einer haarlosen Katze stammt erst aus dem Jahr 1902 aus Mexiko. Frühere Erzählungen über haarlose Kultkatzen halten einer genaueren historischen Prüfung demnach nicht stand und gehören eher zur Legendenbildung rund um die Rasse als zu belegter Geschichte.
Warum die Haut mehr Talg produziert
Bei behaarten Katzen verteilt sich der Hauttalg über das Fell und fällt kaum auf. Der Sphynx fehlt dieses Fell, weshalb sich der bräunliche Talg direkt auf der Haut und auf Möbeln ablagert. Regelmäßiges Baden, oft wöchentlich, gehört deshalb zur festen Pflegeroutine, ebenso wie das Reinigen der Ohren, in denen sich ohne schützendes Fell ebenfalls mehr Sekret ansammelt. Auch die Krallen brauchen häufigere Kontrolle, weil weniger Fell auch weniger natürlichen Abrieb beim Klettern und Kratzen bedeutet.
Sonnenschutz, Kälteempfindlichkeit und Energiebedarf
Helle Sphynx-Katzen können bei ungeschütztem Sonnenkontakt einen Sonnenbrand bekommen, weshalb direkte, lange Sonneneinstrahlung vermieden werden sollte. Auch Kälte macht ihr ohne wärmendes Fell mehr zu schaffen, weshalb viele Halter ihr warme Liegeplätze oder sogar kleine Pullover anbieten. Entgegen einem verbreiteten Irrtum hat die Sphynx keine höhere Körpertemperatur als andere Katzen, ihre Wärme wird lediglich ungefiltert über die nackte Haut abgegeben, was sich beim Berühren intensiver anfühlt. Ihr Energiebedarf liegt wegen des fehlenden Fells als Wärmeisolierung etwas höher, weshalb sie tendenziell mehr Futter braucht als eine vergleichbar große, behaarte Katze.
Charakter: verspielt und menschenbezogen
Die Sphynx gilt als außergewöhnlich anhänglich, neugierig und verspielt, sucht aktiv Nähe zu ihren Bezugspersonen und wird von vielen Haltern als besonders kontaktfreudig beschrieben, oft folgt sie ihnen durch die ganze Wohnung. Wegen ihrer Kälteempfindlichkeit sucht sie gern warme, geschützte Plätze, gerne auch direkt auf dem Schoß oder unter einer Decke. Für Halter, die viel Zeit zu Hause verbringen und engen Kontakt zu ihrer Katze schätzen, gilt die Sphynx deshalb oft als besonders dankbare Rasse, für lange Alleinzeiten dagegen eher als ungeeignet.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







