Lost puppy at window

Der Kater als Vater: Verhalten, Wurf und Inzuchtrisiko

Kurzantwort: Ein Kater beteiligt sich nicht an der Aufzucht. Die Kätzin zieht ihre Jungen allein groß. Ein Wurf kann außerdem mehrere Väter haben, weil eine rollige Kätzin sich mit mehreren Katern paart. Leben Vater und Tochter im selben Haushalt, ist die Kastration die einzige verlässliche Bremse gegen Inzucht.

Die Frage taucht meist auf, wenn ein Wurf im Haus liegt und der vermutete Vater ein paar Meter weiter auf dem Sofa schläft.

Der Reflex, ihm eine Rolle zuzuschreiben, ist verständlich. Bei Katzen führt er in die Irre. Die Sozialstruktur der Art sieht keinen Vater vor, der sich kümmert.

Hier stehen die belegbaren Punkte: was im Haushalt tatsächlich passiert, wie viele Väter ein Wurf haben kann und wo das Tierschutzrecht eine Grenze zieht.

Kater und Kitten unter einem Dach

Katzen leben meistens solitär, weil sie ihre Beute allein erlegen. Kätzinnen ziehen ihre Welpen allein groß. Diese beiden Sätze aus dem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz beschreiben die Ausgangslage.

Beide Geschlechter beanspruchen ein Revier, das sie kontrollieren, markieren und gegen eindringende Artgenossen verteidigen. Kater beanspruchen dabei etwa 1,5 bis 2 Hektar, Kätzinnen etwa 0,5 Hektar. Das Revier eines unkastrierten Katers ist im Schnitt drei- bis fünfmal größer und schließt die Reviere mehrerer Weibchen ein.

Für den Haushalt heißt das: Der Kater ist ein Gruppenmitglied, kein Elternteil. Wie er auf die Jungen reagiert, hängt am Einzeltier und an der Menge der verfügbaren Rückzugsorte.

Die Mutterkatze braucht laut TVT einen ruhigen Wurfplatz, der von den anderen Katzen im Haushalt abgeschirmt ist, und außerdem die Möglichkeit, sich vor den Jungtieren zurückzuziehen — etwa über Plattformen, die nur sie erreicht.

Ein Wurf, mehrere Väter

Eine rollige Kätzin kann sich mit mehreren Männchen paaren. Entsprechend können die Geschwister eines Wurfes verschiedene Väter haben. Fachlich heißt das heteropaternale Superfekundation.

Das erklärt, warum Kitten aus einem Wurf oft völlig unterschiedlich aussehen. Bei Freigängerinnen ist der Fall die Regel, nicht die Ausnahme.

Die Rahmendaten dazu: Während der Rolligkeit ist die Kätzin etwa fünf bis sechs Tage lang empfänglich. Der Eisprung wird meist erst durch den Deckakt ausgelöst. Die Trächtigkeit dauert durchschnittlich 63 bis 65 Tage.

Bleibt eine Paarung aus, wird die Kätzin normalerweise nach neun Tagen erneut rollig. Kam es zum Eisprung ohne Trächtigkeit, folgt die nächste Rolligkeit nach fünf bis sechs Wochen. Der Zyklus wiederholt sich also im Abstand von Tagen, nicht von Monaten.

Warum die Fellfarbe den Vater nicht verrät

Viele Halter versuchen, vom Fell der Kitten auf den Vater zu schließen. Das funktioniert nur in eine Richtung, und auch dort begrenzt.

Rot und Schwarz liegen bei Katzen auf dem X-Chromosom. Ein Kater gibt sein einziges X ausschließlich an seine Töchter weiter, niemals an seine Söhne. Die Fellfarbe der männlichen Nachkommen stammt also von der Mutter.

Ein Beispiel macht das greifbar. Ein roter Kater gibt das Rot-Allel an jede seiner Töchter weiter. Ist die Mutter schwarz, werden diese Töchter schildpattfarben. Seine Söhne bekommen von ihm dagegen das Y-Chromosom und tragen die Farbe der Mutter.

Ein sicherer Vaterschaftsnachweis läuft über einen DNA-Test im Labor. Mehrere Speziallabore bieten Abstammungsuntersuchungen für Katzen an, die Probe wird als Wangenabstrich genommen. Alles andere bleibt eine Vermutung.

Wenn der Kater seine eigene Tochter deckt

Kätzinnen werden zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat geschlechtsreif, Langhaarkatzen häufig erst mit 11 bis 21 Monaten. Ein Wurf kann also innerhalb weniger Monate den nächsten Wurf zeugen.

Verwandtschaftszucht erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich erblich bedingte Defekte durchsetzen. Das Tierschutzgesetz zieht dafür in § 11b eine Grenze: Verboten ist das Züchten, wenn bei der Nachzucht erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind.

Wer keine Zucht plant, hat eine einfachere Pflicht. Aus Tierschutzsicht müssen Halter bei männlichen und weiblichen Katzen Vorsorge treffen, dass eine unkontrollierte Fortpflanzung verhindert wird. Bei zweigeschlechtlicher Gruppenhaltung erlaubt § 6 Absatz 1 Nummer 5 des Tierschutzgesetzes die Kastration ausdrücklich „zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung“.

Was das für die Haltung heißt

Leben Kater und Kätzin zusammen, ist die Kastration beider Tiere die praktikable Lösung. Sie beendet die Rolligkeit, das Markieren verschwindet meist, und die Frage nach dem Vater stellt sich gar nicht erst.

Kommen Jungtiere hinzu, gilt: Mutterkatzen sind mit ihren Welpen zusammenzuhalten, bis diese mindestens zehn Wochen alt sind. Gut sozialisierte Kitten sollten besser noch bis zur zwölften Woche bei Mutter und Geschwistern bleiben.

Zeigt der erwachsene Kater dauerhaftes Drohverhalten gegenüber den Jungen und fehlen Ausweichmöglichkeiten, darf das nach TVT-Merkblatt höchstens vier Wochen hingenommen werden. Danach werden die Tiere separiert und die Haltungsform überprüft.

Häufige Fragen

Erkennt ein Kater seine eigenen Kitten?

Dafür gibt es keinen Beleg. Katzen erkennen Gruppenmitglieder am Geruch, eine Vaterrolle im menschlichen Sinn ist bei ihnen nicht beschrieben.

Kann ein Wurf wirklich mehrere Väter haben?

Ja. Eine rollige Kätzin paart sich mit mehreren Katern, die Geschwister eines Wurfs können deshalb verschiedene Väter haben.

Ist der Kater eine Gefahr für die Kitten?

Meist nicht, garantieren lässt sich das aber nicht. Die Mutter braucht einen abgeschirmten Wurfplatz und einen Rückzugsort, den nur sie erreicht.

Wie finde ich heraus, wer der Vater ist?

Nur über einen DNA-Abstammungstest. Fellfarbe und Zeichnung reichen dafür nicht aus.

Was passiert bei Inzucht unter Katzen?

Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass erblich bedingte Schäden auftreten. Das Tierschutzgesetz verbietet in § 11b Zuchten, deren Nachkommen dadurch leiden.

Ab wann kann ein junger Kater decken?

Mit dem Eintritt der Geschlechtsreife, bei vielen Tieren im Verlauf des ersten Lebensjahres. Kätzinnen sind bereits ab dem vierten Lebensmonat empfänglich.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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