Getigerte Hauskatze im Porträt

Hauskatze als Rasse: Europäisch Kurzhaar im Porträt

Kurzantwort: Die gewöhnliche Hauskatze ohne Stammbaum ist keine Rasse, sondern ein Mischling. Es gibt aber eine anerkannte Zuchtrasse, die genau so aussieht: die Europäisch Kurzhaar, oft als EKH abgekürzt. Sie ist von den großen Zuchtverbänden anerkannt und wird gezielt auf den ursprünglichen Typ der europäischen Hauskatze gezüchtet — mittelgroß, kräftig, kurzhaarig, in vielen Farben.

Die Frage nach der Rasse der Hauskatze führt regelmäßig zu Missverständnissen. Wer eine getigerte Katze aus dem Tierheim holt, hat kein Tier ohne Herkunft, aber eben auch keines mit dokumentierter Abstammung.

Zuchtverbände unterscheiden deshalb sauber zwischen der Europäisch Kurzhaar als Rasse und der Hauskatze als Sammelbegriff für alles, was ohne Papiere lebt. Beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Was die Rasse ausmacht, wie sie sich verhält und worauf es bei der Haltung ankommt, steht hier.

Hauskatze, Rassekatze, Mischling

Junge Hauskatze beim Spielen
Hauskatzen ohne Stammbaum stellen den Großteil der Katzen in deutschen Haushalten. Foto: Andrea Pavanello, CC BY-SA 3.0 it

Alle Hauskatzen gehören zur selben Art. Was wir Rassen nennen, sind Zuchtlinien innerhalb dieser Art, ausgewählt nach Aussehen und Wesen.

Eine Katze gilt als Rassekatze, wenn ein anerkannter Verband ihre Abstammung führt und einen Stammbaum ausstellt. Fehlt der, ist sie eine Hauskatze — unabhängig davon, wie rassetypisch sie aussieht.

Der Großteil der Katzen in deutschen Haushalten fällt in diese zweite Gruppe. Die Katze zählt zu den am weitesten verbreiteten Haustieren des Landes.

Europäisch Kurzhaar: die anerkannte Rasse

Die Europäisch Kurzhaar wurde aus dem Bestand gewöhnlicher europäischer Hauskatzen herausgezüchtet. Ziel war es, den ursprünglichen Typ zu erhalten, statt ihn in Richtung eines Extrems zu verändern.

Sie ist damit das Gegenstück zu Rassen wie Perser oder Siam, deren Erscheinungsbild sich über Jahrzehnte deutlich vom Ausgangstyp entfernt hat.

In der Zucht wird auf einen geschlossenen Stammbaum geachtet. Eine zugelaufene Katze kann nicht einfach als Europäisch Kurzhaar eingetragen werden.

Wie die Europäisch Kurzhaar aussieht

Getigerte Katze im Freien
Getigert ist ein Fellmuster und kommt bei fast jeder Rasse vor. Foto: Sun Taro, CC BY-SA 2.0

Der Körper ist mittelgroß bis groß, muskulös und gut proportioniert, ohne die Gedrungenheit der Britisch Kurzhaar. Die Beine sind mittellang, der Schwanz an der Basis kräftig und zur Spitze hin verjüngt.

Der Kopf ist leicht gerundet, etwas länger als breit, mit klar erkennbarer Nase ohne Stopp. Die Ohren sind mittelgroß und aufrecht, die Augen rund und weit auseinanderstehend.

Das Fell liegt kurz, dicht und glänzend an. Anerkannt sind zahlreiche Farben und Muster, darunter getigert, getupft, einfarbig, schildpatt und mit Weißanteil.

Wesen und Verhalten

Die Rasse gilt als robust, selbstbewusst und anpassungsfähig. Sie sucht Kontakt zu ihren Menschen, ohne dabei so fordernd zu sein wie die orientalischen Rassen.

Viele Tiere jagen gern und gehen selbstständig ihren Wegen nach. Ein gesicherter Garten oder ein Balkon mit Netz kommt diesem Bedürfnis entgegen.

Als Einzeltier langweilen sich die meisten Katzen. Zwei Tiere, die sich vertragen, beschäftigen einander auch dann, wenn niemand zu Hause ist.

Gesundheit und Lebenserwartung

Weil die Rasse aus einem breiten Genpool stammt und nicht auf Extreme gezüchtet wird, gilt sie als vergleichsweise robust. Rassetypische Erbkrankheiten sind kaum bekannt.

Wohnungskatzen erreichen häufig fünfzehn Jahre und mehr. Freigänger liegen im Schnitt darunter, weil Straßenverkehr, Infektionen und Revierkämpfe hinzukommen.

Regelmäßige Impfungen, Entwurmung und ein Zahncheck beim Tierarzt gehören unabhängig von der Rasse dazu. Ab etwa sieben Jahren ist ein jährlicher Blut- und Urincheck sinnvoll, weil Nierenerkrankungen bei Katzen häufig sind.

Haltung im Alltag

Der Pflegeaufwand ist gering. Das kurze Fell braucht während des Fellwechsels gelegentliches Bürsten, sonst kommt die Katze allein zurecht.

Wichtiger sind Struktur und Höhe im Raum: Kratzmöglichkeiten, erhöhte Liegeplätze und ein ruhiger Rückzugsort. Das Katzenklo steht abseits von Futter und Trubel.

Bei Freigang gehören Kennzeichnung per Mikrochip und eine Registrierung in einem Haustierregister dazu. Ohne Registrierung nützt der Chip im Fundfall wenig.

Zur Freigängerhaltung gehört außerdem die Kastration. Zahlreiche Kommunen schreiben sie für freilaufende Katzen inzwischen vor, um den Zuzug ungewollter Würfe zu bremsen. Welche Regeln vor Ort gelten, weiß das Ordnungsamt.

Futter und Wasser

Katzen sind auf tierisches Eiweiß angewiesen. Entscheidend ist ein hoher Fleischanteil und ein Futter ohne unnötige Füllstoffe, nicht die Frage nass gegen trocken.

Nassfutter hat den praktischen Vorteil des hohen Wasseranteils. Katzen stammen von Wüstenbewohnern ab und trinken von sich aus wenig, was die Nieren belastet.

Der Wassernapf steht besser abseits des Futters. Viele Tiere nehmen Wasser deutlich lieber auf, wenn es an einem anderen Platz steht oder in Bewegung ist.

Übergewicht ist das häufigste Fütterungsproblem. In einer britischen Auswertung tierärztlicher Akten war jede neunte Katze als übergewichtig dokumentiert. Feste Portionen statt einer stets gefüllten Schüssel und ein Futterspielzeug, das die Katze zum Arbeiten zwingt, wirken dem entgegen.

Häufige Fragen

Ist meine getigerte Katze eine Europäisch Kurzhaar?

Nur mit Stammbaum. Ohne Papiere ist sie eine Hauskatze, die zufällig demselben Typ entspricht.

Was ist der Unterschied zur Britisch Kurzhaar?

Die Britisch Kurzhaar ist deutlich runder und gedrungener gebaut, mit vollen Wangen und kürzeren Beinen. Die Europäisch Kurzhaar wirkt sportlicher.

Sind Hauskatzen gesünder als Rassekatzen?

Der breitere Genpool wirkt sich günstig aus. Eine Garantie ist das nicht, denn Alter, Futter und Haltung beeinflussen die Gesundheit ebenso.

Woher bekomme ich eine Hauskatze?

Tierheime und Tierschutzvereine vermitteln laufend Katzen jeden Alters, in der Regel kastriert, geimpft und gechipt.

Braucht eine Hauskatze Freigang?

Zwingend nicht. Wohnungshaltung funktioniert, wenn Kletterflächen, Beschäftigung und idealerweise eine zweite Katze vorhanden sind. Ein gesicherter Balkon erweitert das Revier erheblich.

Welche Impfungen braucht sie?

Als Basisschutz gelten Katzenseuche und Katzenschnupfen, und zwar auch bei reiner Wohnungshaltung. Bei Freigang kommt die Leukose-Impfung dazu, für Auslandsreisen die Tollwutimpfung.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


Nach oben scrollen