Tierärzte untersuchen eine Katze mit dem Stethoskop

FIP bei Katzen: Was die neue Behandlung heute leistet

Kurzantwort: Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) galt lange als nahezu immer tödlich. Seit einigen Jahren zeigen antivirale Wirkstoffe, vor allem GS-441524, in Studien und der tierärztlichen Praxis hohe Heilungschancen. In Deutschland ist der Wirkstoff selbst nicht als Arzneimittel zugelassen, kann aber über eine sogenannte Formula magistralis – eine tierärztlich verschriebene Einzelanfertigung nach § 14 Absatz 2 Tierarzneimittelgesetz – legal bezogen werden. Die Behandlung dauert in der Regel mehrere Wochen und wird von regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen begleitet.

Noch vor wenigen Jahren bedeutete die Diagnose FIP für die meisten Katzenhalter ein absehbares Todesurteil für ihr Tier.

Neue antivirale Wirkstoffe haben das grundlegend verändert. Dieser Artikel erklärt, was FIP ist, wie die moderne Behandlung abläuft und was Halter zur Rechtslage in Deutschland wissen sollten.

Was ist FIP?

Die Feline Infektiöse Peritonitis ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Katzen betrifft und durch das feline Coronavirus ausgelöst wird. Das Virus selbst ist in der Katzenpopulation weit verbreitet, vor allem dort, wo viele Katzen auf engem Raum zusammenleben, etwa in Mehrkatzenhaushalten, Tierheimen oder Zuchtstationen, und verläuft in den meisten Fällen harmlos oder gänzlich ohne Symptome. Bei manchen Katzen mutiert das Virus jedoch im Körper und verändert dabei seine Eigenschaften so, dass es sich statt im Darm auch in bestimmten weißen Blutkörperchen vermehren kann. Diese Mutation ist der eigentliche Auslöser der FIP-Erkrankung. Besonders gefährdet sind junge Katzen unter zwei Jahren sowie Tiere mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch Stress, andere Erkrankungen oder eine hohe Viruslast im Haushalt.

Tierärzte untersuchen eine Katze mit dem Stethoskop
Am Anfang der Diagnose steht immer eine gründliche tierärztliche Untersuchung. Foto: Sgt. Emily Greene, Public domain

Symptome: feuchte und trockene Form

FIP zeigt sich klinisch unterschiedlich. Bei der feuchten (effusiven) Form sammelt sich Flüssigkeit in Bauch- oder Brustraum, sichtbar als sichtlich aufgeblähter Bauch oder erschwerte Atmung. Typisch sind außerdem anhaltendes Fieber, das nicht auf Antibiotika anspricht, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Gelbsucht. Bei der trockenen (nicht effusiven) Form bildet sich dagegen keine oder nur wenig Flüssigkeit, stattdessen können Organe wie Augen, Nieren, Leber oder das Nervensystem betroffen sein. Das äußert sich je nach betroffenem Organ in neurologischen Ausfällen wie Gleichgewichtsstörungen oder Krampfanfällen, in Augenentzündungen oder in unspezifischen Symptomen wie anhaltendem Fieber und Abgeschlagenheit. Beide Formen können ineinander übergehen, weshalb die Diagnose oft eine Kombination aus klinischem Bild, Bluttests, Bildgebung und gegebenenfalls einer Punktion der angesammelten Flüssigkeit erfordert.

Die neue Behandlung: GS-441524

Der vielversprechendste Wirkstoff gegen FIP ist GS-441524, ein Nukleosid-Analogon, das die Vermehrung des felinen Coronavirus im Körper hemmt, indem es in die virale Erbinformation eingebaut wird und deren Kopie stoppt. Auch der Wirkstoff GC376 wird in Studien untersucht. GS-441524 ist chemisch eng mit Remdesivir verwandt, jenem Wirkstoff, der während der Corona-Pandemie beim Menschen gegen Covid-19 eingesetzt wurde – GS-441524 ist tatsächlich der aktive Stoff, in den Remdesivir im Körper umgewandelt wird. Ursprünglich musste GS-441524 täglich gespritzt werden, was für Katze und Halter über Wochen hinweg belastend war. Inzwischen zeigen Studien, dass auch erhältliche Präparate in Tablettenform ähnlich wirksam sind – für Halter und Tier eine deutliche Erleichterung im Behandlungsalltag, weil die tägliche Injektion entfällt.

Wie die Therapie abläuft

Nach der Diagnose beginnt die Behandlung meist mit einer stationären Phase von mindestens drei Tagen zur Stabilisierung, bevor die Katze mit der Medikation nach Hause entlassen wird. Danach folgen tierärztliche Kontrolltermine, etwa am 7., 42. und 84. Behandlungstag sowie nach 6, 12 und 24 Monaten, um Blutwerte und den Therapieerfolg zu überprüfen und die Katze langfristig als geheilt einstufen zu können.

Katze eingekuschelt in eine weiche Decke
Während der wochenlangen Therapie braucht die Katze vor allem Ruhe und ein warmes Rückzugsplätzchen. Foto: Mary-Lynn, CC BY 4.0

Ist die Behandlung in Deutschland legal?

GS-441524 ist in Deutschland weder als Human- noch als Tierarzneimittel zugelassen. Ein legaler Zugang besteht dennoch über die sogenannte Formula magistralis: eine Zubereitung des Medikaments speziell für ein einzelnes Tier auf Basis eines tierärztlichen Rezepts. Rechtliche Grundlage ist § 14 Absatz 2 des Tierarzneimittelgesetzes, wonach ein nicht zugelassenes Arzneimittel als Rezepturarzneimittel auf tierärztliches Rezept hergestellt werden darf – etwa in einer Apotheke innerhalb der EU, mit direktem Versand an den Tierhalter.

Kosten und was Halter wissen sollten

Weil GS-441524 als Rezepturarzneimittel und nicht als reguläres, zugelassenes Medikament abgegeben wird, übernehmen viele Tierkrankenversicherungen die Kosten nicht automatisch – Halter sollten das vorab mit ihrem Versicherer klären. Die Gesamtkosten hängen von Körpergewicht der Katze, Behandlungsdauer und der Zahl der nötigen Kontrolltermine ab und summieren sich über die gesamte Therapie schnell auf mehrere Tausend Euro. Die Behandlung sollte ausschließlich über eine Tierärztin oder einen Tierarzt eingeleitet werden, die oder der die Diagnose sichert, die Dosierung festlegt und die Verlaufskontrollen begleitet. Von einer Selbstmedikation mit im Internet angebotenen, unkontrollierten Präparaten ist dringend abzuraten, weil weder Reinheit noch korrekte Dosierung gewährleistet sind.

Rückfälle und was danach zu beachten ist

Auch nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung bleibt eine Katze über die gesamte Nachbeobachtungszeit engmaschig unter tierärztlicher Kontrolle, weil sich vereinzelt Rückfälle zeigen können, insbesondere bei zu kurzer oder unterbrochener Therapie. Erst wenn alle Kontrolltermine über die vollen 24 Monate ohne Auffälligkeiten verlaufen, gilt eine Katze als dauerhaft geheilt.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen?

Antivirale Wirkstoffe wie GS-441524 können bei konsequent durchgeführter Therapie eine Heilung FIP-erkrankter Katzen bewirken, wie tiermedizinische Therapiestudien zeigen. Damit hat sich die Prognose gegenüber früheren Jahren, in denen die Krankheit praktisch immer tödlich verlief, grundlegend verbessert. Entscheidend für den Erfolg bleiben eine frühzeitige Diagnose und eine konsequent durchgehaltene Behandlungsdauer über mehrere Wochen, ohne eigenmächtige Pausen oder ein zu frühes Absetzen der Medikation. Katzenhalter, bei deren Tier der Verdacht auf FIP im Raum steht, sollten sich deshalb möglichst früh an eine erfahrene Tierarztpraxis oder Universitätsklinik wenden, statt wertvolle Zeit mit Unsicherheit verstreichen zu lassen.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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