Katze wird beim Tierarzt untersucht

Wurmbefall bei Katzen: Symptome, Risiko und ESCCAP-Plan

Kurzantwort: Ein Wurmbefall zeigt sich oft erst spät, durch Durchfall, Erbrechen, stumpfes Fell oder Wachstumsstörungen bei Jungtieren. ESCCAP Deutschland empfiehlt für reine Wohnungskatzen ein bis zwei Kotuntersuchungen oder Entwurmungen pro Jahr, für unbeaufsichtigte Freigänger mindestens vier. Lebt ein Kleinkind oder eine immungeschwächte Person im Haushalt, rät ESCCAP zu einer monatlichen Entwurmung gegen Spulwürmer, weil deren Eier auf Menschen übergehen können.

Würmer gehören zu den häufigsten, aber am leichtesten übersehenen Gesundheitsproblemen bei Katzen. Anders als bei einer akuten Infektion zeigen befallene Tiere oft wochenlang kaum Symptome.

Dieser Artikel fasst zusammen, welche Wurmarten vorkommen, woran ein Befall erkennbar ist und wie oft ESCCAP Deutschland eine Entwurmung empfiehlt.

Welche Wurmarten Katzen befallen

Laut ESCCAP Deutschland kommen bei Katzen vor allem Spulwürmer, allen voran der Katzenspulwurm Toxocara cati, außerdem Bandwürmer, Hakenwürmer, Herzwürmer und Lungenwürmer vor. Herz- und Lungenwürmer sind in Deutschland seltener, können aber schwer verlaufende Erkrankungen auslösen. Spulwürmer sind der mit Abstand häufigste Fund bei Kotuntersuchungen.

Woran sich ein Befall zeigt

Ein Wurmbefall wirkt sich auf Immunsystem und Nährstoffaufnahme aus. Sichtbar wird das durch Durchfall und Erbrechen, teils mit sichtbaren Würmern im Kot oder Erbrochenen, außerdem durch stumpfes Fell und schuppige Haut. Bei jungen Kätzchen kann ein starker Befall zu Wachstumsstörungen führen, weil der Wurm einen Teil der aufgenommenen Nährstoffe abzieht. Manche Tiere zeigen über Wochen gar keine äußeren Anzeichen, während der Befall im Darm bereits besteht.

Wie oft ESCCAP eine Entwurmung empfiehlt

Für reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu anderen Tieren reichen laut ESCCAP ein bis zwei Kotuntersuchungen oder Entwurmungen pro Jahr. Katzen mit regelmäßigem unbeaufsichtigtem Freigang, die wilde Nagetiere oder Aas fressen können, sollten mindestens vier Mal im Jahr entwurmt oder untersucht werden, weil sie sich über die Beute laufend neu infizieren. ESCCAP betont, dass die konkrete Empfehlung immer individuell mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden sollte, abhängig von Lebensweise und lokalem Infektionsdruck.

Wann eine Kotprobe die Entwurmung ersetzt

Statt auf Verdacht zu entwurmen, lässt sich eine Kotprobe im Labor auf Wurmeier untersuchen. Ist kein Befall nachweisbar, entfällt die Behandlung für diesen Zeitpunkt. Dieses risikobasierte Vorgehen spart unnötige Medikamentengaben, setzt aber voraus, dass die Probe an mehreren Tagen gesammelt wird, weil Würmer nicht kontinuierlich Eier ausscheiden und ein einzelner negativer Befund einen Befall nicht sicher ausschließt.

Bandwürmer und der Umweg über den Floh

Der häufigste Bandwurm bei Katzen, der Gurkenkernbandwurm, gelangt nicht direkt von Tier zu Tier, sondern über den Floh als Zwischenwirt. Eine Katze steckt sich an, wenn sie beim Putzen einen infizierten Floh verschluckt. Reine Bandwurmbekämpfung ohne gleichzeitige Flohprophylaxe bleibt deshalb wirkungslos auf Dauer, weil sich das Tier über den nächsten Flohbefall sofort neu ansteckt. Konsequenter Flohschutz ist damit ein fester Bestandteil jeder Entwurmungsstrategie gegen diesen speziellen Bandwurm.

Welches Mittel wie wirkt

Entwurmungsmittel für Katzen gibt es als Tablette, Paste oder Spot-on zum Auftragen auf die Haut im Nacken. Welches Präparat welche Wurmarten abdeckt, unterscheidet sich je nach Wirkstoff, ein Breitbandmittel gegen Spulwürmer wirkt nicht automatisch auch gegen Bandwürmer oder Herzwürmer. Die Auswahl des passenden Präparats gehört deshalb in die Hand der Tierarztpraxis, die anhand von Lebensweise, Kotbefund und Reiseverhalten der Katze das richtige Mittel und Dosierung nach Körpergewicht festlegt. Eigenmächtiges Dosieren nach Augenmaß birgt das Risiko einer Unter- oder Überdosierung.

Warum auch scheinbar gesunde Katzen betroffen sein können

Ein gepflegtes Fell und guter Appetit schließen einen Wurmbefall nicht aus. Gerade bei niedriger Wurmzahl bleiben Katzen oft monatelang unauffällig, während sie über den Kot weiter Eier ausscheiden und so andere Tiere oder Menschen im Haushalt anstecken können. Genau deshalb setzt ESCCAP auf feste Kontrollintervalle statt auf ein Abwarten sichtbarer Symptome, weil die Abwesenheit von Symptomen keine Aussage über die Abwesenheit von Würmern erlaubt. Ein fester Termin im Kalender, etwa gekoppelt an den jährlichen Impftermin, hilft, die Kontrolle nicht aus den Augen zu verlieren, statt sie im Alltag immer wieder aufzuschieben.

Risiko für Menschen im Haushalt

Bestimmte Wurmarten können laut ESCCAP auf den Menschen übertragen werden und dort zu ernsthaften Erkrankungen führen. Besonders betroffen sind Babys, Kleinkinder und immungeschwächte Personen, die sich über infektiöse Spulwurmeier im Sandkasten oder beim Spielen mit der Katze anstecken können. Für Haushalte mit dieser Konstellation empfiehlt ESCCAP eine monatliche Entwurmung gegen Spulwürmer, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Kitten brauchen ein eigenes Schema

Katzenbabys können sich bereits über die Muttermilch mit Spulwürmern infizieren, weil im Körper der Mutter ruhende Larven während der Trächtigkeit reaktiviert werden. Deshalb sehen tierärztliche Entwurmungsschemata für Kitten deutlich engmaschigere Termine vor als für erwachsene Katzen, oft schon ab der zweiten Lebenswoche im Abstand von zwei Wochen bis zum Alter von drei Monaten, danach im monatlichen Rhythmus bis zum sechsten Lebensmonat, bevor auf den Rhythmus für erwachsene Katzen umgestellt wird.

Herzwürmer: in Deutschland selten, auf Reisen ein Risiko

Der Herzwurm Dirofilaria immitis ist laut ESCCAP in Südeuropa sowie in Teilen Mittel- und Osteuropas endemisch, in Deutschland aber aktuell nicht heimisch. Übertragen wird er durch Stechmücken, in betroffenen Gebieten liegt die Häufigkeit bei Katzen laut ESCCAP rund zehnmal niedriger als bei Hunden. Reist eine Katze in ein Risikogebiet, empfiehlt ESCCAP eine monatliche vorbeugende Behandlung ab Reisebeginn bis 30 Tage nach der Rückkehr, weil das übliche Entwurmungsschema für zu Hause diesen Parasiten nicht automatisch mit abdeckt.

Wie eine Kotprobe richtig genommen wird

Für eine aussagekräftige Untersuchung reicht eine einzelne Kotprobe oft nicht aus, weil Würmer nicht an jedem Tag gleich viele Eier ausscheiden. Tierarztpraxen empfehlen deshalb meist eine Sammelprobe über drei aufeinanderfolgende Tage, kühl gelagert bis zur Abgabe. Das erhöht die Trefferquote deutlich gegenüber einer Momentaufnahme und verhindert unnötige Wurmkuren bei tatsächlich unbefallenen Tieren.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

Nach oben scrollen