Scottish Fold Katze mit Faltohren

Süße Katzenrassen: Sechs Rassen und ihre Besonderheiten

Kurzantwort: Zu den beliebtesten „süßen“ Katzenrassen zählen Scottish Fold mit ihren geknickten Ohren, Ragdoll mit ihrem entspannten Wesen, Maine Coon als sanfter Riese und die haarlose Sphynx. Bei der Scottish Fold steckt hinter dem niedlichen Merkmal eine Erbkrankheit der Knorpel, weshalb Deutschland, Österreich und die Niederlande ihre Zucht verbieten. Optik allein sollte deshalb nie das einzige Auswahlkriterium sein.

„Süß“ ist bei Katzenrassen selten eine neutrale Beschreibung. Oft steckt hinter dem niedlichen Aussehen eine Zuchtgeschichte, die sich lohnt zu kennen, bevor eine Entscheidung fällt.

Dieser Überblick stellt sechs häufig als besonders süß beworbene Rassen vor, mit ihren echten Eigenschaften und, wo nötig, mit einer Einordnung zum Tierschutz.

Scottish Fold: die Sache mit den Ohren

Die nach vorne geknickten Ohren der Scottish Fold entstehen durch eine 2016 identifizierte Mutation im TRPV4-Gen, die autosomal-dominant vererbt wird. Kitten werden mit normalen Ohren geboren, erst nach etwa vier Wochen knicken sie ab. Dieselbe Genveränderung verursacht häufig eine Osteochondrodysplasie, eine Störung der Knochen- und Knorpelentwicklung mit schmerzhaften Verdickungen an Gelenken und Schwanz. Die Erkrankung gilt als unheilbar. FIFe und der britische Verband GCCF erkennen die Rasse deshalb nicht an, in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und teils Belgien ist die Zucht verboten. In Großbritannien wird sie geduldet, in den USA und Russland ist sie populär.

Ragdoll: die Stoffpuppe

Die Ragdoll entstand Anfang der 1960er-Jahre in Kalifornien, gezüchtet von Ann Baker aus einer Freigängerkatze namens Josephine. Der Name geht auf die Beobachtung zurück, dass die Tiere beim Hochheben schlaff wie eine Stoffpuppe wirken. Frühe Gerüchte sprachen von einem veränderten Schmerzempfinden, wissenschaftlich widerlegt wurde das inzwischen. Kater bringen 6,5 bis 10 Kilogramm auf die Waage, Kätzinnen 4,5 bis 6,5 Kilogramm, bei einer Körperlänge von bis zu 120 Zentimetern von der Nase bis zur Schwanzspitze.

Ragdoll-Katze
Die Ragdoll wurde nach ihrer Angewohnheit benannt, beim Hochheben schlaff wie eine Stoffpuppe zu werden. Foto: Niels Hartvig, CC BY-SA 4.0

Maine Coon: der sanfte Riese

Die Maine Coon stammt aus dem Nordosten der USA und zählt zu den größten Hauskatzenrassen überhaupt. Kater wiegen 5,5 bis 13 Kilogramm, in Ausnahmefällen mehr, und können über 1,20 Meter lang werden. Ihre volle Größe erreichen sie erst mit etwa drei Jahren. Charakterlich gelten sie als verspielt, wasserliebend und sehr menschenbezogen, weshalb sie oft als Hundekatze bezeichnet werden. Seit 1985 ist sie die offizielle Staatskatze von Maine.

Maine-Coon-Katze
Die Maine Coon gehört zu den größten Hauskatzenrassen und wird oft als Hundekatze bezeichnet. Foto: ginnylgorman, CC BY 4.0

Sphynx: süß trotz fehlendem Fell

Die Haarlosigkeit der Sphynx beruht auf einer Mutation im Keratin-Gen krt71, dieselbe Mutation führt bei anderem Erbgang zum lockigen Fell der Devon Rex. Moderne Sphynx-Katzen stammen aus kanadischer Zucht seit den 1960er-Jahren, offiziell anerkannt seit 1980. Sie brauchen wegen des fehlenden Fells mehr Kalorien als andere Rassen und müssen vor Sonnenbrand geschützt werden, hellhäutige Tiere reagieren besonders empfindlich auf UV-Strahlung. Trotz fehlendem Fell fühlt sich ihre Haut warm an, weil die Körperwärme direkt abgegeben wird statt von einer Fellschicht zurückgehalten zu werden.

Britisch Kurzhaar: rund und gelassen

Mit ihrem runden Kopf, den vollen Wangen und dem dichten Plüschfell gilt die Britisch Kurzhaar vielen als Inbegriff der gemütlichen Wohnungskatze. Charakterlich wird sie als ruhig, ausgeglichen und pflegeleicht beschrieben, sie sucht Nähe zum Menschen, ohne anhänglich im Sinne eines ständigen Körperkontakts zu sein. Wegen ihres dichten Unterfells profitiert sie von regelmäßigem Bürsten, besonders im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst.

Perser: das lange Fell mit hohem Pflegeaufwand

Die Perserkatze zählt zu den ältesten bekannten Rassen und ist an ihrem langen, seidigen Fell und dem markant flachen Gesicht erkennbar. Gerade die extreme Ausprägung der flachen Gesichtsform steht bei einzelnen Zuchtlinien in der Kritik, weil sie Tränenfluss und Atembeschwerden begünstigen kann, weshalb seriöse Züchter inzwischen auf gemäßigtere Kopfformen achten. Das lange Fell verfilzt ohne tägliches Bürsten schnell und macht die Perser zu einer der pflegeintensivsten Rassen überhaupt.

Wie sich Optik und Wesen bei der Zucht auseinanderentwickeln

Bei vielen als süß geltenden Rassen ist die Optik das Ergebnis gezielter Zuchtauswahl über Jahrzehnte, während das Wesen sich unabhängig davon entwickelt oder sogar in eine andere Richtung verändert. Runde Gesichter, große Augen und kompakte Körperformen sprechen beim Menschen ein angeborenes Kindchenschema an, das ursprünglich der Fürsorge für den eigenen Nachwuchs dient und sich bei Tieren mit ähnlichen Proportionen automatisch aktiviert. Das erklärt, warum Rassen mit diesen Merkmalen unabhängig vom tatsächlichen Charakter oft als besonders anhänglich wahrgenommen werden, obwohl das im Einzelfall nicht zutreffen muss.

Was Fotos im Internet verzerren

Viele der als besonders süß geteilten Bilder zeigen Katzen in ausgewählten Posen oder im Kittenalter, in dem fast jede Rasse rund und niedlich wirkt. Das erwachsene Tier unterscheidet sich davon oft deutlich, sowohl optisch als auch im Bewegungsdrang und im Pflegeaufwand. Vor einer Entscheidung hilft der Blick auf Fotos und, wenn möglich, den persönlichen Kontakt zu ausgewachsenen Tieren derselben Zuchtlinie, nicht nur zu den Kitten auf der Verkaufsseite.

Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt

Ein niedliches Merkmal wie Faltohren oder Haarlosigkeit sagt nichts über Wesen oder Pflegeaufwand aus. Wichtiger sind Fragen zu Zuchtlinie, dokumentierten Gesundheitschecks und, bei Rassen mit bekannten Erbkrankheiten wie der Scottish Fold, eine Aufklärung durch den Züchter über mögliche Folgeerkrankungen. Ein Kitten, dessen Eltern beide gesund dokumentiert sind, ist die bessere Wahl als eines, das nur wegen der Optik ausgesucht wird.

Wenn Niedlichkeit zur Qualzucht wird

Die Scottish Fold ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Merkmale, die auf Menschen kindlich oder niedlich wirken, gezielt weitergezüchtet, obwohl sie mit gesundheitlichen Folgen verbunden sind. Tierschutzrechtlich problematisch wird es, wenn das Merkmal selbst untrennbar mit Schmerzen oder Fehlbildungen verknüpft ist, wie bei der Scottish Fold die Ohrfaltung mit der Knorpelerkrankung. Ein Blick auf die Anerkennung durch seriöse Verbände wie FIFe hilft bei der Einschätzung: Lehnt ein internationaler Dachverband eine Rasse aus Tierschutzgründen ab, ist das ein deutliches Warnsignal für potenzielle Käufer.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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