Relaxed female domestic cat

Katze Krallen schneiden: Wann nötig, wie sicher, was verboten

Kurzantwort: Die meisten Katzen brauchen kein Krallenschneiden. Sie wetzen die Krallen selbst am Kratzbaum oder draußen an Bäumen ab. Nötig wird es bei alten Katzen, deren Krallen dick werden und einwachsen, bei Wohnungskatzen ohne Kratzmöglichkeit und bei Tieren, die sich oder andere verletzen. Geschnitten wird nur die durchsichtige Spitze, nie der rosa Bereich mit Blutgefäß. Die Krallen ganz entfernen zu lassen ist in Deutschland nach § 6 Tierschutzgesetz verboten.

Katzenkrallen sind Werkzeug und Waffe zugleich. Damit klettert die Katze, hält sich fest, markiert ihr Revier und verteidigt sich. Deshalb pflegt sie ihre Krallen selbst: Beim Kratzen streift sie die abgenutzte äußere Hornhülle ab, darunter kommt die neue scharfe Spitze zum Vorschein.

Trotzdem fragen viele Halter, ob sie nachhelfen sollen. Die Antwort hängt vom Alter der Katze, ihrer Haltung und ihrem Verhalten ab. Hier erfährst du, wann Schneiden sinnvoll ist, wie es sicher klappt und wo die Grenze zum Tierarzt liegt.

Wann Krallenschneiden sinnvoll ist

Freigänger regeln das Thema allein. Baumrinde, Zaunpfähle und Holzstapel schleifen die Krallen täglich ab. Bei ihnen ist Schneiden sogar ein Nachteil: Mit gekürzten Krallen klettern sie schlechter und kommen bei Gefahr langsamer auf den Baum.

Bei Wohnungskatzen sieht es anders aus, wenn Kratzmöglichkeiten fehlen oder an der falschen Stelle stehen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz verlangt in ihrem Merkblatt zu den Mindestanforderungen an die Katzenhaltung geeignete Kratzmöglichkeiten zur Schärfung der Krallen und zum Kratzmarkieren, und zwar dort, wo die Katze markieren will, etwa neben der Tür. Wird das Kratzbrett nicht angenommen, hilft oft ein Standortwechsel.

Senioren sind die Hauptgruppe. Mit dem Alter wird die Hornhülle dicker, die Katze kratzt weniger, und die Kralle krümmt sich so weit, dass sie in den Ballen wächst. Das ist schmerzhaft und entzündet sich. Vor allem die Daumenkralle an den Vorderpfoten ist betroffen, weil sie beim Laufen keinen Bodenkontakt hat. Die Hauskatze hat vorn fünf Zehen, davon eine ohne Bodenkontakt, hinten vier.

Werkzeug und Vorbereitung

Nimm eine Krallenschere oder Krallenzange für Katzen aus dem Fachhandel. Eine Nagelschere für Menschen quetscht die Kralle, weil sie von den Seiten drückt. Eine Krallenzange schneidet sauber von oben nach unten. Prüfe vor jedem Schneiden, dass die Klinge scharf ist. Stumpfe Klingen splittern die Kralle.

Halte für den Notfall blutstillende Watte oder ein sauberes Tuch bereit. Wähle einen ruhigen Moment, wenn die Katze satt und schläfrig ist. Übe vorher ein paar Tage lang nur das Anfassen der Pfoten und das Herausdrücken der Krallen, mit Belohnung. Wer beim ersten Versuch alle 18 Krallen schaffen will, verliert das Vertrauen der Katze für Wochen.

Schritt für Schritt schneiden

Setze die Katze auf deinen Schoß, mit dem Rücken zu dir. Nimm eine Pfote und drücke sanft von oben auf das Zehengelenk und von unten auf den Ballen. Die Kralle fährt aus. Halte sie gegen das Licht. Bei hellen Krallen siehst du den rosa Bereich, das Krallenbett mit Nerv und Blutgefäß. Alles davor ist durchsichtiges Horn.

Schneide nur die Spitze, etwa ein bis zwei Millimeter vor dem rosa Bereich, im Winkel der natürlichen Krümmung. Im Zweifel weniger. Bei dunklen Krallen ist das Krallenbett unsichtbar. Dann nimmst du nur die dünne, gebogene Spitze weg und schaust dir die Schnittfläche an: Wird sie in der Mitte dunkler und feucht, bist du nah am Gefäß und hörst auf.

Schaffst du an einem Tag nur zwei Krallen, ist das in Ordnung. Belohne nach jeder Pfote. Die Hinterkrallen bleiben in der Regel ungeschnitten, sie sind kürzer und werden beim Laufen abgenutzt. Wiederhole das Schneiden etwa alle vier bis acht Wochen, je nachdem, wie schnell die Krallen nachwachsen und wie viel die Katze kratzt.

Wenn es blutet

Hast du zu tief geschnitten, blutet die Kralle. Das sieht schlimmer aus, als es ist. Drücke ein sauberes Tuch oder blutstillende Watte für zwei bis drei Minuten fest auf die Spitze. Lass die Katze danach in Ruhe und halte sie einen Tag von Katzenstreu mit feinem Staub fern, damit nichts in die Wunde gerät. Hört die Blutung nach zehn Minuten nicht auf, ruf die Praxis an.

Wann der Tierarzt dran ist

Eingewachsene Krallen sind Tierarztsache. Die Kralle muss gekürzt, die Wunde gereinigt und je nach Zustand behandelt werden. Auch bei Katzen, die sich nicht anfassen lassen, bei stark verdickten Krallen alter Tiere und bei jeder Schwellung, Rötung oder Lahmheit an einer Zehe gehört die Pfote in fachliche Hände. Ein Krallenverlust nach Unfall oder ein Riss bis ins Krallenbett ebenfalls.

Das Kürzen ist in der Praxis ein kleiner Posten. Die Gebührenordnung für Tierärzte 2022 führt das Krallenkürzen mit 10,26 Euro im einfachen Satz, berechnet werden darf bis zum Dreifachen, also bis 30,78 Euro. Dazu kommt meist die allgemeine Untersuchung mit Beratung, 23,62 bis 70,86 Euro. Manche Praxen bieten das Kürzen als Termin bei der Tiermedizinischen Fachangestellten an, das ist günstiger.

Krallen entfernen ist verboten

In manchen Ländern werden Katzen die Krallen samt letztem Zehenglied amputiert, damit sie Möbel schonen. In Deutschland ist das verboten. § 6 Absatz 1 Tierschutzgesetz untersagt das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltiers. Erlaubt ist ein Eingriff nur, wenn er im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist, etwa bei einem Tumor an der Zehe. Der Wunsch nach heilem Sofa ist keine Indikation.

Auch Krallenkappen aus weichem Kunststoff, die auf die gekürzten Krallen geklebt werden, stuft die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz in ihrem Merkblatt Nr. 200 vom April 2026 als tierschutzwidriges Zubehör ein. Die Katze findet damit beim Klettern und Landen keinen Halt mehr, kann abstürzen und abgezogene Kappen verschlucken. Ein zweiter Kratzbaum an der richtigen Stelle löst das Möbelproblem meist besser.

Häufige Fragen

Muss ich meiner Katze die Krallen schneiden?

Meist nicht. Freigänger und Wohnungskatzen mit guten Kratzmöglichkeiten pflegen ihre Krallen selbst. Nötig wird es bei Senioren, eingewachsenen Krallen und Katzen, die sich verletzen.

Wie oft muss ich schneiden?

Alle vier bis acht Wochen, je nach Wachstum. Schau dir die Krallen jede Woche kurz an, dann siehst du den richtigen Zeitpunkt.

Welche Krallen schneide ich?

Vor allem die zehn Vorderkrallen inklusive der Daumenkrallen. Die acht Hinterkrallen nutzen sich beim Laufen ab und bleiben meist unangetastet.

Was mache ich bei dunklen Krallen?

Nur die dünne, gebogene Spitze abnehmen. Wird die Schnittfläche in der Mitte dunkel und feucht, sofort aufhören.

Darf ich eine Nagelschere für Menschen nehmen?

Besser nicht. Sie quetscht die Kralle seitlich und lässt sie splittern. Eine Krallenzange für Katzen schneidet sauber.

Kann ich die Krallen dauerhaft entfernen lassen?

Nein. Die Amputation ist nach § 6 Tierschutzgesetz verboten. Ausnahmen gibt es nur bei tierärztlicher Indikation im Einzelfall.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


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