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Kurzantwort: Frisst deine Katze Katzenstreu, lass sie beim Tierarzt untersuchen. Bei erwachsenen Katzen ist das Fressen von Streu ein typisches Zeichen für Blutarmut, außerdem kommen Nierenerkrankungen, Nährstoffmangel, Parasiten und Stress infrage. Kätzchen probieren Streu oft aus Neugier. Bis die Ursache geklärt ist, tauschst du Klumpstreu gegen nicht klumpende Streu, weil quellende Klumpen im Darm einen Verschluss auslösen können.
Du hörst das Knirschen aus dem Katzenklo, und statt zu scharren, kaut die Katze. Oder du findest Streukörner im Erbrochenen. Das Verhalten wirkt absurd, ist aber gut beschrieben: Tierärzte zählen es zum Pica-Syndrom, dem Fressen von Dingen ohne Nährwert.
Bei Katzen ist Pica meist ein Symptom und selten eine Marotte. Das Fressen von Streu oder das Lecken an Beton und Steinen gilt als Hinweis auf Blutarmut. Genauso können Verdauungsprobleme, Wurmbefall und chronische Mangelernährung dahinterstecken.
Hier liest du, welche Ursachen infrage kommen, warum vor allem Klumpstreu gefährlich ist, was der Tierarzt prüft und wie du deiner Katze das Verhalten abgewöhnst.
Bei Kitten: Neugier und Zahnen
Kätzchen erkunden die Welt mit dem Maul. Streu ist neu, riecht interessant und knirscht schön. Dazu kommt das Zahnen zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat, in dem Kitten auf allem herumkauen. Die meisten hören von selbst wieder auf.
Trotzdem lohnt Vorsicht. Für Kitten unter vier bis sechs Monaten empfehlen viele Tierärzte nicht klumpende Streu aus Holz, Papier oder Mais. Bentonit-Klumpstreu quillt bei Kontakt mit Flüssigkeit stark auf. Im Magen eines Kätzchens, das eine Pfote voll davon geschluckt hat, kann sie verklumpen. Silikatstreu ist scharfkantig und reizt Maul und Darm.
Frisst ein Kitten größere Mengen, zeigt Bauchschmerzen, erbricht oder setzt keinen Kot mehr ab, fährst du in die Praxis.
Bei erwachsenen Katzen: Blutarmut als häufigste Ursache
Wenn eine erwachsene Katze plötzlich Streu frisst, denken Tierärzte zuerst an Anämie. Der Körper hat zu wenig rote Blutkörperchen oder zu wenig Eisen und versucht, sich mineralhaltiges Material zu holen. Bei Menschen ist das Verhalten bei ausgeprägtem Eisenmangel ebenfalls beschrieben.
Anämie bei Katzen hat viele Auslöser: chronische Nierenerkrankung, bei der die Niere zu wenig vom Hormon Erythropoetin bildet; Infektionen mit dem Felinen Leukämievirus oder mit Blutparasiten wie Mycoplasma haemofelis; starker Flohbefall, der bei Kitten regelrecht Blut abzapft; innere Blutungen; Tumoren. Weitere Anzeichen sind blasses Zahnfleisch, schnelle Atmung, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
Ein Blutbild klärt das innerhalb eines Tages. Ist die Katze anämisch, wird die Ursache behandelt, und das Streufressen hört in der Regel von selbst auf.
Weitere Ursachen
Magen-Darm-Erkrankungen. Chronische Darmentzündungen, Bauchspeicheldrüsenprobleme und Übelkeit führen dazu, dass Katzen ungewöhnliche Dinge fressen. Ein starker Wurmbefall zählt ebenfalls dazu.
Mangelernährung. Selbst zusammengestellte Rationen ohne Mineralstoffergänzung, veganes oder vegetarisches Futter und ständiges Fressen von Hundefutter können langfristig zu Mangel führen. Katzen brauchen Taurin, Arachidonsäure und Vitamin A aus tierischen Quellen.
Stress und Langeweile. Wohnungskatzen ohne Beschäftigung, Katzen in Konflikt mit Artgenossen oder nach einem Umzug entwickeln Zwangsverhalten. Das Kauen setzt Botenstoffe frei, die beruhigen, und wird zur Gewohnheit. Orientalische Rassen wie Siam, Burma und Tonkinesen neigen erblich zu Pica, dort betrifft es meist Wolle und Stoff.
Zahnschmerzen. Manche Katzen kauen auf harten Dingen, um Schmerzen im Maul zu überlagern.
Warum Klumpstreu gefährlich ist
Klumpstreu aus Bentonit bindet Flüssigkeit und dehnt sich dabei aus. Genau das macht sie im Darm gefährlich. Größere Mengen können mit Kot und Haaren zu einem festen Ballen werden, der den Darm verlegt. Ein Darmverschluss ist ein Notfall und wird operiert.
Warnzeichen für einen Verschluss: wiederholtes Erbrechen, Durchfall oder gar kein Kot, harter Bauch, Unruhe oder Apathie, keine Futteraufnahme. Bei diesen Zeichen gehört die Katze sofort in die Praxis.
Bis die Ursache geklärt ist, stellst du auf nicht klumpende Streu um. Pflanzliche Sorten aus Holzfasern, Stroh oder Papier lösen sich im Darm auf und sind weniger riskant. Duftstoffe lässt du weg, sie machen Streu für manche Katzen erst attraktiv.
So gehst du vor
Erster Schritt ist der Tierarzt. Er untersucht Zahnfleischfarbe, Maul und Bauch, macht ein Blutbild mit Eisenwerten und Nierenwerten, testet auf FeLV und schaut sich eine Kotprobe an. Beschreib genau, seit wann die Katze Streu frisst, wie viel, welche Sorte und was sich sonst verändert hat.
Findet der Tierarzt eine Ursache, wird sie behandelt. Findet er keine, geht es um Verhalten. Dann helfen mehr Spiel, Futterbälle und Kletterangebote, feste Fütterungszeiten mit mehreren kleinen Mahlzeiten und ein Klo an einem ruhigen Ort. Ein Haubenklo oder ein Gitter über der Streu erschwert das Fressen, ohne die Katze vom Klo abzuhalten. Sperren solltest du das Klo nie, sonst wird die Katze unsauber.
Bleibt das Verhalten hartnäckig, hilft eine tierärztliche Verhaltensberatung. In einzelnen Fällen werden Medikamente gegen Zwangsverhalten eingesetzt.
Häufige Fragen
Ist es normal, dass mein Kitten Streu frisst?
Ein paar Körner aus Neugier sind normal. Regelmäßiges Fressen oder größere Mengen sind es nicht. Nutze bis zum sechsten Monat nicht klumpende Streu und lass die Blutwerte prüfen, wenn es nicht aufhört.
Welche Streu ist am sichersten?
Nicht klumpende, unparfümierte Streu aus Holz, Papier oder Stroh. Sie quillt nicht und passiert den Darm meist ohne Probleme.
Kann Streu im Magen von allein wieder rauskommen?
Kleine Mengen ja, über Kot oder Erbrechen. Bei Bauchschmerzen, Erbrechen oder ausbleibendem Kot lässt du den Bauch abtasten und röntgen.
Frisst meine Katze Streu, weil ihr Nährstoffe fehlen?
Möglich, vor allem bei selbst gemischtem Futter oder Diäten ohne Fleisch. Ein vollständiges Alleinfutter deckt den Bedarf, das Blutbild zeigt einen Mangel.
Hilft es, das Klo häufiger zu reinigen?
Für die Hygiene ja, gegen das Fressen kaum. Entscheidend ist die Ursache. Ein Gitter über der Streu oder ein Haubenklo erschwert den Zugriff.
Kann Streufressen ein Zeichen für Nierenprobleme sein?
Ja, weil chronische Nierenerkrankungen zu Blutarmut führen. Ältere Katzen, die zusätzlich viel trinken und abnehmen, sollten Nierenwerte prüfen lassen.
Quellen
- International Cat Care: Pica in cats
- Pica-Syndrom — Wikipedia
- Chronische Nierenerkrankung der Katze — Wikipedia
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







