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Kurzantwort: Eine hypoallergene Katzenrasse gibt es nicht. Das Hauptallergen Fel d 1 entsteht in Talg-, Speichel- und Analdrüsen und wird von jeder Katze gebildet, unabhängig von Fell und Rasse. Eine Messreihe an 64 Kurzhaarkatzen derselben Rasse ergab Jahresmittelwerte zwischen 0,4 und 35 Mikrogramm je Milliliter Speichel. Der Unterschied liegt beim einzelnen Tier, nicht bei der Rasse.
Rund 95 Prozent aller Katzenallergiker reagieren auf Fel d 1, ein Glykoprotein aus der Secretoglobin-Familie. Sieben weitere Katzenallergene sind beschrieben, von Fel d 2 bis Fel d 8. Keines davon erreicht dieselbe Bedeutung.
Der Ruf einzelner Rassen hält sich trotzdem hartnäckig. Er treibt die Preise für Kitten nach oben und endet häufig im Tierheim, sobald die Beschwerden nach einigen Wochen zurückkommen.
Was die Allergie auslöst
Fel d 1 entsteht in den Talgdrüsen der Haut, in den Speichel- und Tränendrüsen im Gesichtsbereich und in den Analbeuteln. Beim Putzen verteilt die Katze das Protein über das gesamte Fell. Von dort gelangt es an Hautschuppen gebunden in die Raumluft und haftet an Textilien und Polstern.

Die Gesamtmenge auf einer einzelnen Katze wurde mit 3 bis 142 Milligramm gemessen, im Mittel 67 Milligramm. Nur ein winziger Bruchteil davon wird pro Stunde luftgetragen, und genau dieser Bruchteil genügt für Beschwerden.
Die biologische Funktion des Proteins ist bis heute ungeklärt. Fel d 1 bindet Steroide und Fettsäuren, was für eine Rolle in der chemischen Kommunikation zwischen Katzen spricht.
Warum keine Rasse hypoallergen ist
Das Europäische Zentrum für Allergieforschung formuliert es unmissverständlich: Die Erschaffung einer hypoallergenen Katze, die weitgehend frei von Fel d 1 ist, wurde bisher nicht erreicht.
Eine Messreihe an 26 Hauskatzen untersuchte Fell, Speichel und Urin. Alter, Geschlecht, Rasse und Kastrationsstatus erklärten die gefundenen Unterschiede nicht. Kurzhaarkatzen lagen im Mittel sogar höher als Langhaarkatzen, mit 26,09 gegenüber 16,88 Mikrogramm je Gramm Fell.
Eine zweite Untersuchung verfolgte 64 kastrierte Kurzhaarkatzen ein Jahr lang mit zweimal täglichen Speichelproben. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Tier lagen fast zwei Größenordnungen — innerhalb einer einzigen Rasse. Die Autoren schließen daraus, dass Katzen mit dauerhaft niedrigen Werten über Speichelproben zu finden sind, nicht über ihr Aussehen.
Die Rassen, die immer genannt werden
Sibirer, Balinese, Russisch Blau, Bengal und Britisch Kurzhaar stehen in fast jeder Empfehlungsliste. Für keine dieser Rassen existiert eine kontrollierte Studie, die einen niedrigeren Fel-d-1-Ausstoß gegenüber anderen Rassen belegt.
Beim Sibirer gibt es immerhin eine genetische Spur. Eine Arbeitsgruppe verglich die beiden Fel-d-1-Gene von vier Sibirern mit denen von 35 anderen Katzen und fand 13 Mutationen im ersten und acht im zweiten Gen, die nur bei Sibirern auftraten. Das Tier mit zwei Aminosäureaustauschen hatte den niedrigsten Speichelwert der Gruppe, 0,48 gegenüber 1,66 und 2,19 Mikrogramm je Milliliter.
Die Autoren empfehlen ausdrücklich weitere Untersuchungen und behaupten nirgends, Sibirer seien hypoallergen. Vier Tiere tragen keine Kaufentscheidung.
Nacktkatzen lösen das Problem nicht

Weil Fel d 1 nicht im Haar entsteht, ändert Haarlosigkeit an der Produktion nichts. Die Sphynx bildet das Allergen in Talg- und Speicheldrüsen wie jede andere Katze und verteilt es beim Putzen auf der Haut. Das Allergieforschungszentrum hält fest, dass auch Nacktkatzen ihr Umfeld über den Speichel ausreichend belasten.
Dazu kommt ein tierschutzrechtliches Problem. Das Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b Tierschutzgesetz bewertet fehlende Tasthaare als Körperschaden, der die Katze in ihrer Fähigkeit zu arttypischem Verhalten einschränkt, und empfiehlt ein Zuchtverbot für Katzen ohne Tasthaare. Betroffen sind neben der Sphynx auch Devon Rex und Cornish Rex. Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte 2015 in einem Einzelfall die Einstufung einer Sphynx-Zucht als Qualzucht.
Was am einzelnen Tier zählt
Der einzige belegte und bezifferte Hebel am Tier ist die Kastration des Katers. Eine Untersuchung an 221 Katzen fand bei unkastrierten Katern im geometrischen Mittel 5,46 Einheiten Fel d 1 je Gramm Fell, bei kastrierten 1,28. Mehr als 70 Prozent der unkastrierten Kater lagen im höchsten Viertel aller Messwerte, keine einzige unkastrierte Kätzin.
Zwischen Kätzinnen und kastrierten Katern fand dieselbe Untersuchung keinen Unterschied. Auch kastrierte Tiere bilden weiterhin genug Fel d 1, um Beschwerden auszulösen.
Vor der Anschaffung
Sinnvoll ist diese Reihenfolge: zuerst der Allergietest beim Arzt, dann mehrere längere Aufenthalte bei genau der Katze, um die es geht. Ein kurzer Besuch beim Züchter sagt wenig, weil Beschwerden oft erst nach Stunden einsetzen.
Wer bereits mit einer Katze lebt, kann an drei Punkten ansetzen: das Schlafzimmer katzenfrei halten, glatte Böden statt Teppich wählen und ein Futter mit Antikörpern aus Hühnereigelb einsetzen. Dieses Futter senkte in der Herstellerstudie das aktive Fel d 1 auf dem Fell nach zehn Wochen im Mittel um 47 Prozent, mit einer Spanne von 33 bis 71 Prozent.
Häufige Fragen
Gibt es eine allergikerfreundliche Katze?
Keine Rasse ist als allergikerfreundlich belegt. Einzelne Tiere produzieren dauerhaft wenig Fel d 1, erkennbar nur über Speichelproben.
Sind Nacktkatzen besser für Allergiker?
Nein. Das Allergen entsteht in Drüsen, das Fell ist nur der Transportweg.
Hilft es, die Katze zu waschen?
Wöchentliches Waschen senkte die luftgetragene Allergenmenge in einer Messreihe um 44 Prozent. Der Effekt hielt keine Woche an.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland waren 7,0 Prozent der 18- bis 79-Jährigen gegen Katzenepithelien sensibilisiert. Eine Sensibilisierung bedeutet nachweisbares IgE, noch keine Beschwerden.
Was sagt Fel d 4 aus?
Fel d 4 ist ein Lipocalin und das zweitwichtigste Katzenallergen. Wer nur darauf reagiert, hat andere Voraussetzungen als jemand mit Fel-d-1-Sensibilisierung. Das klärt eine Komponentendiagnostik.
Quellen
- Europäisches Zentrum für Allergieforschung: Aktuelles zum Management der Katzenallergie
- Bienboire-Frosini u. a.: Cats and Fel d 1, International Journal of Molecular Sciences
- Bastien, Gardner, Satyaraj: Fel d 1 im Speichel über ein Jahr, Journal of Feline Medicine and Surgery
- Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht: Gutachten zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Allergiker und Katzenrassen: Sechs Rassen im Faktencheck
- Katzenrassen im Überblick: Fell, Wesen und Ansprüche
- Schöne Katzenrassen: Was auf Ausstellungen bewertet wird
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







