Frau hält ihre Katze nah am Gesicht

Katzenschnupfen bei Menschen: Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Kurzantwort: Katzenschnupfen wird meist durch Herpes- und Calicivirus ausgelöst, beide sind katzenspezifisch und springen nicht auf Menschen über. Eine Ausnahme bildet das Bakterium Chlamydophila felis, für das seit 1969 vereinzelte, wissenschaftlich dokumentierte Fälle beim Menschen vorliegen, meist als milde Bindehautentzündung bei sehr engem Kontakt. Auch Bordetella bronchiseptica kann in seltenen Fällen übertragen werden, vor allem bei geschwächtem Immunsystem. Für gesunde Erwachsene gilt das Risiko als vernachlässigbar gering.

Wer eine niesende, schnupfende Katze knuddelt, fragt sich schnell: Kann ich mich anstecken? Die Antwort hängt vom jeweiligen Erreger ab, nicht vom Krankheitsbild insgesamt.

Dieser Artikel ordnet ein, welche Katzenschnupfen-Erreger für Menschen tatsächlich relevant sind.

Die häufigsten Erreger sind katzenspezifisch

Katzenschnupfen wird laut Wikipedia am häufigsten durch Chlamydophila felis, das feline Calicivirus und das feline Herpesvirus 1 ausgelöst. Herpes- und Calicivirus sind hochgradig an die Katze als Wirt angepasst und infizieren Menschen nicht. Wer sich vor einer Ansteckung mit den eigentlichen Kernerregern des Katzenschnupfens fürchtet, kann in dieser Hinsicht beruhigt sein.

Die Ausnahme: Chlamydophila felis

Anders sieht es bei Chlamydophila felis aus. Bereits 1969 dokumentierte ein Fallbericht, dass ein Katzenhalter nach engem Kontakt mit seiner infizierten Katze an einer follikulären Bindehautentzündung erkrankte, der Erreger sowie passende Antikörper ließen sich sowohl beim Patienten als auch bei den betroffenen Katzen im Haushalt nachweisen. Ein weiterer publizierter Fall betraf eine chronische Bindehautentzündung bei einem HIV-positiven Patienten nach der Adoption eines erkrankten Katzenwelpen. Das europäische veterinärmedizinische Fachgremium ABCD stuft das zoonotische Risiko dennoch insgesamt als vernachlässigbar ein, weil nur sehr wenige Fälle über Jahrzehnte dokumentiert sind.

Bordetella bronchiseptica als zweite Ausnahme

Auch das Bakterium Bordetella bronchiseptica, das an Katzenschnupfen beteiligt sein kann, ist in seltenen Fällen auf Menschen übertragbar, vor allem auf immungeschwächte Personen oder kleine Kinder mit sehr engem Kontakt zu einer infizierten Katze. Für gesunde Erwachsene gilt auch hier das Risiko als sehr gering.

Warum Fachverbände beide Erreger trotzdem im Blick behalten

Auch wenn dokumentierte Fälle selten sind, führen veterinärmedizinische Fachgremien wie das European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) eigene Merkblätter zu Chlamydien-Infektionen bei Katzen und deren möglicher Übertragung auf den Menschen. Solche Merkblätter richten sich in erster Linie an Tierarztpraxen, damit diese Halter mit erhöhtem persönlichem Risiko, etwa durch eine Immunschwäche im Haushalt, gezielt beraten können, statt pauschale Entwarnung oder pauschale Angst zu verbreiten.

Wer stärker gefährdet ist

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie, eine HIV-Infektion oder andere immunsupprimierende Erkrankungen, sowie kleine Kinder tragen ein etwas höheres Risiko für die seltenen Übertragungsfälle. Bei ihnen äußert sich eine Infektion meist als milde Bindehautentzündung, seltener als leichtes grippeähnliches Krankheitsgefühl, schwere Verläufe sind nicht dokumentiert.

Was Hygiene tatsächlich bewirkt

Weil eine Übertragung von Chlamydophila felis auf den Menschen nicht abschließend geklärt ist, empfiehlt sich bei einer erkennbar erkrankten Katze grundsätzlich gute Handhygiene nach dem Kontakt, besonders vor dem Berühren der eigenen Augen. Das reduziert das ohnehin geringe Risiko weiter, ohne den Umgang mit der kranken Katze grundlegend einzuschränken. Eine Behandlung beim Menschen erfolgt im dokumentierten Fall von 1969 erfolgreich mit dem Antibiotikum Doxycyclin.

Was Schwangere und kleine Kinder beachten sollten

Für Schwangere ist bei Katzen meist die Sorge um Toxoplasmose präsent, eine völlig andere Erkrankung, die nichts mit Katzenschnupfen zu tun hat und über den Kot statt über die Atemwege übertragen wird. In Bezug auf Katzenschnupfen besteht für Schwangere kein bekanntes erhöhtes Risiko gegenüber anderen gesunden Erwachsenen. Kleine Kinder, die sehr engen Kontakt mit einer erkennbar erkrankten Katze haben, etwa durch Küssen oder häufiges Gesicht-an-Gesicht-Kuscheln, sollten vorsichtshalber etwas Abstand halten, bis die Katze symptomfrei ist.

Warum die Verwechslung mit einer menschlichen Erkältung häufig ist

Der Name Katzenschnupfen führt oft zu der Annahme, es handle sich um dieselbe Erkältung wie beim Menschen, nur bei der Katze. Tatsächlich sind die auslösenden Viren komplett unterschiedliche Erregerfamilien: Menschliche Erkältungsviren infizieren keine Katzen, katzentypische Herpes- und Caliciviren keine Menschen. Die Ähnlichkeit beschränkt sich auf ähnliche Symptome wie Niesen und Nasenausfluss, nicht auf gemeinsame Erreger.

Was bei einer eigenen Erkältung für die Katze gilt

Umgekehrt gilt dasselbe Prinzip: Wer selbst erkältet ist, steckt seine Katze in aller Regel nicht mit den eigenen Erkältungsviren an, weil auch menschliche Erkältungsviren an den Menschen als Wirt angepasst sind. Die enge Verwandtschaft der beiden Krankheitsbilder besteht nur im Namen und im äußeren Erscheinungsbild, nicht in einer gemeinsamen Ansteckungsgefahr in beide Richtungen. Trotzdem spricht nichts dagegen, bei eigener Erkältung besonders gründlich Hände zu waschen, schon um andere Familienmitglieder zu schützen.

Wann trotzdem ärztlicher Rat sinnvoll ist

Wer nach engem Kontakt mit einer erkennbar erkrankten Katze selbst eine ungewöhnliche Augenrötung, anhaltende Bindehautentzündung oder unklare grippeähnliche Symptome entwickelt, sollte das bei einem Arztbesuch erwähnen, besonders bei einem geschwächten Immunsystem. Eine Chlamydien-Infektion lässt sich mit Antibiotika gut behandeln, eine frühzeitige Diagnose verkürzt den Krankheitsverlauf. Für die weit überwiegende Mehrheit der Katzenschnupfen-Fälle bleibt eine Übertragung auf Menschen aber ein theoretisches, kein praktisches Risiko.

Warum die Impfung der Katze wichtiger bleibt als die Sorge um sich selbst

Die sinnvolle Vorsorge gegen Katzenschnupfen richtet sich nicht gegen ein Risiko für den Menschen, das nach aktuellem Kenntnisstand verschwindend gering ist, sondern gegen das tatsächliche Risiko für die Katze selbst und für andere Katzen im Umfeld. Die Core-Impfung gegen Herpes- und Calicivirus bleibt deshalb die wirksamste Maßnahme, unabhängig von der Frage der Übertragbarkeit auf Menschen. Ein durchgängig aktueller Impfschutz senkt zudem die Menge an Erreger, die eine erkrankte Katze insgesamt ausscheidet, und verringert damit indirekt auch das ohnehin geringe Risiko für die seltenen bakteriellen Ausnahmefälle.

Wie sich unnötige Sorge vermeiden lässt

Ein niesendes, verschnupftes Kitten aus der Wohnung zu verbannen oder auf engen Kontakt zu verzichten, ist angesichts der Studienlage nicht notwendig und schadet vor allem der Bindung zwischen Mensch und Tier, ohne einen nennenswerten Schutzgewinn. Sinnvoller ist es, die Katze wie gewohnt zu pflegen, dabei auf Handhygiene zu achten und bei anhaltenden eigenen Beschwerden ärztlichen statt tierärztlichen Rat einzuholen.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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