Cat Be Tamed

Katze im Islam: Bedeutung, Hadithe und was belegt ist

Kurzantwort: Die Katze gilt im Islam als rituell reines Tier. Sie darf Wohnhäuser und Moscheen betreten, und Wasser, aus dem sie getrunken hat, bleibt für die rituelle Waschung brauchbar. Überliefert ist außerdem eine Warnung: Eine Frau kam ins Höllenfeuer, weil sie eine Katze einsperrte und verhungern ließ. Die populäre Geschichte von Muezza, dem Kater des Propheten, steht dagegen in keiner geprüften Hadith-Sammlung.

Kaum ein Tier hat in der islamischen Überlieferung so viel Platz wie die Katze. Wer in Istanbul, Kairo oder Marrakesch unterwegs ist, sieht sie in Innenhöfen von Moscheen liegen, ungestört.

Das hat einen konkreten Grund im religiösen Recht. Die Frage, welche Tiere die rituelle Reinheit stören, entscheidet im Alltag darüber, wer ins Haus darf und wer draußen bleibt.

Hier steht, was in den Quellen belegt ist, wo die Überlieferung endet und wo die Legende anfängt.

Katze im Islam: Bedeutung der rituellen Reinheit

Die Katze zählt zu den Tieren, die als tahir gelten, also als rituell rein. Ihr Speichel macht Wasser nicht unbrauchbar. Ein Muslim kann die Gebetswaschung mit Wasser vollziehen, aus dem vorher eine Katze getrunken hat.

Diese Einordnung hat praktische Folgen. Die Katze darf im Haus leben, sie darf in die Moschee, sie darf sich auf den Gebetsteppich legen. Kleidung, an der Katzenhaare hängen, gilt weiter als sauber genug für das Gebet.

Begründet wird das in der Überlieferung damit, dass die Katze zu den Tieren gehört, die ständig um die Menschen herum sind. Ein Tier, das im Haushalt lebt, kann kaum jedes Gebet unmöglich machen.

Die Rechtsschulen begründen das unterschiedlich, kommen aber zum selben Ergebnis. Die Katze bleibt im Haus, weil sich das Zusammenleben mit ihr sonst nicht führen ließe.

Was die Hadithe über Katzen sagen

Der bekannteste Text zum Thema ist eine Warnung. Überliefert ist, dass eine Frau bestraft wurde, weil sie eine Katze eingesperrt hielt, ihr weder Futter gab noch sie freiließ, damit sie sich selbst versorgen konnte. Der Text nennt das als Grund für ihre Verdammnis.

Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Der Umgang mit einem einzigen Haustier wird darin zum Maßstab für den Glauben eines Menschen.

Ein zweiter Strang der Überlieferung dreht sich um Abu Huraira, einen der Gefährten des Propheten und den Überlieferer der meisten Hadithe. Sein Beiname bedeutet sinngemäß „Vater des Kätzchens“. Er soll ständig eine Katze bei sich getragen haben.

Muezza: die Geschichte, die nirgends steht

In unzähligen Erzählungen heißt es, der Prophet habe einen Kater namens Muezza gehabt. Als das Tier auf seinem Ärmel eingeschlafen sei, habe er den Ärmel abgeschnitten, statt die Katze zu wecken.

Die Geschichte ist schön. Belegt ist sie nicht. In keiner der geprüften Hadith-Sammlungen taucht ein Kater dieses Namens auf, der dem Propheten gehört hätte.

Dasselbe gilt für die Erklärung, das M-Muster auf der Stirn getigerter Katzen stamme von der streichelnden Hand des Propheten. Das ist Volkserzählung. Die Zeichnung entsteht durch das Fellmuster der Tabby-Zeichnung und findet sich auch bei Wildkatzen.

Katze Bedeutung spirituell: was daraus gemacht wird

Aus der religiösen Wertschätzung ist im Lauf der Jahrhunderte eine breite Symbolik geworden. Die Katze steht dort für Reinheit, für Wachsamkeit und für eine Nähe zum Haus, die keine Unterwerfung verlangt.

In der Geschichte des Nahen Ostens gab es dafür auch handfeste Einrichtungen. Der Mamlukensultan Baibars stiftete im 13. Jahrhundert in Kairo einen Garten, aus dessen Erträgen streunende Katzen gefüttert werden sollten.

Wer heute nach spiritueller Bedeutung sucht, landet meist bei Deutungen aus Esoterik-Ratgebern. Für die gibt es keine Quelle in den religiösen Texten. Sie sind Zuschreibung, keine Lehre.

Katze Bedeutung psychologie: was Forschung zeigt

Psychologisch untersucht ist weniger die Katze als der Mensch, der sich für sie entscheidet. Eine Erhebung von Samuel Gosling und Kollegen mit 4.565 Teilnehmenden verglich Menschen, die sich selbst als „Hundemensch“ oder „Katzenmensch“ bezeichnen.

Katzenmenschen erreichten darin höhere Werte bei Offenheit für Erfahrungen und beim Neurotizismus, Hundemenschen höhere bei Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Die Unterschiede sind messbar, aber klein.

Für einen einzelnen Menschen sagt das wenig. Wer eine Katze mag, hat deshalb keinen bestimmten Charakter. Die Zahlen beschreiben Durchschnitte über Tausende Personen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Halterinnen und Halter selbst. Wer regelmäßig für ein Tier sorgt, hat einen festen Tagesablauf und einen Grund, nach Hause zu kommen. Das ist gut untersucht und hat mit Religion nichts zu tun.

Katzen im islamischen Alltag heute

In vielen Moscheen sind Katzen bis heute geduldet. In der Türkei gehören gefütterte Straßenkatzen zum Stadtbild, und Gemeinden stellen Futter- und Wasserstellen auf.

Für Hunde gilt in Teilen der Rechtsschulen eine strengere Regel, vor allem beim Speichel. Deshalb fällt der Unterschied im Alltag so auf: Die Katze sitzt im Innenhof, der Hund bleibt draußen.

Wer eine Katze aufnimmt, übernimmt nach dieser Überlieferung eine Pflicht. Futter, Wasser und Bewegungsfreiheit sind darin keine Freundlichkeit, sondern Bedingung.

Historisch hatte diese Rolle auch einen praktischen Kern. Katzen hielten Vorräte in Moscheen, Basaren und Bibliotheken frei von Mäusen. Ein Tier, das Getreide schützt, wird selten vertrieben.

Häufige Fragen

Sind Katzen im Islam erlaubt?

Ja. Sie gelten als rituell rein und dürfen in Wohnung und Moschee.

Macht eine Katze die Gebetswaschung ungültig?

Nein. Nach der verbreiteten Auffassung ist ihr Speichel rein, Wasser aus ihrem Napf bleibt nutzbar.

Hatte der Prophet wirklich einen Kater namens Muezza?

Dafür gibt es keinen Beleg in den geprüften Hadith-Sammlungen. Die Erzählung gilt als spätere Legende.

Woher kommt das M auf der Stirn getigerter Katzen?

Es gehört zur Tabby-Fellzeichnung und tritt auch bei wildlebenden Katzen auf.

Was bedeutet der Name Abu Huraira?

Er bedeutet sinngemäß „Vater des Kätzchens“ und geht auf seine Vorliebe für Katzen zurück.

Darf man eine Katze im Islam verkaufen oder aussetzen?

Das Aussetzen widerspricht der zitierten Überlieferung zur Fürsorgepflicht klar. Zum Verkauf gehen die Rechtsschulen auseinander.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.


Nach oben scrollen