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Kurzantwort: Gelbsucht (Ikterus) bei der Katze zeigt sich durch eine gelbliche Verfärbung von Zahnfleisch, Lederhaut der Augen und bei starker Ausprägung auch der Haut. Ursache ist ein erhöhter Bilirubinspiegel im Blut, ausgelöst meist durch eine Lebererkrankung wie die hepatische Lipidose, durch eine Gallengangserkrankung, durch starken roten Blutzellabbau oder durch eine Verstopfung der Gallenwege. Gelbsucht ist selbst keine eigenständige Krankheit, sondern ein Warnzeichen, das immer eine sofortige tierärztliche Abklärung verlangt, weil die zugrunde liegende Erkrankung unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen kann.
Eine gelbe Verfärbung an Katzen fällt oft erst auf, wenn sie schon deutlich ausgeprägt ist, weil das dichte Fell die Haut verdeckt und viele Halter zuerst gar nicht genau hinschauen. Am Zahnfleisch und an der Lederhaut der Augen lässt sich die Gelbfärbung dagegen meist früh erkennen.
Dieser Artikel erklärt, wie Gelbsucht entsteht, welche Erkrankungen am häufigsten dahinterstecken und woran sich eine beginnende Gelbsucht rechtzeitig erkennen lässt.
Was Gelbsucht bei der Katze bedeutet
Ikterus entsteht, wenn der gelbe Blutfarbstoff Bilirubin sich im Gewebe ablagert, statt regulär über die Leber und die Galle ausgeschieden zu werden. Bilirubin fällt beim natürlichen Abbau alter roter Blutkörperchen an und wird normalerweise in der Leber verarbeitet und über die Gallenflüssigkeit in den Darm abgegeben. Steigt der Bilirubinspiegel im Blut deutlich an, lagert sich der Farbstoff in Schleimhäuten und Haut ab und färbt sie gelblich. Je nach Ursache unterscheiden Tierärzte zwischen prähepatischem Ikterus, der vor der Leber entsteht, hepatischem Ikterus, der auf eine gestörte Leberfunktion selbst zurückgeht, und posthepatischem Ikterus, bei dem die Galle nach der Leber nicht mehr abfließen kann. Diese Einteilung hilft dabei, die Ursachensuche gezielt einzugrenzen.
Wo sich Gelbsucht zuerst zeigt
Bei einer leichten Gelbsucht verfärben sich zunächst der Gaumen und die Lederhaut der Augen (Sklera) gelblich, während bei ausgeprägteren Formen zusätzlich die sichtbaren Schleimhäute, die äußere Haut und die Regenbogenhaut betroffen sein können. Bei hellhäutigen oder wenig behaarten Stellen wie den Innenseiten der Ohren fällt eine beginnende Gelbfärbung am ehesten auf, weil dort weniger Fell den Blick auf die Haut verdeckt. Auch der Urin kann sich bei stärkerem Ikterus dunkler, bräunlich-orange verfärben, weil überschüssiges Bilirubin über die Nieren ausgeschieden wird, ein Zeichen, das manchen Haltern vor der sichtbaren Gelbfärbung an Fell und Augen auffällt.
Hepatische Lipidose: die häufigste akute Ursache
Die hepatische Lipidose gilt als die akut lebensbedrohlichste Lebererkrankung der Katze und betrifft vor allem übergewichtige Tiere, die aus irgendeinem Grund plötzlich aufhören zu fressen, etwa wegen Stress, eines Umzugs, einer anderen Erkrankung oder einer abrupten Futterumstellung. Gerät die Katze in eine Hungerphase, mobilisiert der Körper Fettreserven und leitet sie zur Verarbeitung in die Leber. Bei Katzen funktioniert dieser Prozess weniger effizient als bei Hund oder Mensch: Das Fett lagert sich in den Leberzellen ein, statt vollständig verstoffwechselt zu werden, und die Leberfunktion bricht ein. Typische Begleitzeichen sind Appetitverlust über mehrere Tage, Gewichtsverlust, Erbrechen, Speicheln und Apathie. Ohne ausreichende Ernährung, notfalls über eine Magensonde, kann sich der Zustand innerhalb weniger Tage weiter verschlechtern, weshalb diese Form der Gelbsucht zu den dringlichsten zählt.

Gallenwegserkrankungen und Cholangitis
Eine Entzündung der Gallenwege (Cholangitis) oder eine Verstopfung des Gallengangs, etwa durch Gallensteine, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Tumoren, kann den Abfluss der Galle behindern und so ebenfalls zu Gelbsucht führen. Bei Katzen tritt eine Cholangitis häufig zusammen mit einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und einer Darmentzündung auf, ein Zusammenspiel, das in der Tiermedizin als feline Triaditis bezeichnet wird. Weil sich die drei Organe anatomisch nahe beieinander befinden und über gemeinsame Gänge verbunden sind, kann eine Entzündung an einer Stelle leicht auf die benachbarten Organe übergreifen.
Hämolyse: wenn zu viele rote Blutkörperchen zerfallen
Zerfallen rote Blutkörperchen schneller, als die Leber das anfallende Bilirubin verarbeiten kann, spricht man von einer hämolytischen Gelbsucht. Auslöser können eine immunvermittelte hämolytische Anämie, Infektionen mit Blutparasiten wie Mycoplasma haemofelis oder in seltenen Fällen auch bestimmte Gifte sein. Betroffene Katzen wirken meist zusätzlich blass an den Schleimhäuten, bevor sich die Gelbfärbung einstellt, und sind häufig auffallend schwach und schlapp. Eine solche Anämie lässt sich über ein einfaches Blutbild nachweisen, das neben der Zahl der roten Blutkörperchen auch Hinweise auf die Ursache des vermehrten Zellabbaus liefern kann.
Infektionskrankheiten als Auslöser
Auch Viruserkrankungen wie FeLV und FIV können über eine Schwächung der Leberfunktion oder eine begleitende Anämie zu Gelbsucht beitragen. Ebenso kann eine feline infektiöse Peritonitis (FIP) mit einer Leberbeteiligung einhergehen. Weil sich die Ursachen so stark unterscheiden, lässt sich Gelbsucht allein am äußeren Erscheinungsbild nicht sicher einer bestimmten Erkrankung zuordnen. Auch Vergiftungen, etwa durch bestimmte Medikamente oder Pflanzen, zählen zu den selteneren, aber ernstzunehmenden Auslösern und sollten in der Anamnese abgefragt werden, wenn eine Katze Zugang zu Außenbereichen oder Zimmerpflanzen hatte.
Begleitsymptome, auf die zu achten ist
Neben der Gelbfärbung selbst deuten dunkler, bräunlicher Urin, heller oder tonfarbener Kot, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und ein aufgeblähter Bauch auf eine der zugrunde liegenden Erkrankungen hin. Auch eine sichtbare Vergrößerung der Leber, die ein Tierarzt beim Abtasten des Bauches feststellen kann, liefert wichtige Hinweise auf die Ursache.
Wie die Diagnose abläuft
Zur Abklärung gehören üblicherweise eine Blutuntersuchung mit Leberwerten und Bilirubinspiegel, eine Ultraschalluntersuchung von Leber und Gallenwegen sowie je nach Befund weitere Tests auf Infektionen oder eine Gewebeprobe aus der Leber. Erst diese Kombination zeigt, ob die Ursache in der Leber selbst, in den Gallenwegen oder im Abbau der roten Blutkörperchen liegt, und legt damit fest, welche Behandlung notwendig ist. In manchen Fällen folgt darauf eine Feinnadelaspiration oder eine Gewebeprobe aus der Leber, weil sich mikroskopisch fett-, entzündungs- und tumorbedingte Veränderungen des Lebergewebes zuverlässig unterscheiden lassen.
Warum schnelles Handeln zählt
Gelbsucht ist bei Katzen immer ein Notfallzeichen und kein Symptom, das sich von selbst beobachten lässt, bevor ein Tierarzt eingeschaltet wird. Besonders die hepatische Lipidose kann innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden, wenn die betroffene Katze nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird, weshalb bei anhaltender Appetitlosigkeit oft schon vor dem Auftreten einer sichtbaren Gelbfärbung gehandelt werden sollte.
Quellen
- Wikipedia: Hepatische Lipidose der Katze
- PMC: Hepatic lipidosis — Clinical review drawn from collective effort
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







