Katze ruht sich zurückgezogen aus

Chronischer Katzenschnupfen: Warum er immer wiederkehrt

Kurzantwort: Chronischer Katzenschnupfen entsteht meist, weil das feline Herpesvirus nach einer akuten Infektion bei rund 80 Prozent der betroffenen Katzen lebenslang im Körper verbleibt, zurückgezogen in die Ganglien des Nervus trigeminus. Von dort kann es bei Stress, etwa durch Umzug, neue Mitbewohner oder Krankheit, erneut aktiv werden und wieder Symptome auslösen. Eine vollständige Heilung im Sinne einer restlosen Viruselimination ist praktisch nicht möglich, weshalb sich die Behandlung auf das Abmildern akuter Schübe und das Vermeiden von Stressauslösern konzentriert. Der einst verbreitete Tipp, L-Lysin zu geben, gilt nach neueren Untersuchungen als wirkungslos.

Viele Katzenhalter wundern sich, warum ihre Katze Jahre nach einer überstandenen Katzenschnupfen-Infektion plötzlich wieder niest oder tränende Augen bekommt. Der Grund liegt selten in einer neuen Ansteckung, sondern im Virus selbst, das den Körper nach der ersten Infektion oft nie wieder ganz verlässt.

Dieser Artikel erklärt, wie sich chronischer Katzenschnupfen von einer akuten Infektion unterscheidet und was im Alltag gegen häufige Rückfälle hilft.

Was „chronisch“ bei Katzenschnupfen bedeutet

Von chronischem Katzenschnupfen spricht man, wenn Symptome wie Niesen, Nasenausfluss oder Bindehautentzündung immer wieder auftreten, statt nach einer einmaligen Infektion endgültig abzuklingen. Anders als bei einer klassischen Erkältung, die ausheilt und danach keine Spuren hinterlässt, bleibt bei vielen Katzen der eigentliche Erreger im Körper zurück und kann jederzeit erneut aktiv werden. Für Halter bedeutet das: Ein wiederkehrendes Niesen ist nicht automatisch eine neue Ansteckung, sondern häufig dieselbe, seit der Erstinfektion im Körper schlummernde Infektion.

Wie das Herpesvirus im Körper überdauert

Verantwortlich für die meisten chronischen Verläufe ist das feline Herpesvirus (FHV-1). Nach überstandener akuter Infektion bleiben etwa 80 Prozent der betroffenen Katzen lebenslang Träger des Erregers. Das Virus zieht sich dabei in die Ganglien des Nervus trigeminus zurück, ein Nervenknoten im Kopfbereich, und verharrt dort in einer Art Ruhezustand, ohne dass die Katze in dieser Zeit sichtbar krank wirkt. Manche Tiere bleiben so über Jahre beschwerdefrei, bevor ein einzelner belastender Auslöser das Virus wieder aktiviert.

Was eine Reaktivierung auslöst

Stress zählt zu den häufigsten Auslösern, wenn das ruhende Virus wieder aktiv wird: ein Umzug, neue Mitbewohner, ein Tierarztbesuch, eine andere Erkrankung oder auch der Aufenthalt in einer Tierpension können ausreichen. Auch eine allgemeine Schwächung des Immunsystems, etwa durch hohes Alter oder eine Begleiterkrankung, begünstigt einen erneuten Ausbruch. In solchen Phasen kann die Katze wieder Viren ausscheiden und andere Katzen anstecken, selbst wenn sie selbst nur milde oder gar keine sichtbaren Symptome zeigt. Gerade bei einer bevorstehenden Veränderung im Haushalt, etwa einem Umzug oder dem Einzug eines neuen Tieres, lohnt es sich deshalb, betroffene Katzen besonders aufmerksam zu beobachten.

Tierärztliches Team behandelt eine Katze
Bei häufigen Rückfällen hilft eine tierärztliche Untersuchung, andere Ursachen auszuschließen. Foto: U.S. Military Sealift Command, Public domain

Folgeschäden: chronische Rhinitis und Sinusitis

Wiederholte Entzündungsschübe können die empfindlichen Nasenschleimhäute und Nasenmuscheln dauerhaft schädigen. Die Folge ist bei manchen Katzen eine chronische Rhinitis oder Sinusitis mit anhaltend verstopfter Nase, gelegentlichem Nasenausfluss und geräuschvoller Atmung, auch dann, wenn gerade kein akuter Schub vorliegt. Diese strukturellen Schäden lassen sich im Gegensatz zum akuten Infekt selbst meist nicht mehr vollständig rückgängig machen. Betroffene Katzen leben dann oft dauerhaft mit einer leicht rasselnden Atmung oder einer chronisch etwas laufenden Nase, ohne dass eine erneute Behandlung daran grundsätzlich etwas ändern kann.

Chronische Augenprobleme als Begleiterscheinung

Auch die Augen können unter wiederholten Schüben leiden. Chronische oder wiederkehrende Bindehautentzündungen, in manchen Fällen auch Hornhautschäden, zählen zu den möglichen Folgen einer lange bestehenden FHV-1-Trägerschaft. Bei anhaltenden Augensymptomen lohnt sich deshalb eine gezielte augenärztliche Untersuchung, um Folgeschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Unbehandelt können solche Schäden das Sehvermögen einschränken, weshalb Augensymptome bei einer bekannten Herpesvirus-Trägerschaft nicht als reine Begleiterscheinung abgetan werden sollten.

L-Lysin: was die Forschung tatsächlich zeigt

Lange galt die Aminosäure L-Lysin als gängiger Tipp gegen chronischen Katzenschnupfen, weil sie über eine Senkung des Argininspiegels die Vermehrung des Herpesvirus hemmen sollte. Neuere Untersuchungen, darunter eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015, konnten diesen Effekt bei Katzen jedoch nicht bestätigen. Nach heutigem Kenntnisstand gilt die Gabe von L-Lysin als wirkungslos und wird in aktuellen Übersichtsarbeiten nicht mehr empfohlen. Frühere, kleinere Studien hatten unter kontrollierten Laborbedingungen noch einen gewissen Effekt beschrieben, dieser ließ sich unter alltäglichen Haltungsbedingungen und in größeren Folgeuntersuchungen aber nicht reproduzieren.

Was im Alltag gegen Rückfälle hilft

Weil Stress der wichtigste bekannte Auslöser ist, zielen die wirksamsten Maßnahmen auf ein möglichst ruhiges, vorhersehbares Umfeld: feste Tagesabläufe, ausreichend Rückzugsorte, ein schrittweises statt abruptes Eingewöhnen neuer Mitbewohner oder Umgebungen. Bei akuten Schüben können Dampfinhalation, um die Schleimhäute feucht zu halten, sowie regelmäßiges Reinigen von Nase und Augen die Beschwerden lindern, ersetzen aber keine tierärztliche Behandlung bei ausgeprägten Symptomen. Auch eine ausgewogene Ernährung und ein stabiles Körpergewicht unterstützen ein funktionsfähiges Immunsystem, das Reaktivierungen zumindest nicht zusätzlich begünstigt.

Leben mit einer Trägerkatze im Mehrkatzenhaushalt

Eine Katze mit chronischem Katzenschnupfen kann auch in ruhigen Phasen ansteckend sein, weshalb in Mehrkatzenhaushalten auf getrennte Näpfe und Katzentoiletten sowie auf regelmäßiges Händewaschen nach Kontakt geachtet werden sollte, besonders wenn eine der Katzen noch nicht vollständig grundimmunisiert ist. Ein vollständiges Fernhalten aller Sozialkontakte ist für die betroffene Katze aber weder nötig noch im Sinne ihres Wohlbefindens.

Wann eine tierärztliche Abklärung sinnvoll ist

Häufen sich die Schübe stark, verschlechtert sich die Symptomatik zusehends oder kommen Fieber und Appetitlosigkeit hinzu, sollte tierärztlich abgeklärt werden, ob tatsächlich eine Reaktivierung des Herpesvirus vorliegt oder ob eine bakterielle Sekundärinfektion oder eine andere Grunderkrankung die eigentliche Ursache ist, weil sich die Behandlung in diesem Fall unterscheidet und eine bakterielle Komponente meist zusätzlich ein Antibiotikum erfordert.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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