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Kurzantwort: In Deutschland gibt es keine Impfpflicht für Katzen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt aber für jede Katze, auch für reine Wohnungskatzen, die Grundimmunisierung gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Tollwut ist nur für Freigänger und Auslandsreisen nötig, Leukose nur bei Freigang oder Kontakt zu infizierten Katzen.
Viele Halter gehen davon aus, dass eine Katze ohne Freigang keinen Erregern begegnet. Das stimmt nicht. Das Parvovirus der Katzenseuche überlebt monatelang in der Umwelt und kommt über Schuhsohlen, Kleidung und Einkaufstaschen in die Wohnung. Katzenschnupfen-Erreger bringen Besucher mit, die selbst Katzen haben, oder der Tierarztbesuch.
Hier stehen die Impfungen, die jede Katze braucht, die Impfungen, die nur für bestimmte Lebensumstände sinnvoll sind, der Zeitplan für Kitten und erwachsene Tiere und die Kosten.

Rechtslage: keine Pflicht, aber Empfehlung
Kein Gesetz schreibt Impfungen für Katzen vor. Eine Pflicht entsteht nur indirekt: Tierpensionen, Katzenausstellungen, Züchterverbände und Tierschutzvereine verlangen einen gültigen Impfpass. Für Reisen innerhalb der EU ist die Tollwutimpfung im Heimtierausweis Pflicht. Wer seine Katze also jemals in Urlaubsbetreuung geben will, braucht die Impfungen ohnehin.
Die fachliche Grundlage liefert die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut. Sie unterscheidet Core-Impfungen, die jede Katze bekommen sollte, und Non-Core-Impfungen nach individuellem Risiko.
Core-Impfungen: Katzenseuche und Katzenschnupfen
Die Katzenseuche, ausgelöst durch das feline Parvovirus, verläuft bei ungeimpften Kitten meist tödlich. Das Virus ist extrem widerstandsfähig und wird über Kot, Gegenstände und Kleidung verschleppt. Die Impfung schützt zuverlässig und ist der wichtigste Baustein.
Der Katzenschnupfen-Komplex mit Herpes- und Caliciviren ist hoch ansteckend und führt unbehandelt zu chronischen Atemwegs- und Augenschäden. Die Impfung verhindert die Infektion nicht vollständig, mildert den Verlauf aber deutlich. Beide Impfungen werden als Kombination RCP verabreicht.

Non-Core: Tollwut, Leukose, Chlamydien
Tollwut ist in Deutschland bei Haustieren seit 2008 nicht mehr aufgetreten. Die Impfung ist nur nötig, wenn die Katze ins Ausland reist oder Freigang in Grenznähe hat. Die feline Leukose wird über Speichel und Bisse übertragen und betrifft Freigänger, für Wohnungskatzen ohne Kontakt zu fremden Katzen entfällt sie. Chlamydien- und Bordetellen-Impfungen sind für Mehrkatzenhaushalte, Zuchten und Tierheime gedacht.
Eine FIP-Impfung gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr, ihre Wirksamkeit war umstritten.
Impfplan für Kitten
Die Grundimmunisierung beginnt in der achten Lebenswoche mit RCP. Die zweite Impfung folgt mit zwölf Wochen, die dritte mit 16 Wochen, weil mütterliche Antikörper bis dahin die Impfantwort stören können. Ein Jahr nach der letzten Kittenimpfung, also mit etwa 15 Monaten, wird einmal aufgefrischt. Damit ist die Grundimmunisierung abgeschlossen.
Tollwut wird frühestens mit zwölf Wochen geimpft, Leukose ab acht Wochen mit einer Wiederholung nach drei bis vier Wochen. Vor der Leukose-Impfung sollte ein Bluttest ausschließen, dass das Kitten bereits infiziert ist.
Auffrischung bei erwachsenen Katzen
Gegen Katzenseuche reicht nach abgeschlossener Grundimmunisierung eine Auffrischung alle drei Jahre. Gegen Katzenschnupfen empfiehlt die Impfkommission bei Wohnungskatzen mit geringem Risiko ebenfalls drei Jahre, bei Freigängern und Katzen in Pensionen jährlich. Tollwut wird je nach Impfstoff alle ein bis drei Jahre wiederholt, für Reisen zählt die im Impfpass eingetragene Gültigkeit.
Wer die Auffrischung länger als ein paar Monate versäumt, muss nicht neu grundimmunisieren. Eine einzelne Nachimpfung stellt den Schutz meist wieder her. Bei mehrjähriger Lücke entscheidet der Tierarzt, ob zwei Impfungen nötig sind.
Wie Erreger in die Wohnung kommen
Das Parvovirus der Katzenseuche bleibt auf Böden, Schuhen und Textilien bis zu einem Jahr infektiös. Wer im Park durch Katzenkot getreten ist oder im Tierheim war, trägt das Virus nach Hause. Katzenschnupfen-Viren überleben kürzer, wandern aber über Hände und Kleidung von Katze zu Katze. Ein Besuch von Freunden mit eigener Katze reicht.
Auch die Wohnungskatze selbst verlässt die Wohnung: beim Tierarzt, in der Pension, beim Umzug. Entwischt sie einmal durch die offene Tür, trifft sie draußen auf ungeimpfte Streuner. Dazu kommt der Fall, dass später eine zweite Katze einzieht, die Erreger mitbringt. Die Impfung deckt all diese Situationen ab, für die es sonst keinen Schutz gibt.
Kosten und Nebenwirkungen
Eine RCP-Impfung kostet mit Untersuchung etwa 50 bis 80 Euro, Tollwut zusätzlich 30 bis 50 Euro. Die Grundimmunisierung eines Kittens summiert sich auf etwa 150 bis 250 Euro. Nebenwirkungen sind selten: Müdigkeit und leichte Schwellung an der Einstichstelle für ein bis zwei Tage. Impfstoffe werden heute in die Flanke oder das Bein gesetzt, weil in seltenen Fällen an der Einstichstelle Tumore entstanden, die sich dort leichter operieren lassen.
Wann eine Katze nicht geimpft werden sollte
Kranke Katzen, Tiere mit Fieber und trächtige Katzen werden nicht geimpft. Bei chronisch kranken Senioren wägt der Tierarzt ab. Ein Antikörpertest, die sogenannte Titerbestimmung, zeigt bei Katzenseuche zuverlässig, ob noch Schutz besteht, und kann eine Auffrischung ersetzen. Bei Katzenschnupfen ist der Titer weniger aussagekräftig.
Impfpass und Erinnerung
Jede Impfung wird mit Datum, Impfstoff und Chargennummer in den Impfpass oder den EU-Heimtierausweis eingetragen. Bewahre ihn beim Chip-Nachweis auf und fotografiere die Seiten, damit Du die Daten bei Pension oder Umzug griffbereit hast. Viele Praxen schicken Erinnerungen per Post oder App, verlass Dich aber nicht darauf und trag den nächsten Termin selbst in den Kalender ein.
Häufige Fragen
Muss eine reine Wohnungskatze geimpft werden?
Gesetzlich nein, fachlich ja. Katzenseuche und Katzenschnupfen erreichen auch Wohnungen.
Wie oft muss eine Wohnungskatze geimpft werden?
Nach der Grundimmunisierung alle drei Jahre gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen.
Braucht eine Wohnungskatze eine Tollwutimpfung?
Nur bei Auslandsreisen oder wenn eine Pension sie verlangt.
Was passiert, wenn ich die Impfung vergesse?
Eine Nachimpfung reicht meist. Bei Lücken über mehrere Jahre entscheidet der Tierarzt.
Kann eine geimpfte Katze trotzdem Katzenschnupfen bekommen?
Ja, aber deutlich milder und mit geringerem Risiko chronischer Schäden.
Quellen
Katzen impfen lassen: Welche Impfungen sind notwendig?
Impfung Katze: Impfplan, Kosten und Pflichten
Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







