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Kurzantwort: Orange ist keine Rasse, sondern eine Fellfarbe. Sie entsteht durch eine Veränderung auf dem X-Chromosom, die zwei Forschungsgruppen im Mai 2025 unabhängig voneinander im Gen ARHGAP36 gefunden haben. Weil das Gen geschlechtsgebunden vererbt wird, brauchen Kater nur eine Kopie, Kätzinnen zwei — orange Kater sind deshalb deutlich häufiger. Rot ist bei zahlreichen Rassen im Standard erlaubt, von Perser über Maine Coon bis Britisch Kurzhaar.
Wer nach der orangen Katzenrasse sucht, sucht nach etwas, das es nicht gibt. Die Farbe kommt bei Hauskatzen wie bei Rassekatzen vor und wird in jedem Verband über einen eigenen Farbcode geführt, nicht über den Rassenamen.
Die Genetik dahinter war mehr als ein Jahrhundert lang ungeklärt. Erst 2025 kam die Antwort — und sie fiel anders aus als bei allen anderen bislang untersuchten Säugetieren.
Rot ist eine Farbe, keine Rasse
Die Fédération Internationale Féline codiert Farben über das EMS-System. Der Buchstabe steht dabei für die Grundfarbe: n für schwarz, a für blau, b für chocolate, c für lilac, e für creme, o für cinnamon, w für weiß — und d für rot. Eine Britisch Kurzhaar in Rot heißt in dieser Schreibweise BSH d.
Rassen, die auf eine einzige Farbe festgelegt sind, nennt die FIFe ausdrücklich: Russisch Blau, Bombay, Singapura und Sokoke. Keine davon ist rot. Eine Rasse, die es nur in Orange gibt, existiert nicht.
Das Gen hinter der Farbe
Im Mai 2025 veröffentlichten zwei Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse am selben Tag in derselben Fachzeitschrift: eine Gruppe der Kyushu-Universität in Japan, eine der Stanford University School of Medicine.
Beide fanden dieselbe Ursache — eine Deletion im ersten Intron des Gens ARHGAP36 auf dem X-Chromosom. Stanford beziffert sie auf exakt 5.076 Basenpaare. In der japanischen Untersuchung trugen alle zehn sequenzierten orangen Katzen die Deletion, keine der acht nicht-orangen.
Der fehlende Abschnitt unterdrückt das Gen normalerweise. Fällt er weg, wird ARHGAP36 in den Pigmentzellen aktiv, senkt dort ein bestimmtes Enzym und verschiebt die Pigmentbildung von schwarzem Eumelanin zu rotgelbem Phäomelanin. Bei anderen Säugetieren sitzt die Ursache für Rot weiter oben im selben Signalweg. Die Katze steht damit genetisch allein.
Warum orange Kater häufiger sind
Das Gen liegt auf dem X-Chromosom. Ein Kater hat ein X und ein Y, ihm genügt also eine Kopie der Variante, um rot zu sein. Eine Kätzin hat zwei X-Chromosomen und braucht die Variante auf beiden — je eine vom Vater und eine von der Mutter.
Deshalb sind rote Kater deutlich häufiger als rote Kätzinnen. Die im Netz kursierende Angabe, 80 Prozent aller orangen Katzen seien männlich, lässt sich in keiner belastbaren Quelle finden. Wie stark das Ungleichgewicht ausfällt, hängt davon ab, wie verbreitet die Variante in einer Population ist.
Schildpatt, Glückskatze und die dreifarbigen Kater

Trägt eine Kätzin die Variante nur auf einem der beiden X-Chromosomen, entscheidet in jeder einzelnen Körperzelle der Zufall, welches X aktiv bleibt. Das Ergebnis ist ein Flickenmuster aus roten und schwarzen Bereichen: Schildpatt. Kommt das Weißfleckengen dazu, entsteht die dreifarbige Glückskatze.
Die japanische Arbeitsgruppe wies passend dazu in Hautgewebe von vier dreifarbigen Katzen nach, dass die Methylierung des Genabschnitts von der X-Inaktivierung abhängt.
Dreifarbige Kater sind eine Ausnahme. Sie tragen meist ein zusätzliches X-Chromosom, ein Chromosomensatz, der dem Klinefelter-Syndrom beim Menschen entspricht und diesen Katern in der Regel die Fortpflanzungsfähigkeit nimmt. Untersuchungen zeigen allerdings, dass weniger als ein Drittel der Schildpatt-Kater diesen einfachen Chromosomensatz hat; ein weiteres Drittel sind Mosaike, und bei rund einem Drittel ließ sich gar kein zusätzliches X finden.
Warum jede rote Katze getigert ist
Bei anderen Farben entscheidet ein Gen darüber, ob die Tabby-Zeichnung sichtbar bleibt oder von durchgehendem Pigment überdeckt wird. Die rote Variante steht in dieser Rangfolge darüber. Sie setzt sich gegen die Gene durch, die sonst für eine einfarbige Decke sorgen.
Deshalb zeigt jede rote Katze eine Zeichnung. Was auf Ausstellungen als einfarbig rot durchgeht, ist in der Regel eine kontrastarm getickte Tabby.
Welche Rassen Rot im Standard führen

Rot ist bei Perser und Exotic zugelassen, ebenso in Smoke-, Tabby- und Bicolour-Varianten. Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirer und Türkisch Angora führen Rot und Creme samt der zugehörigen Schildpattvarianten. Cornish Rex, Devon Rex, German Rex, Sphynx, Don Sphynx, Peterbald und Japanese Bobtail ebenfalls. Bei der Britisch Kurzhaar taucht Rot im FIFe-Handbuch sogar als Beispiel für die Schreibweise auf.
Bei der Türkisch Van heißt die Farbe im Standard Auburn. Ein häufiges Missverständnis betrifft Abessinier und Somali: Deren warm kupferfarbene Variante heißt Sorrel und trägt den Code für Cinnamon, nicht den für Rot. Rot ist bei diesen beiden Rassen gar nicht anerkannt.
Der Charaktermythos
Orange Kater gelten als besonders anhänglich und gleichzeitig als nicht besonders helle. Für beides gibt es keine Studiengrundlage.
Was untersucht wurde, ist die Zuschreibung durch Menschen: In einer Befragung von rund 200 Personen ordneten die Teilnehmenden orangen Katzen Freundlichkeit zu und dreifarbigen eher Unverträglichkeit. Gemessen wurde damit die Erwartung der Befragten, nicht das Verhalten der Tiere.
Eine zweite Arbeit der University of California in Davis wertete Angaben von 1.274 Halterinnen und Haltern zu aggressivem Verhalten aus. Häufiger genannt wurden Schildpatt- und dreifarbige Katzen sowie schwarz-weiße und grau-weiße Tiere — orange Kater nicht. Die Autoren relativieren ihr eigenes Ergebnis deutlich: Die Unterschiede seien vergleichsweise gering, die Stichprobe sei nicht zufällig gezogen und die Angaben seien subjektive Einschätzungen ohne unabhängige Beobachtung.
Häufige Fragen
Gibt es eine reine Katzenrasse in Orange?
Nein. Rot ist eine Farbe, die bei vielen Rassen und bei Hauskatzen vorkommt.
Warum sind fast alle Glückskatzen weiblich?
Weil das Muster zwei unterschiedlich belegte X-Chromosomen braucht. Kater haben nur eines.
Sind dreifarbige Kater unfruchtbar?
Die meisten ja, weil sie ein zusätzliches X-Chromosom tragen. Ausnahmen sind beschrieben.
Warum werden rote Kätzchen manchmal heller?
Die Verdünnung von Rot heißt Creme und wird über ein eigenes Gen vererbt. Sie ist von Geburt an angelegt.
Wie heißt Rot im Stammbaum?
Im EMS-System der FIFe steht der Buchstabe d für Rot, e für Creme.
Quellen
- Kaelin u. a.: Molecular and genetic characterization of sex-linked orange coat color in the domestic cat, Current Biology 2025
- Kyushu University: Deletion im ARHGAP36-Gen als Ursache der orangen Fellfarbe
- Fédération Internationale Féline: EMS-System, Rasse- und Farbcodes
- Stelow, Bain, Kass: The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.







