Russisch Blau Katze

Allergiker und Katzenrassen: Sechs Rassen im Faktencheck

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Kurzantwort: Für keine der sechs meistgenannten Rassen existiert eine kontrollierte Studie, die einen geringeren Ausstoß des Hauptallergens Fel d 1 belegt. Beim Sibirer gibt es eine genetische Einzelbeobachtung an vier Tieren, mehr nicht. Bei Sphynx, Devon Rex und Cornish Rex kommt hinzu, dass das deutsche Qualzuchtgutachten ein Zuchtverbot empfiehlt, wenn die Tasthaare fehlen.

Der Ruf einzelner Rassen stammt aus Zuchtwerbung und wandert von dort in Ratgeberlisten. Nachgemessen hat ihn kaum jemand.

Dieser Überblick trennt für jede der sechs Rassen, was untersucht wurde, von dem, was behauptet wird.

Woher der Ruf kommt

Fel d 1 wird in Talg-, Speichel- und Analdrüsen gebildet und beim Putzen über das Fell verteilt. Weil das Fell nur der Transportweg ist, lässt sich aus Fellstruktur oder Haarlänge nichts über die Allergenmenge ableiten.

Genau diese Ableitung steckt aber hinter fast allen Empfehlungen: wenig Haar oder kein Haarwechsel gleich wenig Allergen. Eine Messreihe an 26 Hauskatzen fand das Gegenteil — Kurzhaarkatzen lagen mit 26,09 Mikrogramm je Gramm Fell im Mittel höher als Langhaarkatzen mit 16,88.

Bis zu 95 Prozent aller Katzenallergiker reagieren auf Fel d 1. Daneben sind sieben weitere Katzenallergene beschrieben, darunter das Serumalbumin Fel d 2 und die Lipocaline Fel d 4 und Fel d 7. Wer nur auf eines der Nebenallergene reagiert, hat andere Voraussetzungen als jemand mit Fel-d-1-Sensibilisierung. Klären lässt sich das über eine Komponentendiagnostik beim Arzt.

Sibirer

Die einzige rassespezifische Untersuchung verglich die beiden Fel-d-1-Gene von vier Sibirern mit denen von 35 anderen Katzen. Gefunden wurden 13 Mutationen im ersten und acht im zweiten Gen, die nur bei Sibirern auftraten. Die Katze mit zwei Aminosäureaustauschen hatte mit 0,48 Mikrogramm je Milliliter den niedrigsten Speichelwert der Gruppe.

Die Autoren nennen die kleine Stichprobe selbst als Einschränkung und empfehlen weitere Analysen, um zu klären, ob diese Mutationen überhaupt zu weniger Allergen führen. Als hypoallergen bezeichnen sie die Rasse nirgends.

Das Europäische Zentrum für Allergieforschung schreibt, sibirische Langhaarkatzen gälten trotz ihres langen Fells als wenig allergen. Formuliert ist das als Zuschreibung, nicht als Messergebnis. Die deutschsprachige Zusammenfassung zur Katzenallergie hält dazu fest, dass sich die Behauptung wissenschaftlich nie nachweisen ließ.

Balinese und Orientalen

Für die Balinese liegt keine peer-reviewte Fel-d-1-Messung vor. Die Behauptung, sie produziere weniger Allergen, lässt sich auf keine Primärquelle zurückführen.

Dasselbe gilt für die Orientalisch Kurzhaar und die Siam, die in manchen Listen mitgenannt werden. Beide sind kurzhaarig, was nach der Messlage eher gegen als für einen Vorteil spricht.

Die einzige Arbeit, die überhaupt niedrigere Werte bei sogenannten hypoallergenen Rassen berichtet, ist ein Kongressposter aus dem Jahr 2014 mit insgesamt 14 Katzen, sechs davon als Vergleichsgruppe. Eine begutachtete Vollpublikation folgte nie.

Russisch Blau und Bengal

Bengalkatze mit geflecktem Fell
Auch für die Bengal fehlt jede peer-reviewte Fel-d-1-Messung. Foto: roberto shabs, CC BY 4.0

Auch für diese beiden Rassen fehlt jede Messung. Beim Nachschlagen fällt auf, wie oft die Aussage einer Fachorganisation zugeschrieben wird, die sie nie getroffen hat: Der Text des Europäischen Zentrums für Allergieforschung erwähnt die Russisch Blau überhaupt nicht.

Zur Britisch Kurzhaar schreibt dieselbe Quelle, sie solle wegen ihrer Haarlänge weniger Allergene verbreiten. Formuliert ist das als Zuschreibung, nicht als Messergebnis.

Sphynx, Devon Rex und Cornish Rex

Devon Rex mit gewelltem Fell
Bei Devon Rex und Sphynx fehlen oder kräuseln sich häufig die Tasthaare. Foto: Pathfinder Linden, CC BY 2.0

Haarlosigkeit entfernt die Quelle des Allergens nicht, weil das Protein in Drüsen entsteht. Das Allergieforschungszentrum hält ausdrücklich fest, dass auch Nacktkatzen ihr Umfeld über den Speichel ausreichend belasten.

Wichtiger ist bei diesen drei Rassen der Tierschutz. Das Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b Tierschutzgesetz beschreibt, dass bei Devon Rex und Sphynx die Tasthaare gekräuselt sind oder ganz fehlen. Tasthaare bewertet das Gutachten als wesentliches Sinnesorgan, dessen Verlust einen Körperschaden darstellt und zu andauernden Leiden führt. Die Empfehlung lautet: Zuchtverbot für Katzen, bei denen die Tasthaare fehlen, und Änderung der Rassestandards.

Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte 2015 eine behördliche Anordnung gegen eine Sphynx-Zucht. Das Gericht führte neben den Tasthaaren die gestörte Wärmeregulation an, erkennbar am erhöhten Stoffwechsel und höheren Futterbedarf der Tiere.

Was stattdessen zählt

Eine Untersuchung an 64 kastrierten Kurzhaarkatzen ergab Jahresmittelwerte im Speichel von 0,4 bis 35 Mikrogramm je Milliliter. Die Streuung innerhalb einer Rasse ist damit größer als alles, was je zwischen Rassen gemessen wurde.

Der einzige bezifferte Hebel am Tier bleibt die Kastration von Katern: 5,46 gegenüber 1,28 Einheiten Fel d 1 je Gramm Fell in einer Untersuchung mit 221 Katzen. Wer eine Katze sucht und allergisch ist, gewinnt mehr durch wiederholten Kontakt mit dem konkreten Tier als durch die Rassewahl.

Zwei weitere Maßnahmen sind messbar, wenn auch begrenzt: Ein Futter mit Antikörpern aus Hühnereigelb senkte das aktive Fel d 1 auf dem Fell nach zehn Wochen im Mittel um 47 Prozent. Wöchentliches Waschen der Katze reduzierte die luftgetragene Menge um 44 Prozent, allerdings nur für Stunden bis Tage. Dazu kommt die Wohnungshygiene: Schlafzimmer katzenfrei, glatte Böden, waschbare Textilien.

Häufige Fragen

Welche Rasse ist für Allergiker am besten geeignet?

Auf diese Frage gibt es keine belegte Antwort. Die Unterschiede liegen zwischen einzelnen Tieren.

Warum werden diese Rassen dann überall empfohlen?

Die Empfehlungen stammen überwiegend aus der Zuchtwerbung und werden ungeprüft weitergereicht.

Sind Rex-Katzen in Deutschland verboten?

Verboten ist nach dem Qualzuchtgutachten die Zucht mit Tieren, bei denen die Tasthaare fehlen. Das knüpft an das Merkmal an, nicht pauschal an die Rasse.

Ist eine Langhaarkatze schlechter als eine Kurzhaarkatze?

Nach der vorliegenden Messreihe eher umgekehrt: Kurzhaarkatzen lagen im Mittel höher.

Gibt es Katzen, die gar kein Fel d 1 bilden?

Nein. Ein Tier ohne Fel d 1 ist bisher nicht beschrieben worden.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Vanessa schreibt fuer haustiergesundheit.net ueber Haltung, Ernaehrung und Gesundheit von Tieren.


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