Leckerlis für Kaninchen selbst machen – gesunde Rezepte

Kurz gesagt: Gesunde Kaninchensnacks bestehen aus Heu, Kräutern und Gemüse — mehr braucht es nicht. Die meisten gekauften Leckerlis enthalten Zucker, Honig, Getreide und Milchprodukte und sind für den Kaninchendarm ungeeignet. Drei Zutaten und ein Backofen reichen für einen ganzen Vorrat.

Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Warum gekaufte Snacks meist ungeeignet sind

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser mit einem auf Rohfaser ausgelegten Verdauungssystem. Zucker, Stärke und Fett stören das empfindliche Gleichgewicht im Blinddarm.

Trotzdem finden sich in Handelsprodukten regelmäßig Honig, Melasse, Joghurt, Getreideflocken und Nüsse — Zutaten, die dem Menschen Appetit machen sollen, nicht dem Tier guttun.

Die Folgen sind Übergewicht, Zahnprobleme durch zu wenig Abrieb und im schlimmsten Fall eine Störung der Darmflora mit Aufgasung.

Was geeignet ist

  • Kräuter: Petersilie, Dill, Basilikum, Löwenzahn, Spitzwegerich, Kamille
  • Gemüse: Möhre, Sellerie, Fenchel, Pastinake, Paprika, Gurke
  • Blätter: Möhrengrün, Kohlrabiblätter, Romanasalat
  • Zweige: Apfel, Birne, Haselnuss, Weide, Buche
  • Heu und Grünheu als Grundlage jeder Mischung

Rezept 1: Heutaler

Zwei Handvoll Heu klein schneiden, eine geriebene Möhre und etwas Wasser dazugeben, bis eine formbare Masse entsteht. Kleine Taler formen, auf ein Backblech setzen.

Bei 80 bis 100 Grad Umluft zwei bis drei Stunden trocknen, Ofentür einen Spalt offen lassen. Die Taler müssen vollständig durchgetrocknet sein, sonst schimmeln sie.

Rezept 2: Kräuterkugeln

Getrocknete Kräuter mit etwas geriebenem Apfel und gemahlenen Haferflocken vermengen — die Haferflocken nur als Bindung, sparsam. Kugeln formen und wie oben trocknen.

Diese Variante eignet sich gut, um Medikamente unterzumischen, wenn ein Tier Tabletten verweigert.

Rezept 3: Gemüsechips

Möhre, Pastinake oder Sellerie in dünne Scheiben hobeln und ohne Zusätze bei 60 Grad im Ofen oder Dörrautomaten trocknen, bis sie hart sind.

Das ist die einfachste Variante und braucht keine weiteren Zutaten. Sie hält luftdicht mehrere Wochen.

Was niemals verfüttert werden darf

  • Brot, Kekse, Zwieback — Stärke ohne Nährwert
  • Joghurtdrops und Milchprodukte — Kaninchen vertragen keine Laktose
  • Nüsse und Samen — zu fettreich
  • Avocado — giftig
  • Zwiebeln, Lauch, Knoblauch — schädigen die roten Blutkörperchen
  • Rohe Bohnen und Kartoffeln — enthalten Solanin und andere Giftstoffe
  • Steinobstkerne — enthalten Blausäureverbindungen
  • Alles vom Menschentisch

Zweige richtig anbieten

Frische Zweige von Obstbäumen sind das beste Leckerli überhaupt: Sie beschäftigen, nutzen die Zähne ab und liefern Rohfaser.

Wichtig ist die Herkunft. Zweige vom Straßenrand sind belastet, gespritzte Obstbäume ebenfalls. Steinobstzweige — Kirsche, Pflaume, Pfirsich — enthalten in Rinde und Blättern Blausäureverbindungen und sollten nur in kleinen Mengen und gut abgetrocknet gegeben werden.

Nadelbäume sind wegen des Harzes ungeeignet, Eibe ist hochgiftig.

Wie viel Leckerli am Tag

Als Faustregel gilt: Leckerlis sollten nicht mehr als fünf Prozent der Tagesration ausmachen. Bei einem Kaninchen sind das ein bis zwei kleine Stücke.

Wichtiger als die Menge ist, dass Heu unbegrenzt verfügbar bleibt. Ein Kaninchen, das sich an Leckerlis sattfrisst, frisst weniger Heu — und genau das führt zu Zahn- und Verdauungsproblemen.

Neue Sorten langsam einführen

Der Kaninchendarm reagiert empfindlich auf abrupte Futterwechsel. Neue Gemüse- oder Kräutersorten sollten in kleiner Menge angeboten und über mehrere Tage gesteigert werden.

Bei weichem Kot, Blähungen oder Fressunlust wird die neue Sorte sofort abgesetzt. Ein Kaninchen, das 12 Stunden nichts frisst, gehört in tierärztliche Behandlung.

Aufbewahrung

Selbst gemachte Leckerlis müssen vollständig durchgetrocknet sein. Aufbewahrt werden sie luftig in einem Stoffbeutel oder einer Papiertüte, nicht luftdicht in Plastik — dort schimmeln Restfeuchte und Snack gemeinsam.

Bei muffigem Geruch oder sichtbarem Belag gehört alles in den Müll. Schimmelpilzgifte sind für Kaninchen gefährlich.

Frischfutter als tägliche Grundlage

Leckerlis sind die Ausnahme, Frischfutter der Alltag. Ein erwachsenes Kaninchen sollte täglich etwa 100 Gramm Frischfutter je Kilogramm Körpergewicht bekommen, verteilt auf mehrere Portionen.

Am besten eignet sich Wiesengrün, sofern es ungespritzt und nicht am Straßenrand gewachsen ist. Im Winter ersetzen Blattsalate, Kohlarten in Maßen und Wurzelgemüse die frische Wiese.

Kohl ist besser als sein Ruf, muss aber langsam angefüttert werden. Wer ihn plötzlich in großer Menge gibt, riskiert Blähungen — wer ihn über Wochen einführt, kann ihn dauerhaft füttern.

Der Blinddarmkot

Kaninchen bilden zwei Arten von Kot. Der harte, runde Kot wird ausgeschieden; der weiche, traubenförmige Blinddarmkot wird direkt vom After aufgenommen und ein zweites Mal verdaut.

Das ist kein Fehlverhalten, sondern lebensnotwendig — dieser Kot enthält Vitamine und Eiweiße, die im Blinddarm gebildet werden.

Findet man weichen Kot im Gehege, stimmt etwas nicht. Häufige Ursachen sind zu energiereiche Fütterung, Übergewicht oder Schmerzen, die das Tier am Erreichen hindern.

Wasser nicht vergessen

Kaninchen trinken mehr, als viele annehmen — besonders bei trockener Fütterung. Angeboten wird das Wasser in einer standfesten Schale, nicht in einer Nippeltränke.

Der Grund ist die Körperhaltung: An der Nippeltränke muss das Tier den Kopf in den Nacken legen, was unnatürlich ist und die Trinkmenge senkt. Aus einer Schale trinkt ein Kaninchen ein Vielfaches.

Die Schale gehört täglich gereinigt und neu befüllt; im Sommer öfter, weil Wasser in der Wärme schnell kippt.

Wie man ein wählerisches Tier heranführt

Kaninchen sind Gewohnheitstiere. Was sie als Jungtier nicht kennengelernt haben, verweigern sie oft ein Leben lang.

Hilfreich ist, neues Futter neben das gewohnte zu legen, statt es zu ersetzen, und Geduld zu haben — manchmal dauert es zwei Wochen, bis ein Tier probiert.

Nie sollte man ein Kaninchen hungern lassen, damit es etwas frisst. Der Verdauungstrakt verträgt keine Pausen.

Häufige Fragen

Sind gekaufte Kaninchensnacks schädlich?

Viele enthalten Zucker, Getreide oder Milch und sind ungeeignet.

Wie viel Leckerli ist erlaubt?

Höchstens fünf Prozent der Tagesration.

Darf Kaninchen Brot bekommen?

Nein.

Welche Zweige eignen sich?

Apfel, Birne, Haselnuss und Weide.

Wie trocknet man Leckerlis?

Bei 60 bis 100 Grad mehrere Stunden bei offener Ofentür.

Wie lange halten sie?

Vollständig getrocknet und luftig gelagert mehrere Wochen.

Wie viel Frischfutter braucht ein Kaninchen?

Etwa 100 Gramm je Kilogramm Körpergewicht täglich.

Warum frisst mein Kaninchen seinen Kot?

Blinddarmkot wird ein zweites Mal verdaut und ist lebensnotwendig.

Schale oder Nippeltränke?

Immer die Schale – daraus trinken Kaninchen deutlich mehr.

Was tun bei wählerischen Kaninchen?

Neues neben das Gewohnte legen und abwarten – nie hungern lassen.

Quellen

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