Zwergkaninchen – Haltung, Größe und was man wissen muss

Kurz gesagt: Zwergkaninchen wiegen ausgewachsen etwa 1 bis 1,5 Kilogramm und werden 8 bis 12 Jahre alt. Trotz des Namens brauchen sie ebenso viel Platz wie größere Rassen — mindestens sechs Quadratmeter für zwei Tiere. Sie sind Fluchttiere und eignen sich nicht als Kuscheltier für kleine Kinder.

Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Was ein Zwergkaninchen ist

Die Bezeichnung fasst mehrere kleinwüchsige Rassen zusammen. Anerkannt sind unter anderem das Farbenzwerg-Kaninchen, der Zwergwidder mit den Hängeohren und das Löwenkopfkaninchen mit der Mähne.

Der Zwergwuchs geht auf ein bestimmtes Gen zurück. Verpaart man zwei Träger, sterben ein Teil der Nachkommen kurz nach der Geburt — deshalb wird in seriöser Zucht nie Zwerg mit Zwerg verpaart.

Aus dieser Zucht folgen auch typische gesundheitliche Themen: verkürzter Kiefer, Zahnfehlstellungen und bei Widdern eine erhöhte Anfälligkeit für Ohrenprobleme.

Größe und Lebenserwartung

Ausgewachsen wiegen sie 1 bis 1,5 Kilogramm, größere Zwergrassen bis 1,8. Die Endgröße erreichen sie mit etwa sechs Monaten.

Bei guter Haltung werden sie 8 bis 12 Jahre alt. Das ist eine lange Verpflichtung und wird beim Kauf regelmäßig unterschätzt — deutlich länger als bei einem Hamster oder Meerschweinchen.

Warum sie nie allein leben dürfen

Kaninchen sind hochsozial. In freier Wildbahn leben sie in Gruppen mit fester Rangordnung, putzen sich gegenseitig und schlafen aneinandergedrängt.

Einzelhaltung gilt als tierschutzwidrig. Der Mensch kann den Artgenossen nicht ersetzen, egal wie viel Zeit er aufwendet — er spricht die Sprache nicht und ist nachts nicht da.

Bewährt hat sich ein Paar aus einem kastrierten Rammler und einer Häsin. Zwei Weibchen streiten häufiger, zwei unkastrierte Männchen fast immer.

Die Kastration

Rammler werden mit etwa 10 bis 12 Wochen geschlechtsreif. Die Kastration erfolgt danach; anschließend sind sie noch bis zu sechs Wochen zeugungsfähig und müssen so lange getrennt bleiben.

Bei Häsinnen ist eine Kastration nicht zwingend, kann aber sinnvoll sein — Gebärmuttererkrankungen sind bei unkastrierten Häsinnen häufig.

Der Platzbedarf

Der Name täuscht: Ein Zwergkaninchen springt genauso weit wie ein größeres. Empfohlen werden mindestens sechs Quadratmeter für zwei Tiere, dauerhaft zugänglich.

Stundenweiser Auslauf ersetzt das nicht. Die Tiere sind vor allem in der Dämmerung aktiv — also zu Zeiten, in denen niemand danebensteht und die Käfigtür öffnet.

Kaninchen und Kinder

Hier liegt das größte Missverständnis. Kaninchen sind Beutetiere. Hochgehoben zu werden entspricht für sie dem Griff eines Greifvogels — es löst Panik aus, auch wenn das Tier sich anschließend nicht bewegt.

Diese Reglosigkeit wird oft als Kuscheln gedeutet. Tatsächlich ist es eine Schreckstarre.

Kinder können Kaninchen wunderbar beobachten, füttern und pflegen. Als Schmusetier taugen sie nicht, und die Verantwortung für die Versorgung bleibt in jedem Fall bei den Erwachsenen.

Beschäftigung

  • Buddelkiste mit Erde oder ungedüngtem Sand
  • Tunnel und Röhren aus Pappe oder Kork
  • Erhöhte Plattformen zum Aufspringen
  • Heu in Papiertüten oder Rollen versteckt
  • Zweige zum Benagen: Apfel, Birne, Haselnuss, Weide
  • Regelmäßig umgestellte Einrichtung

Die häufigsten Krankheiten

Zahnprobleme. Kaninchenzähne wachsen lebenslang. Ohne ausreichend Heu nutzen sie sich nicht ab, es entstehen Spitzen, die die Wange verletzen.

Verdauungsstillstand. Ein Notfall — siehe oben.

E. cuniculi. Ein Erreger, der Kopfschiefhaltung und Lähmungen auslösen kann.

Kaninchenschnupfen. Eine chronische Erkrankung der Atemwege.

Gegen RHD und Myxomatose gibt es Impfungen, die auch bei reiner Wohnungshaltung empfohlen werden — die Erreger gelangen über Insekten und Kleidung ins Haus.

Woher ein Kaninchen kommen sollte

Tierheime und Notstationen sind voll von abgegebenen Kaninchen, häufig bereits kastriert und geimpft. Dort wird zudem beraten, welche Tiere zueinander passen.

Vom Kauf im Zoofachhandel raten Tierschutzorganisationen ab: Die Tiere stammen oft aus Massenzuchten, sind zu jung abgegeben und selten kastriert.

Die Eingewöhnung

Neue Kaninchen brauchen Zeit. In den ersten Tagen sollten sie in Ruhe gelassen werden; wer ständig hineingreift, verlängert die Phase des Misstrauens.

Vertrauen entsteht durch Berechenbarkeit: sich auf den Boden setzen, ruhig sprechen, Futter aus der Hand anbieten und warten, bis das Tier von selbst kommt. Nach einigen Wochen kommen die meisten Kaninchen freiwillig — das ist der Punkt, an dem der Umgang leicht wird.

Werden zwei fremde Tiere zusammengeführt, geschieht das am besten auf neutralem Boden, in einem Bereich, den keines von beiden kennt. Rangeleien in den ersten Stunden sind normal; ernste Kämpfe mit Verletzungen sind es nicht.

Was Kaninchen kosten

Die Anschaffung ist der kleinste Posten. Ins Gewicht fallen das Gehege, die laufenden Kosten für Heu und Frischfutter sowie die tierärztliche Versorgung.

Impfungen fallen jährlich an, Kastrationen einmalig. Zahnbehandlungen unter Narkose sind bei Zwergrassen keine Seltenheit und kosten jeweils einen dreistelligen Betrag.

Wer über zehn Jahre rechnet, kommt schnell in vierstellige Summen. Das gehört vor die Anschaffung, nicht danach.

Wenn ein Tier stirbt

Das verbleibende Kaninchen sollte Abschied nehmen dürfen — es darf am toten Partner riechen. Das klingt hart und hilft dem Tier, den Verlust zu begreifen.

Danach sollte zeitnah ein neuer Partner einziehen. Ein einzeln zurückbleibendes Kaninchen vereinsamt, frisst schlechter und wird anfälliger.

Kaninchen im Urlaub

Kaninchen reisen schlecht. Der Transport bedeutet Stress, und fremde Umgebungen verunsichern sie über Tage.

Besser ist eine Betreuung zu Hause: Jemand kommt täglich, füttert, reinigt die Toilette und schaut nach den Tieren. Wichtig ist eine schriftliche Notiz mit Futtermengen, Besonderheiten und der Nummer der Tierarztpraxis.

Wer die Tiere doch mitnimmt oder in Pflege gibt, sollte beide zusammenlassen — eine Trennung des Paares ist die größere Belastung als der Ortswechsel.

Häufige Fragen

Wie groß werden Zwergkaninchen?

Etwa 1 bis 1,5 Kilogramm.

Wie alt werden sie?

8 bis 12 Jahre.

Kann man eines allein halten?

Nein, das gilt als tierschutzwidrig.

Sind sie für Kinder geeignet?

Zum Beobachten und Versorgen ja, als Schmusetier nicht.

Wie viel Platz brauchen zwei Tiere?

Mindestens sechs Quadratmeter dauerhaft.

Muss man impfen?

Ja, gegen RHD und Myxomatose, auch bei Wohnungshaltung.

Wie gewöhnt man neue Kaninchen ein?

Ruhe lassen und warten, bis sie von selbst kommen.

Was tun, wenn ein Tier stirbt?

Abschied nehmen lassen und zeitnah einen neuen Partner suchen.

Kann man Kaninchen mit in den Urlaub nehmen?

Besser ist Betreuung zu Hause – Transport bedeutet Stress.

Quellen

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