Katze niest ständig: Ursachen, Warnzeichen und Tierarztbesuch

Kurzantwort: Niest deine Katze ständig, steckt meist ein Infekt der oberen Atemwege dahinter, der sogenannte Katzenschnupfen mit Herpes- und Caliciviren, Chlamydien oder Bordetellen. Weitere Ursachen sind Reizstoffe wie Streustaub und Rauch, ein Fremdkörper in der Nase, eine chronische Nasenentzündung nach früherem Infekt, ein Zahnwurzelabszess im Oberkiefer oder bei älteren Katzen ein Tumor. Niest sie oft, ist aber fit, frisst und hat klare Nase und Augen, darfst du ein bis zwei Wochen beobachten. Bei gelbem, grünem oder blutigem Ausfluss, einseitigem Niesen, Fressunlust oder Atemgeräuschen gehört sie sofort in die Praxis.

Ein einzelner Nieser ist bei Katzen so harmlos wie bei uns. Staub in der Nase, ein Haar, ein kräftiger Duft. Ständiges Niesen über Tage ist etwas anderes. Es zeigt, dass die Nasenschleimhaut dauerhaft gereizt oder entzündet ist.

Die Ursachen reichen von banal bis ernst. Der wichtigste Unterschied für dich liegt im Allgemeinzustand: eine Katze, die niest und sonst fit ist, gegenüber einer Katze, die niest, still wird, schlechter frisst und verklebte Augen hat. Danach richtet sich, wie schnell du handeln musst.

Katzenschnupfen: die häufigste Ursache

Katzenschnupfen ist ein Sammelbegriff für Infektionen der oberen Atemwege. Die beiden wichtigsten Erreger sind das feline Herpesvirus (FHV-1) und das feline Calicivirus (FCV). Dazu kommen Chlamydia felis, Bordetella bronchiseptica und Mykoplasmen, oft als Mischinfektion.

Das European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD), ein Gremium europäischer Tierärzte, beschreibt in seiner Leitlinie zu FHV den typischen Verlauf: Speicheln und Niesen zuerst, dann Fieber, Mattigkeit, Fressunlust, wässriger bis blutiger Augen- und Nasenausfluss und gerötete Bindehäute. Fast alle infizierten Katzen bleiben lebenslang Virusträger. Das Virus ruht in Nervenzellen und wird bei Stress wieder aktiv, in Studien nach einem Umzug bei 18 Prozent, nach der Geburt von Welpen bei 40 Prozent der Trägerkatzen. Das erklärt, warum eine erwachsene Katze nach Umzug, Urlaub oder neuem Mitbewohner plötzlich wieder niest.

Beim Calicivirus stehen laut ABCD-Leitlinie Geschwüre auf Zunge und Gaumen, Niesen und Nasenausfluss im Vordergrund. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zehn Tage. Das Virus überlebt auf trockenen Oberflächen bei Raumtemperatur bis zu einem Monat. In Haushalten mit weniger als vier Katzen sind laut Leitlinie 2,5 Prozent der gesunden Tiere Träger, in Gruppen ab vier Katzen 32 Prozent.

Chronische Nasenentzündung nach dem Infekt

Manche Katzen niesen Monate nach einem Katzenschnupfen weiter. Die ABCD nennt die Schädigung der Nasenmuscheln während der akuten Erkrankung als Grund für eine chronische Rhinitis. Die Nase bleibt anfällig, Bakterien siedeln sich an, der Ausfluss wird dick und gelblich. Diese Katzen niesen oft in Schüben, sind zwischendurch fit und brauchen trotzdem eine tierärztliche Betreuung, weil sich die Entzündung ohne Behandlung festsetzt.

Ursachen ohne Virus

Reizstoffe

Staubende Katzenstreu, Zigarettenrauch, Raumsprays, Duftkerzen, Putzmittel, Parfüm. Katzen niesen darauf, und die Nase läuft klar. Tausch die Streu auf eine staubarme Sorte und lüfte, dann verschwindet das Niesen meist innerhalb von Tagen.

Fremdkörper

Ein Grashalm oder eine Granne rutscht beim Fressen oder Spielen hinter den Gaumen und in die Nase. Die Katze niest plötzlich heftig, reibt sich mit der Pfote am Gesicht, würgt oder hat einseitigen Ausfluss. Das kannst du zu Hause nicht lösen; der Fremdkörper muss in der Praxis entfernt werden.

Zahnwurzelabszess

Die Wurzeln der oberen Backenzähne liegen direkt unter der Nasenhöhle. Entzündet sich eine Wurzel, drückt der Eiter nach oben, und die Katze niest einseitig, oft mit schlechtem Maulgeruch und einer Schwellung unter dem Auge.

Polypen und Tumoren

Bei jungen Katzen kommen gutartige Polypen im Nasenrachen vor, die schnarchende Atmung und Niesen machen. Bei älteren Katzen muss der Tierarzt einen Tumor in der Nase ausschließen, vor allem bei einseitigem, blutigem Ausfluss und wenn das Gesicht sich verformt.

Katze niest ständig, ist aber fit

Das ist die Frage, die Halter am häufigsten stellen. Wenn die Katze niest, aber normal frisst, spielt, klare Augen und eine trockene oder nur leicht feuchte Nase hat, spricht das für eine Reizung oder eine milde Reaktivierung eines alten Herpesinfekts. Beobachte sie ein bis zwei Wochen. Notiere dir, wann sie niest, ob es einseitig ist und wie der Ausfluss aussieht. Entferne Duftquellen und wechsle die Streu. Bleibt das Niesen danach, oder kommt ein zweites Symptom dazu, geht sie in die Praxis.

Vorsicht bei Kitten, Senioren und Katzen mit bekannter FIV- oder FeLV-Infektion. Bei ihnen kann ein Infekt der oberen Atemwege schnell auf die Lunge übergreifen. Hier wartest du keine zwei Wochen.

Wann der Tierarzt dran ist

Am selben Tag: gelber, grüner oder blutiger Nasenausfluss, Maulatmung oder hörbare Atemgeräusche, Fieber, Fressverweigerung länger als einen Tag, verklebte oder geschwollene Augen, plötzlich einseitiges heftiges Niesen mit Pfotenreiben, Schwellung im Gesicht. Innerhalb weniger Tage: Niesen, das länger als zwei Wochen anhält, oder Niesen, das nach einer Pause immer wiederkommt.

Der Tierarzt untersucht Nase, Maul, Zähne und Augen, misst Fieber und hört die Lunge ab. Bei Verdacht auf Katzenschnupfen kann ein Abstrich die Erreger nachweisen. Bei chronischem oder einseitigem Niesen folgen Röntgen, Endoskopie oder Computertomographie der Nase, um Fremdkörper, Zahnprobleme und Tumoren zu unterscheiden. Dosierungen und Medikamente legt die Praxis fest, Hausmittel und Nasentropfen für Menschen gehören nicht in eine Katzennase.

Vorbeugen: Impfung und Stress

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut stuft die Impfung gegen Herpes- und Calicivirus als Core-Impfung ein, die jede Katze bekommen soll. Das Schema: Impfungen mit 8, 12 und 16 Lebenswochen sowie mit 15 Lebensmonaten, danach Wiederholungen im Abstand von bis zu drei Jahren. Die Impfung verhindert die Infektion nicht vollständig, mildert aber den Verlauf. Gegen Chlamydien und Bordetellen gibt es Impfungen für Katzen mit viel Kontakt zu Artgenossen, etwa in Pensionen oder Mehrkatzenhaushalten.

Weil Stress das Herpesvirus weckt, hilft ein ruhiger Alltag: feste Routinen, Rückzugsorte, keine abrupten Veränderungen. In Mehrkatzenhaushalten getrennte Näpfe und Toiletten, damit sich Erreger langsamer verbreiten.

Häufige Fragen

Warum niest meine Katze so oft, hat aber keinen Schnupfen?

Häufig sind Reizstoffe wie Streustaub, Rauch oder Duftsprays. Auch eine leichte Reaktivierung eines alten Herpesinfekts zeigt sich oft nur als Niesen.

Ist Katzenschnupfen ansteckend für Menschen?

Herpes- und Calicivirus der Katze befallen keine Menschen. Für Chlamydien und Bordetellen sind seltene Übertragungen auf Menschen beschrieben, Händewaschen nach dem Kontakt reicht als Vorsorge. Für andere Katzen im Haushalt ist die niesende Katze hoch ansteckend.

Wie lange darf ich abwarten?

Bei fitter Katze mit klarem Ausfluss ein bis zwei Wochen. Bei Kitten, Senioren, immungeschwächten Katzen oder farbigem Ausfluss gar nicht.

Kann eine Katze eine Allergie haben?

Ja, allergische Rhinitis kommt vor, ist aber seltener als Infekt und Reizung. Sie wird erst diagnostiziert, wenn die anderen Ursachen ausgeschlossen sind.

Meine Katze niest nur auf einer Seite. Was heißt das?

Einseitiges Niesen mit einseitigem Ausfluss spricht für Fremdkörper, Zahnwurzel oder Tumor. Das gehört zeitnah in die Praxis.

Hilft die Impfung, wenn meine Katze schon Herpes hat?

Sie beseitigt das Virus nicht. Laut StIKo Vet kann sie aber die Schwere der Symptome bei einer Reaktivierung verringern.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion haustiergesundheit.net — sie schreibt hier über Katzen, Heimtiere und ihre Haltung.

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