Inhalt
Kurzantwort: Durchfall bei der Katze entsteht meist durch Futterwechsel, Unverträglichkeiten, Parasiten wie Giardien und Würmer, Infektionen oder Stress. Bei älteren Katzen stecken oft Schilddrüsenüberfunktion, Nierenerkrankung oder chronische Darmentzündung dahinter. Zum Tierarzt gehört die Katze sofort, wenn sie ein Kitten oder Senior ist, Blut im Kot hat, erbricht, nicht trinkt oder apathisch wirkt. Bei einer sonst munteren erwachsenen Katze darfst du 24 bis 48 Stunden mit Schonkost abwarten.
Weicher Kot, der nicht mehr klumpt, ein Fleck neben dem Klo, ein verklebtes Hinterteil: Durchfall fällt schnell auf. Ob er harmlos oder ernst ist, hängt vom Alter der Katze, von der Dauer und von dem ab, was sonst noch passiert.
Der Darm einer Katze reagiert empfindlich. Schon ein neues Futter, ein Stück Wurst vom Tisch oder Milch bringen ihn durcheinander. Genauso kann Durchfall das erste Zeichen einer Infektion oder einer chronischen Erkrankung sein.
Dieser Artikel ordnet die Ursachen, erklärt den Unterschied zwischen Dünndarm- und Dickdarmdurchfall, nennt die Warnzeichen und zeigt, wie der Tierarzt der Sache auf den Grund geht.
Dünndarm oder Dickdarm: Der Kot verrät die Richtung
Tierärzte unterscheiden zwei Muster. Beim Dünndarmdurchfall setzt die Katze große Mengen wässrigen Kot ab, meist ein- bis dreimal am Tag. Sie verliert Gewicht, weil der Dünndarm die Nährstoffe nicht mehr aufnimmt. Der Kot kann dunkel oder teerartig sein, wenn es weiter oben blutet.
Beim Dickdarmdurchfall geht die Katze oft und presst, es kommen nur kleine Portionen. Schleim und frisches, hellrotes Blut sind typisch. Das Gewicht bleibt meist stabil. Diese Unterscheidung hilft dem Tierarzt bei der Suche und lohnt einen genauen Blick ins Klo, bevor du es reinigst.
Die häufigsten Ursachen bei jungen und erwachsenen Katzen
Futter. Ein abrupter Wechsel der Sorte, minderwertige Zutaten, zu viel Leckerlis oder Essensreste. Kuhmilch vertragen die meisten erwachsenen Katzen nicht, weil ihnen das Enzym zum Abbau von Milchzucker fehlt. Auch Futtermittelunverträglichkeiten gegen bestimmte Eiweiße wie Rind oder Fisch führen zu wiederkehrendem Durchfall.
Giardien. Diese einzelligen Darmparasiten sind bei Katzen eine der häufigsten Durchfallursachen, vor allem bei jungen Tieren. Sie heften sich an die Dünndarmwand und lösen wiederkehrende, teils wässrige Durchfälle aus. Infizierte Katzen scheiden Zysten aus, die im Kot etwa eine Woche und in feuchter Umgebung bis zu drei Monate ansteckend bleiben. Behandelt wird mit Fenbendazol über drei bis fünf Tage oder Metronidazol über fünf bis sieben Tage, dazu strenge Hygiene.
Würmer. Spulwürmer und Bandwürmer reizen den Darm, besonders bei Kitten und Freigängern, die Mäuse fressen. Eine Kotuntersuchung oder eine regelmäßige Entwurmung nach ESCCAP-Empfehlung klärt das.
Viren. Die gefährlichste ist die Panleukopenie, die Katzenseuche. Sie trifft vor allem ungeimpfte Kitten zwischen drei und fünf Monaten, beginnt mit Mattigkeit, Erbrechen und Fieber und geht in starke, oft blutige Durchfälle über. Das Virus bleibt bei Raumtemperatur über ein Jahr ansteckend. Die Impfung schützt zuverlässig. Auch Coronaviren der Katze verursachen milde Durchfälle.
Stress. Umzug, Tierarztbesuch, Urlaubsbetreuung oder ein neues Tier reichen bei sensiblen Katzen für zwei Tage weichen Kot.
Vergiftungen und Medikamente. Antibiotika, Schmerzmittel für Menschen, giftige Pflanzen wie Lilien oder Frostschutzmittel greifen den Darm an. Bei Verdacht ist der Tierarzt sofort dran.
Ursachen bei älteren Katzen
Ab etwa acht Jahren ändert sich die Liste. Eine Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt den Stoffwechsel: Die Katze frisst mehr, nimmt ab, ist unruhig und hat weichen Kot. Chronische Nierenerkrankungen führen zu Übelkeit und Durchfall, dazu kommt vermehrtes Trinken. Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Lebererkrankungen wirken ähnlich.
Chronische Darmentzündungen, kurz IBD, verursachen über Wochen wechselnden Durchfall, Erbrechen und Gewichtsverlust. Die Diagnose ist aufwendig und läuft über Ausschluss anderer Ursachen, Ultraschall und Darmbiopsien. Bei Katzen über zehn kommen Darmtumoren dazu, etwa das Lymphom, das der IBD zunächst zum Verwechseln ähnlich sieht.
Wann du sofort zum Tierarzt musst
- Die Katze ist jünger als sechs Monate oder älter als zehn Jahre.
- Der Durchfall ist blutig, schwarz oder wässrig wie Wasser.
- Sie erbricht zusätzlich, frisst nicht oder trinkt nicht.
- Sie ist apathisch, hat Fieber oder einen schmerzhaften Bauch.
- Der Durchfall dauert länger als 48 Stunden oder kommt immer wieder.
- Du vermutest Gift, Medikamente oder einen verschluckten Gegenstand.
Kitten trocknen innerhalb weniger Stunden aus. Ein Kätzchen mit Durchfall wartet nie bis morgen.
Was der Tierarzt untersucht
Am Anfang steht das Gespräch: Seit wann, wie oft, wie sieht der Kot aus, was hat sich geändert, ist die Katze Freigänger, wann wurde sie entwurmt und geimpft. Dann tastet der Tierarzt den Bauch ab, misst die Temperatur und prüft die Austrocknung an der Hautfalte.
Die wichtigste Probe ist der Kot. Weil Giardien und Wurmeier nicht täglich ausgeschieden werden, sammelst du Kot von drei aufeinanderfolgenden Tagen in einem Röhrchen. Das Labor sucht mit Flotation nach Wurmeiern und Zysten und weist Giardien-Antigene per ELISA nach. Ein Blutbild zeigt Entzündung, Schilddrüse, Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei Kitten mit blutigem Durchfall kommt ein Schnelltest auf Parvovirus dazu. Ultraschall und Röntgen folgen, wenn ein Fremdkörper, ein Tumor oder eine verdickte Darmwand vermutet wird.
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund: Wurmmittel, Antiparasitika gegen Giardien, Infusionen gegen Austrocknung, eine Futterumstellung bei Unverträglichkeit, Medikamente für Schilddrüse oder Darm.
Häufige Fragen
Wie lange darf Durchfall bei einer Katze dauern?
Bei einer munteren erwachsenen Katze ohne weitere Symptome 24 bis 48 Stunden. Danach oder bei Warnzeichen gehört sie in die Praxis.
Können sich Menschen bei der Katze anstecken?
Giardien sind Zoonoseerreger und können auf Menschen übergehen, vor allem bei mangelnder Hygiene. Hände waschen nach dem Klo-Reinigen und Klo täglich säubern.
Warum hat meine Katze Durchfall, ist aber sonst fit?
Oft ein Futterproblem oder Stress. Hält es länger als zwei Tage an oder kommt es regelmäßig wieder, lohnt eine Kotprobe auf Giardien und Würmer.
Was bedeutet Blut im Durchfall?
Hellrotes Blut stammt meist aus dem Dickdarm und ist bei Reizung häufig. Schwarzer Kot deutet auf verdautes Blut aus Magen oder Dünndarm hin und ist ein Grund für einen sofortigen Besuch.
Kann Trockenfutter Durchfall auslösen?
Ja, bei Unverträglichkeit gegen Bestandteile oder bei zu schnellem Wechsel. Neues Futter mischst du über sieben bis zehn Tage schrittweise unter das alte.
Wie sammle ich eine Kotprobe?
Von drei Tagen je eine walnussgroße Portion in ein Röhrchen aus der Praxis, kühl lagern und ohne Streu abgeben.
Quellen
- ESCCAP Deutschland: Giardien bei der Katze
- Panleukopenie (Katzenseuche) — Wikipedia
- Feline Hyperthyreose — Wikipedia
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Katze niest ständig: Ursachen, Warnzeichen und Tierarztbesuch
- Katze hat Durchfall, was tun? Der Plan für die ersten 48 Stunden
- Katze hat Blut im Urin: Ursachen, Notfallzeichen, Behandlung
Von Marlene Kort, Redaktion haustiergesundheit.net. Bei ernsten Beschwerden verweist der Text auf die Tierarztpraxis.

Marlene teilt ihr Zuhause mit Hund und Katze unter einem Dach und schreibt über das, was im Alltag mit Tieren wirklich zählt. Wird es ernst, sagt sie das offen.







