Katze wird geimpft

Impfen von Katzen: Welche Impfungen wirklich nötig sind

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Kurzantwort: Nach der Leitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin gelten drei Impfungen als Core, also für jede Katze empfohlen: gegen Katzenseuche sowie gegen die beiden Katzenschnupfen-Erreger felines Herpesvirus und felines Calicivirus. Leukose und Tollwut sind Non-Core und richten sich nach der Lebensweise. Geimpft wird in der 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie mit 15 Lebensmonaten, danach im Abstand von bis zu drei Jahren.

Eine gesetzliche Impfpflicht für Katzen gibt es in Deutschland nicht. Verbindlich wird die Tollwutimpfung erst bei Reisen ins Ausland.

Fachlich ist die Lage trotzdem klar geregelt. Die Impfkommission am Friedrich-Loeffler-Institut unterscheidet zwischen Impfungen, die jede Katze braucht, und solchen, die vom Risiko abhängen.

Welche das im Einzelnen sind, wann geimpft wird und warum auch Wohnungskatzen Schutz brauchen, steht hier.

Core und Non-Core

Core-Impfungen schützen vor Erkrankungen, die schwer verlaufen, weit verbreitet sind oder sich kaum vermeiden lassen. Sie werden für jede Katze empfohlen, unabhängig von der Haltungsform.

Dazu zählen Katzenseuche sowie die beiden Katzenschnupfen-Erreger. Non-Core sind Leukose, Tollwut, Chlamydien und Bordetellen — hier entscheidet das individuelle Risiko.

Von der Impfung gegen die feline infektiöse Peritonitis rät die Leitlinie ausdrücklich ab, weil ihre Wirksamkeit stark eingeschränkt ist.

Katzenseuche

Die Panleukopenie wird durch das feline Parvovirus ausgelöst. Erkrankte Tiere scheiden große Virusmengen mit dem Kot aus, und das Virus bleibt in der Umwelt über Monate bis Jahre ansteckend.

Genau das macht die Impfung auch für Wohnungskatzen unverzichtbar: Das Virus lässt sich an Kleidung und Schuhen ins Haus tragen. Ohne Freigang besteht also sehr wohl ein Risiko.

Die Sterblichkeit ist hoch. Ohne intensive Behandlung liegt sie zwischen 25 und 90 Prozent, bei jungen Tieren besonders hoch.

Katzenschnupfen

Hinter dem harmlos klingenden Namen stehen mehrere Erreger, vor allem das feline Herpesvirus und das feline Calicivirus. Beide sind weit verbreitet.

Wichtig zu wissen: Eine einmal mit dem Herpesvirus infizierte Katze bleibt lebenslang Träger. Etwa 30 Prozent der Tiere scheiden das Virus zeitweise wieder aus, meist unter Stress.

Die Impfung verhindert die Infektion daher nicht vollständig und beseitigt den Trägerstatus nicht. Sie mildert den Verlauf deutlich — schwere Fälle können bis zum Verlust der Sehkraft führen.

Leukose

Das feline Leukämievirus wird über engen Kontakt übertragen, etwa über gegenseitiges Putzen, gemeinsame Näpfe und Bisse. Die Leitlinie empfiehlt die Impfung bei hohem Risiko, also vor allem für Freigänger und bei Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Status.

Vor der ersten Impfung sollte getestet werden, ob die Katze bereits infiziert ist. Bei einem positiven Befund bringt die Impfung nichts.

Junge Katzen sind besonders empfänglich. Mit steigendem Alter wird individuell entschieden, ob die Impfung noch nötig ist.

Tollwut und Reisen

Europäischer Heimtierausweis
Für Reisen ins EU-Ausland sind Chip, Tollwutimpfung und Heimtierausweis Pflicht. Foto: Europäische Kommission – Audiovisueller Dienst, Jennifer Jac, CC BY 4.0

Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Bei Fledermäusen kommt das Virus weiterhin vor, weshalb die Impfung für Freigänger nach wie vor sinnvoll ist.

Verbindlich wird sie bei Reisen. Die EU-Verordnung 576/2013 verlangt drei Dinge: eine Kennzeichnung per Mikrochip, eine gültige Tollwutimpfung und einen EU-Heimtierausweis.

Dabei gilt eine feste Reihenfolge: Der Chip muss vor der Impfung gesetzt sein, die Katze muss bei der Impfung mindestens zwölf Wochen alt sein, und zwischen Impfung und Grenzübertritt müssen mindestens 21 Tage liegen.

Der Impfplan für Kitten

Kitten beim Tierarzt
Die Grundimmunisierung beginnt in der achten Lebenswoche. Foto: Petty Officer 3rd Class Joshua Nistas, Public domain

Die Grundimmunisierung gegen die Core-Erreger sieht diese Termine vor:

  • 8. Lebenswoche: Katzenseuche, Herpes- und Calicivirus
  • 12. Lebenswoche: Wiederholung
  • 16. Lebenswoche: Wiederholung
  • 15. Lebensmonat: Abschluss der Grundimmunisierung

Der Grund für die Wiederholungen liegt bei den Antikörpern der Mutter. Sie schützen das Kitten anfangs, blockieren aber zugleich die Impfung — und können bis in die 20. Lebenswoche bestehen bleiben.

Wurde der Termin in der 16. Woche versäumt, empfiehlt die Leitlinie eine zusätzliche Impfung oder eine Bestimmung der Antikörper.

Auffrischung im weiteren Leben

Nach abgeschlossener Grundimmunisierung wird gegen Katzenseuche im Abstand von drei Jahren oder mehr aufgefrischt, gegen Herpes- und Calicivirus im Abstand von bis zu drei Jahren.

Auch Tollwut und Leukose werden mit bis zu drei Jahren Abstand nachgeimpft. Jährlich sind nur die Impfungen gegen Chlamydien und Bordetellen.

Maßgeblich ist zusätzlich die Zulassung des verwendeten Impfstoffs. Der jährliche Termin bleibt trotzdem sinnvoll — auch ohne Spritze gehört die Untersuchung dazu.

Wann nicht geimpft wird

Kranke, fiebernde oder stark geschwächte Tiere werden nicht geimpft. Auch bei starkem Wurmbefall wird zuerst behandelt.

Vor jeder Impfung steht eine Allgemeinuntersuchung. Sie entscheidet, ob die Katze an diesem Tag geimpft werden kann.

Impfstoffe brauchen eine durchgehende Kühlkette und werden deshalb in der Praxis verabreicht und nicht mitgegeben.

Nach der Impfung sind leichte Reaktionen möglich: Müdigkeit für einen Tag, eine kleine Schwellung an der Einstichstelle, gelegentlich etwas erhöhte Temperatur. Das legt sich in der Regel von selbst.

Anhaltende Schwellungen, Fressunlust über mehr als einen Tag oder Atemprobleme gehören dagegen zurück in die Praxis.

Häufige Fragen

Muss eine reine Wohnungskatze geimpft werden?

Ja, gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Das Panleukopenievirus überlebt lange in der Umwelt und gelangt an Schuhen und Kleidung in die Wohnung.

Gibt es eine Impfpflicht für Katzen?

In Deutschland nicht. Eine Pflicht entsteht mittelbar über die EU-Regeln für Reisen, die eine gültige Tollwutimpfung verlangen.

Ist jährliches Impfen nötig?

Für die Core-Impfungen nicht. Nach der Grundimmunisierung liegen die Abstände bei bis zu drei Jahren.

Wird die FIP-Impfung empfohlen?

Nein. Die Leitlinie rät davon ab, weil die Wirksamkeit äußerst eingeschränkt ist.

Was passiert, wenn ein Impftermin ausfällt?

Bei kurzer Verzögerung wird nachgeholt. Liegt der versäumte Termin länger zurück, kann die Grundimmunisierung von vorn beginnen — sprich die Praxis frühzeitig an.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Von Tim Bahr, Redaktion haustiergesundheit.net. Bei ernsten Beschwerden verweist der Text auf die Tierarztpraxis.


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